Einleitung
Bessere Pläne
An einem Sonntagnachmittag im Spätsommer 1980 erschien Craig Adams zum Vorspielen in der St. John’s Terrace Nummer 12 im Hyde-Park-Viertel von Leeds. Adams war achtzehn, hatte aber bereits in zahlreichen lokalen Bands Erfahrungen gesammelt – zuletzt bei dem kurzlebigen Electropop-Duo Exchange, bei dem Adams und Jim Bates, der exaltierte Manager des Faversham Hotels, Synthesizer gespielt hatten. Bates war der Sänger. Sie waren bei einem Sit-in an der Universität aufgetreten, hatten aber keine anderen großen Taten vorzuweisen. Wie Adams selbst bereitwillig zugab, waren Exchange ziemlich grässlich gewesen.
Nach diesem Experiment hatte er endgültig keine Lust mehr auf Keyboards, obwohl er seit dem siebten Lebensjahr irgendwelche Tasteninstrumente gespielt hatte. Zu diesem Vorspielen brachte er einen E-Bass und eine Fuzzbox mit. Die Fuzzbox gehörte ihm selbst, der E-Bass nicht; Adams besaß kein eigenes Instrument. Er hatte es sich von Ken Brown geliehen, der in einer Band namens YOU spielte. Brown war Linkshänder, daher hatte Adams die Saiten neu aufziehen müssen, bevor er sich auf den Weg machte.
Die St. John’s Terrace wurde auf einer Seite von einer Reihe zwei- oder dreistöckiger Altbauten gesäumt, und Haus Nummer 12 hatte man zu mehreren kleinen Einzimmerwohnungen umgebaut. In der engen Wohnung oben unterm Dach warteten Mark Pearman und Andy Taylor auf Adams. Die beiden hatten eine Band, die sie The Sisters Of Mercy getauft hatten. Pearman spielte Gitarre, Taylor saß am Schlagzeug. Den Gesang übernahmen sie beide.
Bisher hatten die Sisters Of Mercy weder live gespielt noch Studioaufnahmen gemacht. Ihr Repertoire umfasste vier eigene Songs: „The Damage Done“, „Home Of The Hitmen“, „Miser Rate“ und „Watch“. Sie klangen alle nicht besonders gut.
Taylor spielte sein Instrument – ein gebrauchtes Schlagzeug, das er schwarz angemalt hatte – seit noch nicht einmal einem Jahr. Sein Stil war primitiv, pochend dumpf schamanisch und nutzte nur einen winzigen Teil der Becken und Trommeln, was sowohl auf seine beschränkten Fähigkeiten als auch auf seine Begeisterung für die Glitter Band zurückzuführen war. Er war einundzwanzig.
Pearman war im gleichen Alter. Er hatte früher in Hull gewohnt und dort erfolglos versucht, eine Band zu gründen; Anfang 1979 war er dann nach Leeds gezogen, wo er der Umsetzung seiner Träume zunächst auch nicht nennenswert näherkam. Eine Weile hatte er bei Naked Voices gesungen, aber die Band hatte kaum Auftritte absolviert, konnte sich weder auf eine feste Besetzung noch auf einen Stil einigen und endete schließlich als wenig attraktives Mischmasch aus Wire, The Jam und Elvis Costello. Diese Erfahrung war so niederschmetternd gewesen, dass Pearman beschlossen hatte, sich das Gitarrespielen beizubringen. Damit war er immer noch beschäftigt, als Adams zum Vorspielen erschien: Pearman kannte nur ein paar Akkorde, und seine Versuche als Leadgitarrist waren so beliebig wie rudimentär.
Aber die Sisters Of Mercy hatten ein großartiges Logo: Über einem fünfzackigen Stern prangte die Zeichnung eines gehäuteten Kopfs, die einem Schaubild aus dem medizinischen StandardwerkGrey’s Anatomynachempfunden war. Taylor und Pearman fanden, es sei ein spannendes Motiv, das sich perfekt für T-Shirts eignen würde – oder für das Etikett einer Single, die sich auf einem Plattenteller dreht.
Adams, Taylor und Pearman kannten sich aus dem F Club, der angesagten Punk-Clubnacht in Leeds. Sie fand in verschiedenen Örtlichkeiten statt und war damals gerade im Brannigan’s zu Hause, einem Kellerlokal in der Call Lane. Taylors Freundin Claire Shearsby, mit der er die kleine Wohnung in der St. John’s Terrace teilte, sorgte als DJane für die Musik, seit der F Club im Sommer 1977 ins Leben gerufen worden war. Sie spielte in der Musikszene von Leeds eine große Rolle und war in der Stadt recht bekannt. Taylor saß meistens neben ihr am DJ-Pult, weil er da auch die beste Sicht auf die Bühne hatte, wenn Bands auftraten.
Für Adams war es objektiv betrachtet ein Rückschritt, sich bei Taylor und Pearman vorzustellen. Vor Exchange hatte er – ebenfalls als Keyboarder – in einer anderen, bekannteren lokalen Band gespielt, bei den Expelaires, die immerhin einen Plattenvertrag bei Zoo Records gehabt hatten, neben Teardrop Ex