: Viki Paunovic
: Schicksal oder Entscheidung Der Weg nach Westeuropa
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991299608
: 1
: CHF 8.70
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: Erzählende Literatur
: German
Lebenslang kämpfte Dana, um sich von den Fesseln der Tradition in einer jugoslawischen patriarchalischen Familie zu befreien. Der Kampf begann bereits im Alter von sechzehn Jahren, als sie zum ersten Mal Mutter wurde. Die Familie und ihr Wohl hatten in ihrem Leben die oberste Priorität. Nach dem Tod der geliebten Mutter fiel sie in eine tiefe Depression, die sie lebenslang begleitete. Bereits als junge Mutter und Ehefrau musste sie lernen, mit der Krankheit zu leben, aus ihr ironischerweise Kraft zu tanken, wenn sie keinen Ausweg mehr vor sich sah. Die Mutterliebe zwang sie zu lernen, den Preis, der mit der Zerrüttung und dem Zerfall Jugoslawiens und der patriarchalischen Familie verbunden war, zu akzeptieren und nach vorne zu schauen, um ihrer eigenen Familie würdige Stütze zu sein.

Viki Paunovic wurde am 8. Februar 1964 im ehemaligen Jugoslawien geboren. Sie studierte an der Universität in Belgrad Organisationswissenschaften mit Schwerpunkt Informatik. Dort lebte sie bis zum jugoslawischen Krieg. 1991 kam sie nach Österreich, wo sie sich in Linz ein neues Leben aufgebaut hat. Sie ist verheiratet und Mutter einer erwachsenen Tochter. Zum Schreiben und Übersetzen kam sie durch Zufall. Eines Tages bat eine Freundin sie für ein Schulprojekt um Hilfe. Es sollte ein Gedicht eigener Wahl ausgesucht und präsentiert werden. Kurze Zeit nach der Präsentation des Gedichts 'Ein Gedicht für Dich' verstarb ihr Vater und sie begann, weitere Gedichte zu übersetzen. Aus einer Trauerbewältigungstherapie entstanden Übersetzungen einiger ausgewählter Sammlungen von Gedichten renommierter serbischer Dichter. Die Covid-Pandemie brachte sie dazu, nicht mehr nur die berühmten Lyriker der jugoslawischen Literatur zu übersetzen, sondern auch eigene Gedichte und diesen Roman zu schreiben.

Zurück in der Familie

Die ersten Wochen nach unserer Rückkehr verflogen meiner Meinung nach viel zu schnell und trotzdem waren wir überwältigt von allen Möglichkeiten, die uns bevorstanden und den Chancen, die sich uns boten, natürlich mit dem ersparten Geld aus Österreich. Die ganze Familie war richtig euphorisch und alles um uns herum war von einer Dynamik erfasst. Der Tag begann sehr früh und immer gleich: Mara und Sarah mussten in die Schule gehen, bis dorthin mussten sie eine Strecke von vier Kilometern zu Fuß bewältigen. Die Mädchen mussten frühstücken und sich für den Unterricht noch fertig machen, der um acht Uhr begann. Anna, die gerade die Volksschule hinter sich brachte, durfte ein wenig länger schlafen oder besser gesagt, so lange schlafen, bis ihre Schwestern aus dem Haus waren. Der Weg zur Schule war gleich geblieben und zwar gleich schlecht, wenn man so sagen darf. Die Straßen wurden leider immer noch nicht ausgebaut, die Infrastruktur auf dem Land hat sich kaum verändert und so erhielten unsere Kinder die gleichen Chancen für eine bessere Zukunft wie wir damals. Uns wurde klar, dass wir nicht weiter auf staatliche Hilfe warten können, bis wir an der Reihe sind, um etwas zu verbessern und voranzutreiben. Die Prioritäten der Stadt lagen woanders, aber bedauerlicherweise nicht bei uns, den kleinen Landwirten. Das Land hatte politisch gesehen keinen Nutzen von uns, weil wir nicht der politischen Orientierung Jugoslawiens entsprachen, aus dem Grund landeten wir auf ihre Prioritätenliste ganz unten, was uns eine ganze Menge von Nachteilen und Verzögerungen brachte. Man konnte sagen, dass wir einen Großteil des Jahres von der Zivilisation abgeschnitten waren. Das Landleben hat natürlich auch viele Vorteile, wie z.B. ausgeprägte Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und Unterstützung. Die Landwirte hatten genug Kapital aus dem Ausland erworben, dass sie die Landwirtsch