: Siegfried Busche
: Glück gehabt! Lebenserinnerungen eines Hundertjährigen
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828037342
: 1
: CHF 8.70
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 220
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als der 1924 geborene Siegfried Busche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in seine Heimatstadt Berlin zurückkehrt, liegt diese in Trümmern. Zeit, die grausamen Bilder des Erlebten zu verarbeiten, gibt es keine. Es gilt, das Leben in der neuen Freiheit zu meistern und sich im Chaos der Nachkriegsjahre zurechtzufinden. In seiner Autobiografie zeichnet Siegfried Busche ein lebhaftes Bild seines fast hundertjährigen Lebens, verbindet die einzelnen Stationen des persönlich Erlebten mit den geschichtlichen Entwicklungen Deutschlands und erschafft damit ein wertvolles Zeitzeugnis. Was konnte man in den turbulenten Nachkriegsjahren auf dem Schwarzmarkt in Berlin alles besorgen? Wie schaffte man es 1946, an einen Studienplatz zu kommen? Und wie gestaltete sich das Leben in den Wirtschaftswunderjahren? Anschauliche Antworten auf diese und viele andere Fragen verbindet der Autor in seinen Memoiren mit Anekdoten aus seinem Privatleben.

MEINE KINDHEIT


Alt-Moabit

Man sagte mir, ich sei am 29. April 1924 geboren worden. Persönlich weiß ich das nicht, denn damals hatte ich noch keine Erinnerung. Man zeigte mir ein Foto von einem winzigen, klitzekleinen Knaben, splitternackt auf einem Eisbärfell liegend. Das sollte ich sein! Das erste Ereignis, an das ich mich erinnern kann, war ein Bettgestell, aus dem ich wegen der Holzstäbe nicht rausklettern konnte. Dieses Bett stand in einem Zimmer, in dem meine Mutter und meine Oma immer schliefen. Es befand sich im Bezirk Tiergarten in der Straße Alt-Moabit 119, im Hochparterre. Mein Vater war nicht dabei, denn er verstand sich nicht mit seiner Schwiegermutter und umgekehrt sie auch nicht mit ihm, eine typische Situation, die immer eintritt, wenn eine dominante Person in einer Familie das Sagen hat. So verbrachte ich also meine Jugend mit zwei Frauen, verstand es aber glanzvoll, mich bei ihnen durchzusetzen. Mein Vater stammte aus Käfertal bei Mannheim und war dort mit 13 (!) Geschwistern aufgewachsen. Von dieser übergroßen Familie lernte ich so gut wie niemanden persönlich kennen, selbst nicht in späteren Jahren.

Meine Großmutter hatte während des Krieges in der Potsdamer Garnison das Offizierscasino geleitet. Das war der Grund, dass beide Frauen nach dem Krieg in Berlin eine Pension aufmachten. Es herrschte Wohn