: Mary Higgins Clark
: So dunkel die Nacht Thriller
: Heyne Verlag
: 9783641306137
: Laurie-Moran-Serie
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der schlimmste Albtraum einer jeden Mutter: die Entführung ihres Kindes

Melissa Eldredge ist als Kind durch die Hölle gegangen. Sie und ihr Bruder Michael wurden entführt und sind nur knapp mit dem Leben davongekommen, als ihre Mutter alles riskierte, um die beiden zu retten. Nun wiederholt sich die Geschichte: Kurz vor Melissas Hochzeitstag verschwindet ihre zweijährige Stieftochter Riley spurlos. Wurde sie ebenfalls entführt, und hat der Täter etwas mit dem Albtraum von damals zu tun? Melissa und Michael müssen sich ihren schlimmsten Ängsten stellen, um die kleine Riley zu finden. Jede Sekunde zählt.

Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.

Prolog


Durch die Ritzen der Fensterrahmen zog ein feuchter abendlicher Windhauch. Noch vor wenigen Jahren wäre das in ihrem ehemaligen Kinderzimmer undenkbar gewesen. Ihre Mutter hatte ein Auge auf solche Unzulänglichkeiten, vor allem, wenn sie das Wohlbefinden der Gäste unter ihrem Dach beeinträchtigten. Und ihr Vater, der beste Immobilienmakler auf Cape Cod, hatte sich im Lauf der Jahre im Dienst an seinen Kunden zu einem fachkundigen Handwerker entwickelt. Aber nicht nur die Dichtung der Fensterrahmen hatte in jüngster Zeit Risse bekommen, sondern die gesamte Familie Eldredge.

Um endlich schlafen zu können, stand Melissa vom Bett auf, schlüpfte in ihre Pantoffel und schlich zum Fenster. Sie wollte niemanden wecken. Nachdem sie die Vorhänge vorgezogen hatte, fand sie ganz oben im Schrank eine Extradecke, breitete sie übers Bett und speicherte auf ihrem Handy eine Erinnerungsnotiz, vor ihrer Rückkehr nach New York noch einen Handwerker damit zu beauftragen, sich mal das ganze Haus anzusehen. Nur für den Fall, dass sie ihre Mutter doch davon überzeugen konnte, es zu verkaufen.

Als sie wieder ins Bett schlüpfte und das Handy auf dem Nachtkästchen ablegte, traf eine neue Nachricht ein.Bist du noch wach?

Sie musste lächeln. Es freute sie, dass sich Charlie während der vier Tage, die sie hier war, regelmäßig gemeldet hatte.Gradnoch so, antwortete sie.

Sie waren beide beruflich viel unterwegs, aber er meldete sich jedes Mal, wenn er morgens aufstand und abends ins Bett ging.Na, gab’s wieder Knatsch?

Er spielte auf den »albernen Zwist unter Geschwistern« an, wie ihre Mutter das am Vortag abgetan hatte. Ihr Bruder Mike hatte einen Saisonjob und war zum ersten Mal seit der Beerdigung zu dieser Familienzusammenkunft auf Cape Cod in die Staaten zurückgekehrt.Heute nur Friede, Freude, Eierkuchen. Wir waren zusammen am Grab.

Der alte Landfriedhof an der Straße zur Kirche Our Lady of the Cape war auch auf dem Gemälde abgebildet, das im Wohnzimmer über dem Klavier hing, eines der zahlreichen Bilder an den cremefarbenen Wänden im Haus. Als ihre Mutter vierzig Jahre zuvor die düsteren Grabsteinreihen gemalt hatte, hatte sie sicherlich keinen Gedanken daran verschwendet, hier einmal ihren Ehemann zu bestatten.

Sie hielt kurz inne und musste daran denken, wie Mike, als sie am Nachmittag am Grab ihres Vaters gestanden hatten, erst die Hand ihrer Mutter gehalten hatte, dann ihre. Sie waren immer noch eine Familie, egal, was passierte.Familie ist Familie, schrieb sie noch. Sie hatte nie ein negatives Wort über ihre Familie fallen lassen, bis sie mit der Trauerarbeit begonnen hatte. Jedes Mal, wenn während der Therapie das Thema auf die Eldredges kam – und darauf, was in der Vergangenheit geschehen war –, verstummte sie. Aber ihr wurde gesagt, dass ein wesentlicher Teil der Therapie daraus bestehe, über die eigene Kindheit zu reden. So hatte sie manchmal ein schlechtes Gewissen und wusste nicht recht, ob sie während der Therapie nicht zu oft