Kapitel 1 - Amazonia oder die Entdeckung von Kurupira
Ein brasilianisches Sprichwort besagt: „Wer einmal in den Amazonas-Regenwald kommt, der wird verzaubert und dort bleiben wollen oder für immer und ewig von “Saudade” (Sehnsucht) geplagt werden.“
Nun, ich muss feststellen, dass ich da auch keine Ausnahme darstelle. Die Saudade nach diesem zauberhaften Ort ist nach wie vor sehr präsent in meinem Innern, auch wenn ich schon lange wieder weiter gereist bin. Aber wer einmal verzaubert wurde, der bleibt verzaubert!
Am Hafen von Tabatinga, einer Stadt im Amazonasgebiet von Brasilien, traf ich mich gegen Nachmittag mit ein paar Mitarbeitern des Naturreservats. Ich war sehr aufgeregt und die erste Begegnung war freundlich, doch ging es etwas chaotisch und hektisch zu. Vieles musste noch organisiert werden, bevor wir alle gemeinsam zum Naturreservat fuhren, was mitten im dichten Regenwald lag. Stadtbesuche kamen nicht so häufig vor und wenn es vorkam, dann musste an alles gedacht werden. Hauptsächlich der Einkauf von Essensvorräten auf dem großen Markt sowie das Abholen der Mitarbeiter, freiwilligen Helfer und Gäste mit dem Boot.
Nach einiger Zeit des Wartens, während zwei der Mitarbeiter noch Waren auf dem Markt besorgten, wie Säcke voll Reis, Bohnen, Mais und Maniok, konnte es losgehen. Von Tabatinga aus nahmen wir erst ein kleines Boot in ein Dorf auf der anderen Seite des Amazonas-Flusses, um von dort aus in ein noch kleineres Boot umzusteigen. Ein Stück mussten wir auch noch mit dem Jeep über Land fahren, da zu diesem Zeitpunkt der Wasserpegel noch nicht hoch genug stand, um die gesamte Strecke mit dem Boot zurückzulegen.
Nachdem sich die erste Aufregung bei mir und den anderen gelegt hatte und wir ruhig den Fluss entlang schipperten, war ich schon voller Vorfreude. Aber auch Ängste und Zweifel spielten eine Rolle in dem Theater, das mein Kopf fabrizierte. Die gemischten Gefühle lösten ein Kribbeln in meinem ganzen Körper aus und viele Fragen gingen mir durch den Kopf.
Wie wird diese Erfahrung werden? Was für Menschen werde ich treffen? Werde ich mit der Kultur zurechtkommen?
Wie wird die Arbeit sein? Und mit welchen Menschen werde ich zusammenarbeiten und in Berührung kommen?
In jedem Fall stand ich am Anfang eines ganz neuen Abenteuers. Und nicht irgendein Abenteuer, sondern ein Abenteuer im größten Regenwald, der Lunge der Erde.
Wie lange hatte ich schon davon geträumt? Schon als Kind habe ich mir vorgestellt, wie Mogli aus dem Dschungelbuch im Regenwald zu leben, mich an Lianen zu schwingen, wilde Tiere als Freunde zu haben, auf riesige Bäume zu klettern und in den Lagunen zu schwimmen. Sollte all das nun wahr werden? Ein Traum wird zur Wirklichkeit, wenn man nur lange genug träumt.
Während wir über die Flüsse, Lagunen und engen Seitenarme schipperten, rechts und links, vorne und hinten nichts als Wasser und