: Stephan Hähnel
: Mumien küsst man nicht Fantastische Gruselgeschichten
: Periplaneta
: 9783959962506
: Edition Drachenmücke / Periplaneta für Kids
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 196
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

? Du glaubst nicht an Trolle, Geister oder Monster. Geschweige denn Hexen!
? Einen intelligenten Roboter, der deine Hausaufgaben erledigt, würdest du sofort adoptieren.
? Gemeinsam mit einem Alien in den Sternenhimmel kucken ... das wäre was für dich!
? Du würdest Dracula gerne mal fragen, ob er immer ordentlich Zähne putzt.
? Nur Gänse bekommen Gänsehaut; du jedenfalls nie.

Wenn du all dem zustimmen kannst, besteht beim Lesen keine Gefahr. Aber sei gewarnt! Der Schrecken lauert überall. Er schleicht sich in deinen Kopf, wenn du nicht aufpasst.
Wenn du furchtlos bist, lies das Buch. Wenn nicht, lege es vorsichtig wieder hin und geh unauffällig deiner Wege. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.
Dreizehn fantastische Gruselgeschichten für Mutige.

Hinweis: Kinder unter 10 Jahren dürfen das Buch nur im Beisein Erwachsener lesen - oder heimlich unter der Bettdecke.



Stephan Hähnel wurde an Weihnachten 1961 in Berlin geboren. Von allen möglichen Geburtstagen ist der 24.12. der Unmöglichste. Denn nie gibt es eine Geburtstagsfeier. An so einem Datum kommt ja keiner. Stephan hat immer gern gelesen. Warum? Weil man in seinem Kopfkino alles sein kann: Pirat, Indianer, Monster, Agent, Ritter, Detektiv...was immer man will. Mit 10 Jahren hat er seine erste eigene Geschichte geschrieben. Inzwischen ist Schreiben sein Beruf. Er verfasst Bücher für Kinder und Erwachsene, Romane und witzige Krimi-Geschichten, was ihm den Titel 'Meister des Schwarzen Humors' einbrachte.

Mumien küsst man nicht


Bis gestern fand ich ausgestopfte Tiere richtig gut. Schon deswegen, weil meine große Schwester Franziska sie absolut doof findet.

Wenn Onkel Hartmuts Geburtstag auf dem Kalender steht, hat sie tagelang vorher schlechte Laune. So war das auch diesmal.

Onkel Hartmut ist der Bruder meines Vaters. Er ist Wissenschaftler und Tierpräparator. Im Auftrag internationaler Museen hat er so gut wie alles, was zwei, vier oder keine Beine besitzt, ausgestopft.

Ehrlich gesagt, manchmal würde ich mir ja auch gerne meine nervige Schwester ausstopfen und ins Zimmer stellen, aber das erlaubt das Gesetz nicht. Außerdem bin ich überzeugt, meine Mutter hätte garantiert etwas dagegen, wenn ich meine dreckigen Fußballschuhe um ihren Hals und die Stinkesocken an ihre Nase klammern würde.

Meine Schwester liebt Tiere über alles und findet sie total knuddelig. Mit ausgestopften Exemplaren ist das etwas anderes. Die sind nur superekelhaft und entsetzlich gruselig. Ihre Tierliebe geht so weit, dass sie weder Fleisch noch Wurst isst. Letzte Woche erst mäkelte sie: „Was einmal Augen hatte, kommt nicht auf meinen Teller!“

Meinen Einwand, es gebe auch augenlose Tiere, beantwortete sie wie immer mit Geschrei. Und wer bekam den Ärger? Ich! Dabei hatte ich ihr nur erklärt, nichts gehe über eine leckere Scheibe Grottenolmsalami. Und Regenwurmchips seien der absolute Renner. Na ja, und dass Quallengelee so schön am Gaumen kitzeln würde. Natürlich beschwerte sie sich wieder. Beschweren ist ein Hobby von ihr.

„Du sollst deine Schwester nicht ständig ärgern!“, schimpfte daraufhin meine Mutter. „Du benimmst dich wie ein Kindergartenkind!“

Dabei ist es Franziska, die pausenlos nervt. Bei jeder Mahlzeit versucht sie, mir den Appetit zu verderben. „Schmeckt die Toten-Wurst? Zergeht das Leichen-Steak mit der Blut-Fleischsaft-Soße auf der Zunge? Deine Lieblingsbouletten sind aus zerhäckselten Schweinchen.“

Dazu sagt meine Mutter nichts. Selbst mein Vater hält sich aus unseren Streitereien raus. Das Herumgezicke meiner Schwester kommentiert er höchstens mit dem Satz: „Junge, so ist das mit den Frauen. Fängt ganz früh an und hört nie wieder auf.“

Toll! Mir hilft das nicht. Außerdem traut sich mein Vater das nur zu sagen, wenn wir zu einem Männergespräch verurteilt wurden. Männergespräche muss er immer dann mit mir führen, wenn sich Franziska über mich beschwert hat.

Ihr könnt mir aber glauben, ich zahle ihr jede Gemeinheit zurück. Mein Motto: Rache ist Blutwurst!

Franziska ist zwei Jahre älter. Wenn man eine vierzehnjährige Schwester hat, die ernsthaft meint, ihren Bruder erziehen zu müssen, dann bedarf es Gegenmaßnahmen.

Vor ein paar Tagen kam ich endlich darauf, wie ich ihr das ständige Gemeckere heimzahlen kann. Nach der Schule hatte sie mit ihrer besten Freundin Laura telefoniert und sich mit ihr über Jungs und Küssen unterhalten. Und ich habe sie belauscht. Mich schüttelt es jetzt noch, wenn ich nur daran denke. Von dem Mikrofon unter ihrem Bett hatte mein Schwesterherz keine Ahnung.

„Hast du