1.10 Mamá Cultiva als kritische Empowerment-Bewegung im Machtgefüge des herrschenden Gesundheitssystems
In der beforschten Gruppe treffen das Bedürfnis und die Notwendigkeit nach Empowerment aus mehreren Perspektiven zusammen. Einerseits geht es um die Ermächtigung von Frauen69, da diese aufgrund der traditionellen Rollenverteilung als Mütter vorrangig für die Pflege der Kinder verantwortlich sind. Weiters tritt eine Konfrontation und Infragestellung von ökonomischen Machtverhältnissen und politischen Strukturen in Gesundheitsfragen hinzu. In der Situation der Mütter dieser schwerkranken Kinder akkumuliert sich eine Form von Leid, Benachteiligung durch soziale Rollen, eine Vielfachbelastung und Machtmissbrauch im Medizinsystem, wodurch die Anwendung der verschiedenen Empowerment-Konzepte mit der Verschränkung der verschiedenen Perspektiven notwendig wird.
Mamá Cultiva stellt eine Empowerment Bewegung im Sinne der Definition Freires dar, da sie sich gegen Machtstrukturen zur Wehr setzt und außerdem am Rande der Gesellschaft und des Medizinsystems steht. Empowerment entwickelt sich nach dem Ansatz Freires immer aus der eigenen Erfahrung heraus.
Rodríguez-Beltrán70 stellt die unterschiedlichen Konzeptionen der „Instrumente der Befreiung“ den „Instrumenten der Unterdrückung“ im Lernen einander gegenüber, die sich auf die Erfahrungen der Beteiligten umlegen lassen. Einerseits können Erfahrungen der PatientInnen und der Pflegenden mit dem herrschenden Medizinsystem unter die Instrumente der „Unterdrückung“ subsumiert werden, während ihr neuer Zugang zu Gesundheit und Verbesserung der Lebensqualität durch Empowerment durch die Selbstherstellung der Cannabismedizin erreicht wurde. Obwohl ihnen Cannabis zur Verbesserung