Der Immobilienmakler
Cornelius von Sonnenberg stand vor dem Schaufenster eines Sportgeschäfts. Unauffällig und doch aufmerksam sah er durch die große Scheibe.
Die Schaufenster wurden des Öfteren umgestaltet und die Puppen darin je nach Saison, aktueller Sportart oder dem neuesten Modehit neu eingekleidet. Jeden Monat ein bis zwei Mal. Er sah sich alles an, was sie heute neu trugen. Da er selbst gern Tennis spielte und im Park aktiv lange Strecken lief, interessierten ihn die Sportsachen, die sie anhatten. Natürlich nicht nur das. Eigentlich ging er wegen der Puppen dorthin. Sie faszinierten ihn und zogen ihn auf unerklärliche Weise an. Aber das sollte niemand mitbekommen.
Heimlich, und fast ohne seinen Kopf zu bewegen, blickte er nach links und rechts, ob ihn niemand beobachtete. Ob jemand hinter ihm stand, sah er in der Spiegelung der großen Schaufensterscheibe.
Niemand befand sich in seiner Nähe. Das war gut so. Dass Schaufensterpuppen zu einem alltäglichen Innenstadtbild gehörten, erleichterte ihm die Sache. Normale Menschen beachteten die Puppen als Solche gar nicht. Es gab viel zu viele andere Dinge drum herum zu sehen. Die Straße, die Geschäfte, entgegenkommende Passanten. Und auch die Geräusche lenkten ab. Niemand schenkte den ausgestellten Puppen Aufmerksamkeit. Anscheinend war er der Einzige. Sein Interesse zu verbergen war nicht einfach, aber er konnte nicht anders. Seine Leidenschaft war sehr ausgeprägt.
Für Cornelius lag es auf der Hand, dass viele Leute einen bestimmten Hang zu Sachen hatten, es jedoch nie als Tick oder Fetisch bezeichneten. Dabei war der einzige Unterschied von ihm zu diesen Liebhabern, dass er diese Schaufensterpuppen wirklich liebte und sexuelle Fantasien entwickelte, sobald er sie sah. Er sah etwas völlig anderes in diesen Figuren als die Menschen, die daran vorübergingen. Er sah beständige Eleganz und grazile Ebenmäßigkeit. Die figürlichen Models standen wie wunderschöne Frauen hinter der Scheibe. Manchmal glaubte er, ihre Gesichtsausdrücke hätten sich minimal verändert. Er nahm auch die neuen Posen wahr, wenn die Dekorateure sie umgestaltet hatten, und wollte am liebsten einer von ihnen sein, sodass er sie einmal berühren dürfte.
Er seufzte leise und wünschte sich,