Vorwort
Und wann leben wir die Werte, die uns inspirieren und uns am Herzen liegen?
„An ein Kind geben wir vor allem das weiter,
was wir sind, unsere Art zu sein.“
(Catherine Gueguen)
Ein kleiner Hinweis des Autors vorweg
Ich nehme großen Anteil an der Gleichstellung der Geschlechter und beschäftige mich aktiv damit. Ich persönlich finde es jedoch sehr ermüdend, einen Text in sogenannter gendergerechter Sprache zu lesen, in der jedes zulässige Wort systematisch mit Sternchen oder sonstigen Zeichen versehen ist, die es ebenso unlesbar wie unaussprechlich machen. Im vorliegenden Buch möchte ich es daher so halten, dass das Maskulinum als neutral gilt und das Geschlecht gelegentlich abwechselnd verwendet wird. Und ich erlaube mir, Diderots großartige liebevolle Formulierung „Überall, wo nichts auf dem Blatt steht, sollten Sie lesen, dass ich Sie liebe“ zu paraphrasieren, und möchte Ihnen anempfehlen: „Wo immer der Text ‚einem Geschlecht zugeordnet‘ ist, lesen Sie ihn so, dass er den Menschen in Ihnen anspricht (und dass ich Sie so liebe, wie Sie sich fühlen!).“
Seit mehr als 25 Jahren beobachte ich das alltägliche Leben von Einzelnen, Familien und Gruppen, in meinem eigenen Privatleben wie auch bei der Begleitung von Menschen auf ihrem persönlichen inneren Weg. Ich sehe, was tiefes Wohlbefinden, Lebensfreude, ein Gefühl der Weite und Verbundenheit, Kreativität, Dankbarkeit und wohlwollende Freundlichkeit hervorbringt. Ein solcher innerer Zustand geht mit Selbstachtung und Rücksichtnahme einher, mit Durchsetzungsvermögen und Solidarität, mit der Fähigkeit zum Engagement und zur Selbstbesinnung.
Ich erkenne aber auch, was Gefühle der Leere und Einsamkeit hervorruft, Ohnmacht, unergründliche Traurigkeit und Wehmut, ein Gefühl der Zersplitterung, Anspannung oder Abkapselung, und stelle fest, dass sich solche inneren Zustände nicht zuletzt in Depressionen, Hyperaktivität, Aggressivität, Überkonsum aller Art und anderen Kompensationsmechanismen äußern.
Und ich weiß, dass das größte Geschenk, das wir als Erwachsene unseren Kindern und generell allen jungen Menschen machen können, dieses ist: ihnen – auf Grundlage unserer Erfahrungen im Alltag – zu zeigen, dass das Leben durch Freuden und Leiden hindurch ein Prozess der Selbsterkenntnis ist. Wirwerden friedlich und wirhandeln friedlich, um der gemeinsamen Liebe und Lebensfreude willen.
Nicht weil ich weltfremd bin, sondern ganz im Gegenteil, weil ich jahrelang mit Menschen aus allen Lebensbereichen gearbeitet und ganz pragmatisch die Mechanismen von Ursache und Wirkung beobachtet habe, bin ich nach und nach zu der Überzeugung gelangt: Wir verfügen über eine Macht, die ebenso erstaunlich wie „explosiv“ ist. Wir können uns verändern und einen maßgeblichen Einfluss ausüben – nicht nur auf unser Familienleben oder den Schulalltag, sondern auch auf das gesellschaftliche Leben insgesamt. Und zwar, indem wir uns regelmäßig die folgende Frage stellen:
Angesichts der endemisch um sich greifenden Brutalität
in zwischenmenschlichen Beziehungen,
der Tatsache, dass Hinhören und Empathie nicht gelehrt werden
und Beziehungen gewöhnlich auf Macht
(Drohung, Erpressung und Schuld) beruhen,
angesichts der Sucht nach Konfrontation, angesichts von negativen Gedanken
und einschränkenden Überzeugungen,
von kritischen, feigen, zynischen Eins