: Annika Felber
: Du tust mir nicht gut! Toxische Beziehungen erkennen und sich aus ihnen lösen
: Junfermann Verlag
: 9783749503858
: 1
: CHF 29.80
:
: Partnerschaft, Sexualität
: German
: 256
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mensch sein heißt, in Beziehung sein Menschen sind soziale Wesen, die sich nach Beziehungen sehnen. Wir leben (oft) in einer Partnerschaft, gründen eine Familie und suchen nach Verbindung - sowohl on- als auch offline. Dabei kann es jedoch immer wieder zu sogenannten toxischen Beziehungskonstellationen kommen, Beziehungen, in denen die Bedürfnisse eines Partners im Vordergrund stehen, während die des anderen nicht beachtet und übergangen werden oder in denen sich die Beziehungspartner*innen dauerhaft nicht guttun. In diesem Buch wird aufgezeigt, - welche Formen toxische Beziehungen (nicht nur in der Partnerschaft, sondern auch im Freundes- und Kolleg*innenkreis) annehmen können, - wie und warum toxische Beziehungskonstellationen entstehen, - woran man erkennt, dass man sich in einer toxischen Beziehung befindet, und - wie es gelingt, toxische Beziehungsdynamiken (gemeinsam) aufzulösen oder die Beziehung zu beenden. Übungen zu den Themen Selbstliebe und Selbstvertrauen unterstützen die Leser*innen auf ihrem Weg in eine glückliche Beziehung. Denn: Je mehr man zu sich selbst findet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für gesunde Beziehungen.

Annika Felber ist Pädagogin (M.A.) und systemische Beraterin (DGsP - Deutsche Gesellschaft für systemische Pädagogik) in eigener Praxis in Koblenz. Sie ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V. (DGSF).

Einleitung


„Chris macht mich kaputt! Ich weiß, dass ich mich trennen muss,
aber ich schaffe es einfach nicht.“

Kommt Ihnen diese Erkenntnis bekannt vor? So fasst Marie ihr Anliegen zusammen, als sie das erste Mal in meine Beratung kommt. Sie ist eine überdurchschnittlich schöne, kluge und reflektierte Frau Mitte 30, die derzeit an einer Universität als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. Sie steht, wie man so schön sagt, mit beiden Beinen im Leben und auf den ersten Blick würde wohl niemand vermuten, was sie in den letzten drei Jahren durchgemacht hat.

Alles fing damit an, dass sie auf einer einschlägigen Dating-App eine Nachricht von Chris bekam. Marie schrieb nicht gleich zurück. Es war eine recht oberflächliche Anfrage à la „Hi, wie geht es dir?“, berichtet Marie. Ein paar Tage später antwortete sie dann doch. „Ich glaube, es war einfach Langeweile“, sagt sie heute. Chris schrieb sofort zurück. Das habe ihr gefallen.

Sie texteten eine Weile, um sich dann schließlich an einem Wochenende im Juli das erste Mal zu treffen. Sie machten einen Spaziergang am Strand und gingen danach noch etwas trinken. „Chris war sofort Feuer und Flamme“, erzählt Marie, „ich fand ihn am Anfang eher nicht so toll – auch optisch nicht“.

Chris erzählte viel von sich, seinen Hobbys, seinem Job und seinen Zukunftsplänen mit Familie, Haus und Garten. Marie hielt sich zurück. Sie sei generell schon immer eher der stille Typ gewesen, erklärt sie. Spät in der Nacht schickte Chris eine überschwängliche Nachricht. Er beteuerte, dass dies mit Abstand der schönste Tag in seinem Leben gewesen sei. Marie schrieb erst am nächsten Tag zurück, denn das fand sie „irgendwie drüber“. Doch Chris blieb am Ball, war aufmerksam und überschüttete sie mit Komplimenten. Schließlich gab sie nach und traf sich erneut mit ihm. Seine Hartnäckigkeit habe ihr ziemlich geschmeichelt, räumt sie heute ein.

So trafen sich die beiden in den darauffolgenden Wochen immer öfter. Chris war sehr aufmerksam und liebevoll. Er schickte sogar Blumen. „Eine innere Stimme warnte mich schon damals. Es war alles ein bisschen schnell, alles ein bisschen viel, aber ein Bauchgefühl ist eben nur ein Bauchgefühl“, äußert Marie. Eines Tages, Marie weiß heute gar nicht mehr genau, wann, war sie bis über beide Ohren verknallt. Ab da nahm das Elend seinen Lauf. Chris wurde von Tag zu Tag abweisender. Er meldete sich nur noch selten und seine wenigen Nachrichten klangen ganz und gar nicht mehr verliebt und euphorisch, sondern distanziert und abgeklärt. Marie ist sich nicht mehr sicher, meint sich aber dunkel zu erinnern, dass sich das Blatt nach dem ersten Sex langsam zu wenden begann. Je mehr Chris sich von ihr abwendete, desto mehr tourte sie hoch. Plötzlich war sie diejenige, die ihn täglich sehen wollte und ihn mit Nachrichten überhäufte. „Ich wurde regelrecht zur Stalkerin. Ich verstehe bis heute nicht, was eigentlich mit mir los war“, beichtet Marie verlegen.

Obwohl Chris’ Interesse merklich weniger wurde, begann er, Marie mehr und mehr zu kontrollieren. Eines Abends bekam er einen furchtbaren Tobsuchtsanfall, weil er eine Nachricht von einem Freund in Maries Handy gefunden hatte. So kannte sie ihn bis dahin gar nicht. „Damals hatte ich schon irgendwie Angst vor ihm. Eigentlich wollte ich an diesem Abend die Beziehung beenden“, erinnert sie sich. Aber dann erzählte Chris ihr von seiner traurigen Beziehung zu seiner Ex. Jenna habe ihn über Monate betrogen, und deshalb könne er heute so schwer Vertrauen fassen.

Marie schämte sich für ihre vorschnellen Trennungsgedanken, verzieh ihm die Handyschnüffelei und gab ihm e