Kapitel 1
Also eines muss man schon ganz ehrlich sagen: So ein Job – egal welcher – ist auch nicht immer das Honiglecken schlechthin. Vor allem wenn telefonisch Kundenbeschwerden hereinkommen, die man eigentlich nur an die zuständige Stelle weiterleiten soll, die zuständige Stelle aber nicht erreichbar ist. Man kann sich schon denken, wie das ausgeht: Das ganze Gezeter bleibt an einem selbst hängen. Und das ist nicht immer wenig, was da so an einem abgeladen wird. Die zuständige Beschwerdestelle wäre in meinem Fall mein Vorgesetzter und zugleich Ehemann, also quasi die Personalunion Ewald Kronepeter. Und wo der Ewald sich in letzter Zeit immer aufhält, das wäre schon interessant zu wissen. Immerhin kommt es neuerdings häufiger vor, dass mein Ewald nicht auffindbar ist, wenn er dringend im Büro gebraucht wird.
Auf jeden Fall ist heute ein super sonniger Tag und an einem solchen mag man sich die Laune nicht verderben lassen von Beschwerden, die die Personalunion Ewald betreffen. Da kann man es sich schon einmal erlauben, etwas früher Schluss zu machen, immerhin geht es auch um die Work-Life-Balance. Man arbeitet sowieso viel zu viel, das hält ja keiner aus auf Dauer. Und so mach ich mich, um einem gewaschenen Burn-Out vorzubeugen, auf den Weg nach Hause.
Die Sonnenbrille auf, die Luxuskarosse – in meinem Fall ein pinker Fiat 500 – gestartet und los geht es. Ein Fahrgefühl ist das schon in so einem italienischen Flitzer, das macht jedes Mal richtig Freude beim Gasgeben. Auch wenn er nicht mehr der Neueste ist, aber abgehen tut er fast wie ein Ferrari, da ist wirklich nicht viel Unterschied. Kann ich mir zumindest vorstellen, weil gefahren bin ich noch keinen Ferrari. Verkehr ist auch noch keiner in Graz, es ist eben noch ein bisschen früh für den täglichen Arbeiter-Heimfahr-Stau. Stellt sich direkt die Frage, ob es nicht sowieso auf Dauer besser wär, um halb drei das Büro zu verlassen. Aber da hätte die Personalunion Ewald sicher was Entscheidendes dagegen. Schließlich braucht er seine Assistentin der Geschäftsleitung, mich nämlich.
Der Ewald hat einen Bet