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Er liebte es, ganz früh morgens durch das Wäldchen zu laufen und an der Steilküste auf das Meer zu schauen. Er genoss es, sich an seiner Lieblingsstelle den Wind um die Nase wehen zu lassen, die Ostsee zu riechen und auf seiner Haut zu spüren.
Gernot Oekner war froh wieder zurückgekommen zu sein. Zurück nach dem Osten, wenn er auch eigentlich aus Güstrow kam, so hatte er schöne Erinnerungen von Urlauben an der Ostsee, als er Kind war.
In der DDR hielt er es damals aber nicht mehr aus, er liebte seine Freiheit und dazu gehörte auch, sagen zu dürfen, was er meinte. Zu reisen wohin und zu machen, was er wollte.
Da stand er nun, direkt an der Steilküste, unter ihm der Abgrund und dachte daran, wie er damals mit seiner Frau in den Westen flüchtete. Es war 1978 und sie wollten nur weg, ließen ihre Familie, alles zurück um ganz neu anzufangen.
Ja, und es war die richtige Entscheidung, dachte er mit einem Lächeln.
Mit seinen zweiundzwanzig Jahren konnte er sich im Westen ganz neu orientieren und wurde Immobilienmakler. Was er bis heute war und das sehr erfolgreich, denn er konnte es sich leisten, hierher zurück zukommen vor einigen Jahren. Gut, er war jetzt eigentlich im Rentenalter, aber solange er noch so fit war, wollte er daran nicht denken.
Ein Mann kam mit einem Hund vorbei und grüßte Gernot, der immer noch an der Steilküste stand. Er erwiderte den Gruß und trat ein Stück von dem steilen Abgrund zurück, der durch keinerlei Geländer gesichert war. Hier nicht, denn eigentlich war hier auch kein Aussichtspunkt, so wie an den gesicherten Stellen.
Aber er liebte diesen Platz, der von den Sträuchern bis auf dieses kleine Fleckchen