: Conn Iggulden
: Attika. Die Schlacht von Marathon Historischer Roman | »Iggulden ist eine Klasse für sich, wenn es um epische, historische Romane geht.« Daily Mirror
: Verlagsgruppe Droemer Knaur
: 9783426466421
: Attika
: 1
: CHF 13.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Manchmal kann die Freiheit nur mit Blut erkauft werden: Episch, tragisch und actionreich erzählt Conn Igguldens historischer Abenteuerroman »Attika. Die Schlacht von Marathon« von der größten Bedrohung für das antike Athen. Nie war Athen einer Niederlage näher: 490 vor Christus dringt der mächtige Perserkönig Dareios der Große mit seinen kampferprobten »Unsterblichen« tief ins Land der Griechen vor. Die Athener sind hoffnungslos in der Unterzahl, und die Götter schweigen zu ihren Bitten. Xanthippus, der oberste Feldherr der Griechen, lässt seine Männer bei Marathon einen Schildwall errichten, der die Perser um jeden Preis aufhalten soll. Denn eine Niederlage würde Sklaverei bedeuten. »Die Schlacht von Marathon« ist ein meisterhaft geschriebener Pageturner und der 1. Teil von Conn Igguldens Attika-Reihe, die von unbeugsamem Freiheitswillen und der tragischen Lebensgeschichte des Feldherrn Xanthippus erzählt. »Iggulden ist eine Klasse für sich, wenn es um epische, historische Romane geht.« Daily Mirror

Conn Iggulden unterrichtete Englisch an der Universität von London und arbeitete sieben Jahre als Lehrer, bevor er schließlich mit dem Schreiben historischer Abenteuerromane begann. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im englischen Hertfordshire.

Prolog


In der Luft hing dichter Blütenstaub von Bergblumen. Er roch nach Parfüm oder Lackdämpfen. Alles, was kreuchte und fleuchte, mied die heißen Felsen und kauerte hechelnd in den Schatten. Ringsum wuchsen Bocksdorn und trockenes Gestrüpp. Grillen zirpten in den Zweigen von Pinien, die es irgendwie schafften, an die Steine geklammert zu überleben.

In der Stille, die genauso alt zu sein schien wie die umgebenden Hügel, erklang ferne Musik – erst ein hauchzarter Ton, der zu einem Gemisch aus Trompetenstößen und lauten Stimmen anschwoll. Eidechsen huschten davon, als die durchgeschwitzten königlichen Tänzerinnen mit lärmenden Zimbeln, Pfeifen und Trommeln die Anhöhe erklommen. Auf einen knappen Befehl hin hielten sie an.

Der Großkönig ritt auf seinem Hengst nach vorn. Als er abstieg, konnte man erahnen, wie anmutig er als junger Mann gewesen war. Dareios warf einem Sklaven die Zügel zu und stieg mühsam auf einen großen flachen Stein, um die Ebene zu überblicken. Aus dieser Höhe konnte er die Narben sehen, die Kriege und Feuersbrünste im Land hinterlassen hatten. Bewegt zog er die Augenbrauen zusammen. Es war lange her, doch er erinnerte sich noch sehr gut. In diesem Moment schien es ihm, als müsste er nur einen einzigen Schritt machen, um wieder in jener Zeit zu sein, an der Seite seines Vaters und noch mit seinem ganzen Leben vor sich.

Die Stadt Sardis lag in Ruinen, die Flammen waren längst erloschen. Als sich ein leises Lüftchen regte, glaubte Dareios jedoch, verbranntes Holz und gesprungene Ziegel zu riechen, außerdem einen Hauch Parfüm oder Fäulnis. In der Ferne sah er Menschen. Die Luft war so klar, dass Dareios den Funkenflug von Kochfeuern ausmachen konnte, über denen dünne Rauchfäden in den Himmel stiegen. Gewiss waren einige der Leute dort Flüchtlinge, die wieder zurückgekehrt waren, als die Flammen erstarben. Andere mochten gekommen sein, um die Ruinen zu plündern und nach Goldklümpchen zu durchsuchen, die früher einmal Münzen gewesen waren.

Die Stadt war ein einziger riesiger Scheiterhaufen. An seinem Aussichtspunkt in den hohen, weit von der Stadt entfernten Bergen hatte Dareios Mühe, sich die Straßen, Parks und Viertel vorzustellen, die den Flammen zum Opfer gefallen waren. Er sah, dass die Wachtürme entlang des großen Walls umgestürzt und zerbrochen waren. Auch die Straßen, die von der Stadtmauer wegführten, waren ramponiert: Die Asche und der Ruß an den Fußsohlen der fliehenden Familien hatten dunkle Spuren auf ihnen hinterlassen, die an die Adern im Arm eines alten Mannes erinnerten. Dareios war sicher, dass dort unten mittlerweile die Pest grassierte. Die Überlebenden kümmerten sich ohne Ordnung nicht um die Toten, sondern liefen mit abgewandtem Blick an den von Fliegen übersäten Leichen vorbei.

Dem Großkönig machte diese Vorstellung nichts aus. Er hatte den Tod bereits viele Male gesehen und wusste, dass seine Arbeiter die Gefallenen in riesigen flachen Gruben vor der Stadt verscharren mussten, ehe sie mit dem Wiederaufbau beginnen konnten.

Schließlich wandte Dareios den Kopf, um seinen jungen Sohn in seine Überlegungen mit einzubeziehen. Xerxes saß ein Stück hinter den vordersten Reihen mit einem untergeschlagenen Bein auf den Schultern eines jungen Elefantenbullen. Dareios sah, dass der Junge von irgendetwas abgelenkt wurde, vielleicht von einem seiner Schoßtiere. Xerxes war ständig auf der Suche nach irgendwelchen Kreaturen, die er zum Spaß dressierte. Zuletzt eine Grille, davor eine winzige blaue Eidechse, die beim Fressen ihr Futter mit beiden Vorderfüßen festgehalten hatte. Der Großkönig selbst hatte nie ein Bedürfnis nach derlei Dingen verspürt. Er fürchtete, dass der Junge sich nicht genug für das Reich interessierte, das er einmal erben würde. Dareios seufzte. Würden seine väterlichen Sorgen je ein Ende nehmen?

Er hatte die königliche Prozession mit seinem Absitzen zum Stillstand gebracht. Hinter Dareios standen sechzigtausend Mann.