MEINE KINDHEIT
Alt-Moabit
Man sagte mir, ich sei am 29. April 1924 geboren worden. Persönlich weiß ich das nicht, denn damals hatte ich noch keine Erinnerung. Man zeigte mir ein Foto von einem winzigen, klitzekleinen Knaben, splitternackt auf einem Eisbärfell liegend. Das sollte ich sein! Das erste Ereignis, an das ich mich erinnern kann, war ein Bettgestell, aus dem ich wegen der Holzstäbe nicht rausklettern konnte. Dieses Bett stand in einem Zimmer, in dem meine Mutter und meine Oma immer schliefen. Es befand sich im Bezirk Tiergarten in der Straße Alt-Moabit 119, im Hochparterre. Mein Vater war nicht dabei, denn er verstand sich nicht mit seiner Schwiegermutter und umgekehrt sie auch nicht mit ihm, eine typische Situation, die immer eintritt, wenn eine dominante Person in einer Familie das Sagen hat. So verbrachte ich also meine Jugend mit zwei Frauen, verstand es aber glanzvoll, mich bei ihnen durchzusetzen. Mein Vater stammte aus Käfertal bei Mannheim und war dort mit 13 (!) Geschwistern aufgewachsen. Von dieser übergroßen Familie lernte ich so gut wie niemanden persönlich kennen, selbst nicht in späteren Jahren.
Meine Großmutter hatte während des Krieges in der Potsdamer Garnison das Offizierscasino geleitet. Das war der Grund, dass beide Frauen nach dem Krieg in Berlin eine Pension aufmachten. Es herrschte Wohn