: Eckhard Polzer
: Grenzgänger Schau nicht zurück
: TWENTYSIX LOVE
: 9783740723194
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 264
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Mann und seine Geliebte sind auf dem Weg durch Nordafrika. Er, auf der Suche nach seiner Vergangenheit als junger Mann, sie getragen vom Wunsch, die Wüste kennenzulernen, in der ihr Vater umkam. In Fez stirbt der Mann an einem geplatzten Aneurysma, doch zuvor will er noch, dass seine Frau aus Deutschland einfliegt, um die letzten Angelegenheiten zu regeln. Er wünscht sich, dass seine Asche im Atlantik vor Casablanca, seinem Sehnsuchtsort, verstreut wird. Auf einmal sind zwei Frauen, eine Ärztin und eine Journalistin, in einem fremden Land zusammengeschweißt. Verbunden durch die Erinnerung an einen Mann, den sie beide einmal geliebt haben. Es gelingt ihnen die Asche im Atlantik zu verstreuen, nicht in Casablanca, doch weiter im Süden Marokkos. Dort werden sie von einer Einheit der Polisario gekidnappt. Im Lager der Aufständischen befindet sich auch ein Flüchtling, ein ehemaliger Lehrer aus dem Senegal, der auf der Fahrt durch die Sahara gefangen wurde. Mit der Zeit bilden die beiden Frauen und der Flüchtling eine Schicksalsgemeinschaft, die ihnen das Überleben unter extremen Bedingungen ermöglicht. Das Buch ist eine Geschichte über Liebe, Verlust, Verrat und der Stärke unter schwierigsten Umständen zu überleben. Am Ende sind sich die Menschen nicht mehr sicher, welche Gefühle sich in ihnen regen. Sie auszusprechen erscheint ihnen wie Verrat, so schweigen sie lieber. Sie sind Opfer und Henker zugleich, Kameraden und Gegner, hybride Wesen, die nicht benennen können, wem ihre Loyalität gilt. Trotz allem ist die Geschichte getragen von der Hoffnung auf eine bessere Welt.

Der Autor ist Deutscher, wohnt heute in München und hat jahrelang im Ausland, den USA, Afrika und Indien gelebt. Seit 2003 hat er mehrere Romane geschrieben: Die Weltverbesserer, Tod am Sambesi, Dunkle Wahrheiten, Das Kuvert, Suchende, Das Verhängnis. Mehrere Kurzgeschichten und Aufzeichnungen, von 1965 bis in die Gegenwart, sind in Arbeit.

1


Der Brenner liegt schon eine Weile hinter ihnen, nur das Wummern der Räder auf den Betonplatten der Fahrbahn dringt ins Auto. Im Tal eilt der Adige der Ebene entgegen, während sich am Hang ein Viadukt ans andere reiht. Konzentriert hält Alban Bremmer den großen Wagen in der Spur, doch die vielen Kurven gehen ihm auf die Nerven. Die scharfen Lichtkontraste an den Tunnelausfahrten schmerzen ihn. Hat mich alles früher nie gestört, denkt er.

„Wie weit willst du heute noch kommen?“, fragt Sara, die entspannt die Burgen an den Hängen des Tals betrachtet.

„Bis zum Argentario, Porto Ercole, ein schöner, kleiner Hafen. Ist weit, aber zu schaffen, wenn wir uns ranhalten.“

Für einen Moment fährt er zu nahe auf. Er bremst scharf und sieht aus den Augenwinkeln wie Sara verkrampft. Lächelnd legt er die Hand auf ihr Knie. „Tut mir leid, ich war in Gedanken woanders.“

„Wo denn, mein Lieber?“

„Bei dir, bei uns. Zu viele Gedanken, zu wenig Aufmerksamkeit.“

In dem Moment entlädt sich die Gewitterwolke, die sich seit einiger Zeit über ihnen verdichtet hatte. Regentropfen prallen auf die Windschutzscheibe, gehen über in einen Sturzbach und hü