: Karin Brunner
: Mamá Cultiva: Selbsthilfe mit medizinischem Cannabis in Lateinamerika Menschenrechte und Ethik für eine Integrative Medizin
: Books on Demand
: 9783756247363
: 1
: CHF 13.20
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: Allgemeines
: German
: 278
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die lateinamerikanische Mamá Cultiva Bewegung setzt sich für den Selbstanbau von medizinischem Cannabis ein. Die Geschichte der seit tausenden Jahren dienenden Kulturpflanze Cannabis liefert ein Beispiel, wie sehr Machtstrukturen und ökonomische Interessen in den letzten Jahrhunderten die Entwicklung der Medizin und deren Forschung beeinflussten und dabei abweichendes Wissen um Gesundheit, Heilung und das Sterben unterdrückten. Menschenrechtliche und ethische Normen weisen in diesem Buch den Weg zu einer Integrativen Medizin und Forschung, in der die Fülle der medizinischen Disziplinen zum Wohle der Menschen zusammenarbeiten. Ein wissenschaftlich fundiertes, holistisches Menschenbild liefert die Grundlage für eine Neuorientierung, wenn nicht weiterhin Gewaltstrukturen im Gesundheitswesen genährt werden sollen

Karin Brunner arbeitete viele Jahre als Juristin in einem Gewaltschutzzentrum und in Anwaltskanzleien in Österreich, bevor sie im Jahr 2007 ihrem Herzenswunsch nach Südamerika folgte, wo sie in verschiedenen Ländern Arbeitsprojekte umsetzte und lebte. Mehrere Jahre verbrachte sie in Uruguay mit der Leitung eines ganzheitlich orientierten Gästehauses. Seit 2021 lebt sie in Ecuador, wo sie als Ganzheitstherapeutin und Beraterin nachhaltiger Entwicklungsprojekte wirkt. Diese Erfahrungen fließen in die Forschungsarbeit an der Uni Graz ein, in denen sie sich unter anderem care-ethischen und organisatorischen Herausforderungen in der Entwicklung integrativmedizinischer Projekte widmet. Sie ist Master in Angewandter Ethik mit dem Schwerpunkt Care-Ethik, Medizin- und Organisationsethik.

1.10 Mamá Cultiva als kritische Empowerment-Bewegung im Machtgefüge des herrschenden Gesundheitssystems

In der beforschten Gruppe treffen das Bedürfnis und die Notwendigkeit nach Empowerment aus mehreren Perspektiven zusammen. Einerseits geht es um die Ermächtigung von Frauen69, da diese aufgrund der traditionellen Rollenverteilung als Mütter vorrangig für die Pflege der Kinder verantwortlich sind. Weiters tritt eine Konfrontation und Infragestellung von ökonomischen Machtverhältnissen und politischen Strukturen in Gesundheitsfragen hinzu. In der Situation der Mütter dieser schwerkranken Kinder akkumuliert sich eine Form von Leid, Benachteiligung durch soziale Rollen, eine Vielfachbelastung und Machtmissbrauch im Medizinsystem, wodurch die Anwendung der verschiedenen Empowerment-Konzepte mit der Verschränkung der verschiedenen Perspektiven notwendig wird.

Mamá Cultiva stellt eine Empowerment Bewegung im Sinne der Definition Freires dar, da sie sich gegen Machtstrukturen zur Wehr setzt und außerdem am Rande der Gesellschaft und des Medizinsystems steht. Empowerment entwickelt sich nach dem Ansatz Freires immer aus der eigenen Erfahrung heraus.

Rodríguez-Beltrán70 stellt die unterschiedlichen Konzeptionen der „Instrumente der Befreiung“ den „Instrumenten der Unterdrückung“ im Lernen einander gegenüber, die sich auf die Erfahrungen der Beteiligten umlegen lassen. Einerseits können Erfahrungen der PatientInnen und der Pflegenden mit dem herrschenden Medizinsystem unter die Instrumente der „Unterdrückung“ subsumiert werden, während ihr neuer Zugang zu Gesundheit und Verbesserung der Lebensqualität durch Empowerment durch die Selbstherstellung der Cannabismedizin erreicht wurde. Obwohl ihnen Cannabis zur Verbesserung