11
Hagen saß im Café und genoss einen Cappuccino nach Art des Hauses. Ein Stück Obstkuchen wartete auf dem nebenstehenden Teller darauf, verzehrt zu werden.
»Wieso warst du bei dem Zeltplatz? Kanntest du den Camper?«, tastete sich Hagen vorsichtig an den Kern des Problems heran. Seine Angela kannte sich schließlich in Polizeiarbeit blendend aus, er bewegte sich also auf besonders sensiblem Terrain.
»Kennen ist nicht das Wort, das ich wählen würde. Er hat bei mir gelegentlich Kekse gekauft. Ein verschlossener, junger Mann. Aber wenn ich ihm mal ein Tütchen vorbeibrachte, lud er mich zu einem kurzen Gespräch ein. Er mochte Jonas – und der Hund ihn.«
»Du hast ihm Kekse gebracht?«, staunte Hagen. »Lieferservice?«
»Nein«, lächelte Angela nachsichtig. »Nein!«, setzte sie dann mit Nachdruck hinzu.
»Also?«
»Ich habe sie ihm geschenkt. Nach viel Einkommen sah er nicht aus, und ich wollte ihn kennenlernen. Er war mir sympathisch.«
Hagen registrierte den leicht trotzigen Unterton, wusste, er musste sich in Acht nehmen, sollte das Gespräch kein abruptes Ende finden.
»Und? Hat er dir ein bisschen von sich erzählt? Von den Absichten, die ihn ausgerechnet nach Heidesaum geführt haben, oder erwähnte er vielleicht seinen Namen?«
»Nicht wirklich.« Angela sah Hagen fest in die Augen. »Verschlossen ist ein harmloses Wort in diesem Zusammenhang. Tatsächlich hat er sich lieber mit Jonas unterhalten als mit mir.«
»Du hast ihn nicht gefragt?«
»Nein. Warum sollte ich? Im Grunde ging ich davon aus, die Kekse würden es richten. Mir war klar, dass es dauern würde, ehe er wirklich Vertrauen entwickeln konnte.«
»Es gab von seiner Seite nie einen Hinweis darauf, was ihn hierhergeführt hat?«
»Nein«, antwortete die Besitzerin der »Gurke« zögernd. »Aber als er das erste Mal hier reinkam, sagte er etwas, was mich glauben ließ, er sei schon einmal in Heidesaum gewesen. So was wie: Ach, so was hat es hier noch nie gegeben.«
»Hm.« Hagen probierte den Kuchen. »Der ist wirklich ganz besonders lecker«, lobte er dann. »Nicht so süß und sehr fruchtig.«
Angela schmunzelte. »Viel Zucker im Gebäck ist out. Deshalb mögen meinen Kunden mein Angebot. Alles schmeckt nach den guten Zutaten – nicht nur nach Zucker. Und bio ist es auch.«
Irmgard kam am Tisch vorbei und nickte den beiden zu.
»Na, die Polizei auch hier in meinem Lieblingscafé? Wegen des Mordes an HL? Der war nie hier, oder täusche ich mich da?«
Angela schmunzelte, nickte. »Anne auch nicht. Ich hatte sie gestern eingeladen, zum Frühstück zu kommen.«
»Sie wird auch nicht kommen. Die Hürde ist noch zu hoch. Der Hans-Ludwig hat so was immer verboten. Aber heute hat sie den Besuch der Polizei verpasst.« Irmgard war stehen geblieben, musterte Hagen neugierig. »Was Neues?«
»Ein Mord im beschaulichen Heidesaum. Da darf es nicht verwundern, dass viel Polizei im Ort auftaucht.« Bredow lächelte Irmgard