: Caitlyn Young
: Bärentanz
: Ashera Verlag
: 9783948592936
: Tintenklecks
: 1
: CHF 4.50
:
: Bilderbücher
: German
: 268
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Buch über die Freundschaft und den Mut neu anzufangen Der zehnjährige Maverick Lucky hat Pech: Nach der Trennung seiner Eltern muss er mit seiner Mutter umziehen und bei seiner Großmutter auf der oberen Halbinsel von Michigan leben. Aber was macht man inmitten von Wäldern, in denen Schwarzbären herumstreunen, und ohne funktionierendes WLAN? Mit Schulbeginn nimmt der Horror erst so richtig Gestalt an: Der herrschsüchtige Buster B. Cooper und seine Bande haben das Sagen. Maverick wird schnell klar, dass er sich entscheiden muss: Entweder er spielt auf Busters Seite mit oder er wird zum Außenseiter werden.

Caitlyn Young wurde 1975 in Stuttgart geboren. Mit dem Schreiben kürzerer Texte und Gedichte begann sie schon als Kind. Das Studium der Anglistik und Romanistik in Mainz und an der Queen Mary University in London brachte sie der Literatur noch ein Stück näher. Von 2017 bis 2020 lebte die Autorin mit ihrer Familie in Michigan. Die besten Romanideen kommen oft völlig unerwartet. Seit Anfang 2018 wird Caitlyn Young von der Agentur Ashera vertreten.

Kein schöner Geburtstag


Maverick

 

Manchmal hilft es nicht, mit Nachnamen Lucky zu heißen. Dann meint es das Leben einfach schlecht mit einem. Mich erwischte es mit elf Jahren, am Ende der fünften Klasse. All die Jahre zuvor war das die schönste Zeit im Jahr gewesen: Die Schule neigte sich ihrem Ende zu und die fast dreimonatigen Sommerferien standen vor der Tür. Aber manchmal kommt es eben anders als man es kennt.

Ich lebte mit meiner Mom und meinem Dad in einer Vorstadt im südlichen Michigan. Das war gut so, denn ich habe mir nie viel aus der Natur gemacht. Meine Mutter konnte stundenlang wandern, mein Vater zog hingegen die Stadt dem Land vor. Deswegen war sonnenklar, dass es Mom zu ihren Wurzeln zurückziehen würde. Dads Traum war eine Lehrerstelle in Chicago, aber davon wollte meine Mutter nichts wissen.

Hätte ich auch nur geahnt, was auf der oberen Halbinsel von Michigan auf mich wartete, hätte ich sogar Harrys Kiosk geschätzt. Dort kaufte ich mir zusammen mit meinen besten Freunden, Lenny und Mitch, immer die neuesten Pokémon-Karten. Zwar stank es dort nach billigem Parfüm und Harry hatte Haare auf dem Handrücken, aber wenigstens gab es den Kiosk. Er war nur wenige Gehminuten von unserem Haus entfernt. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das ein Luxus war!

Aber beginnen wir mit meinen Eltern. Denn in ihrer Ehe lag der Anfang all meiner Probleme. Heute weiß ich, dass es nicht selbstverständlich ist, mit einer Mutter und einem Vater im selben Haushalt aufwachsen zu dürfen. Damals war das für mich völlig normal. So wie Harrys Kiosk auch. Um mich herum gab es Kinder mit getrenntlebenden Eltern oder solche, die ohne Vater aufgewachsen waren, aber mir würde so etwas nie passieren. Das dachte ich jedenfalls bis zu meinem elften Geburtstag.

Meine Mutter war damit beschäftigt, bunte Einsen aus glitzerndem Pappkarton mit Reißzwecken an der Wand zu befestigen, als mein Vater, wie jeden Tag, um sechs Uhr abends nach Hause kam.

„Alles Gute zum Geburtstag!“ Er stellte seine Lehrertasche neben den Stufen, die ins Obergeschoss führten, ab und trat auf mich zu. Die Treppen waren mit dem gleichen himmelblauen Teppich überzogen, auf dem ich in unserem Familienzimmer laufen gelernt hatte.

Ich saß am Esstisch und las die Karte, die Oma Clarissa mir geschickt hatte. Der Stempel verriet, dass die Post eine Woche gebraucht hatte, um sie hierherzubefördern. Moms Mutter wohnte wirklich am Ende der Welt.

Am Morgen hatte ich Dad nicht gesehen, weil er früher als sonst zur Schule gefahren war. Er kam direkt zu mir an den Tisch, ohne Mom den gewohnten Kuss auf den Mund zu drücken. Meine Mutter hob nicht einmal den Blick, sondern ging in die Küche, um ihren vorgekochten Auflauf in die Mikrowelle zu stellen. Ihre Augen waren ein wenig gerötet. So wie meine nach dem Haarewaschen, wenn mir mal wieder der Schaum ins Gesicht gelaufen war.

„Elf Jahre! Mein kleiner Maverick ist jetzt elf Jahre alt!“ Dad setzte sich zu mir und schlang seine langen Arme um mich. Ich mochte es nicht, wenn er in der dritten Person über mich sprach. Als sei ich noch ein Baby!

Er legte seine glatte Wange