2. Das Instrument Stimme
„Brust raus, Bauch RAUS und die Stimme sitzt!“
(Uta Christina Georg)
Brust raus, Bauch RAUS? Was soll das denn? Heißt es nicht Brust raus, Bauch rein …? Im Gegensatz zu dem bekannten Spruch ist es für eine frei schwingende und klar klingende Sprechstimme essenziell wichtig, dass die Bauchdecke sich den gesamten Raum nehmen darf, den sie in der Ausdehnung einnehmen kann – im Gegensatz zu einem permanent eingezogenen Bauch: Der ist gut für die Silhouette, schlecht für die Stimme.
Allerdings schließt das eine das andere nicht aus. Damit Sie die Zusammenhänge der verschiedenen Ebenen noch besser verstehen können, gibt es jetzt − bevor es mit den praktischen Übungen losgeht − noch ein kleines bisschen Theorie. Wer besonders daran interessiert ist, kann im Exkurs für Neugierige noch tiefer in die Materie einsteigen.
Unsere Stimme: Wo befindet sie sich eigentlich?
Wenn ich in meinen Seminaren nachfrage, wo sich die Stimme genau befinde, sagen ganz viele Menschen: imHals! Einige sagen auch: imBauch! Und wieder andere sagen: imKopf! Das stimmt irgendwie alles, aber jetzt wird es etwas präziser. Im Hals befindet sich der Kehlkopf mit den Stimmbändern oder Stimmlippen, das ist natürlich eine Tatsache. Im Bauch spüren wir − wenn es gut läuft − eine Bewegung, die allerdings mit der Atmung zu tun hat. Und wenn Menschen eine Wahrnehmung im Kopf spüren, bin ich ganz glücklich, denn sie sind auf dem richtigen Weg.
Haben Sie schon mal eine Geige gesehen und / oder gehört? Sie müssen dieses Instrument nicht spielen können, um die folgende Analogie nachzuvollziehen: Was sind die Saiten der Geige, bezogen auf unser Instrument Stimme? – Richtig, dieStimmbänder. Diese werden durch den Bogen der Geige gestrichen, in Schwingung versetzt. Was ist der Bogen bei unserer Stimme? – Genau, der Atem, die Atemluft bzw. dieAtemführung.
Haben Sie schon einmal Geigenspiel mit schlechter Bogenführung gelauscht? Zittrig, kratzend, ungleichmäßig, schnarrend, mit zu viel oder zu wenig Druck? Das hält kein Mensch lange aus, und doch sprechen viele Menschen − ohne es zu wissen − genauso wie schlechte oder ungeübte Geigenspielende. Der Holzkorpus der Geige ist innen hohl − dadurch gibt es einen Resonanzraum. DieseResonanzräume undKlangorte, an denen Vibration und Schwingung wahrgenommen werden, liegen bei uns nicht im Bauch, sondern im Kopf- und Brustbereich. Spürbar sind Vibrationen und Schwingungen in den verschiedensten Orten des Kopfes und eben der Brust (diese vor allem bei Männern). Diese Regionen nenne ich im FolgendenKlangorte.
Exkurs für Neugierige
Der Vokaltrakt, also der Raum zwischen Kehlkopf und Lippen bzw. Nasenlöchern, ist streng genommen der eigentliche primäre Resonanzraum.
Die wahrgenommenen Schwingungen im Kopf, in den diversen Nasennebenhöhlen, an der Stirn, an den Schläfen, am Hinterkopf und in der Brust, die bei optimaler Benutzung des Vokaltraktes entstehen, sind absolut unerlässlich für einen guten „Stimmsitz“ und demnach anzustreben.
Die Vorstellung, dass auch alle Hohlräume in der Nase und im Schädel und am Hinterkopf Resonanzräume sind, ist äußerst hilfreich, wenn auch physikalisch nicht ganz richtig, da es sich bei den Empfindungen in diesen Hohlräumen um Sekundäreffekte handelt.
Wenn Sie diese Klangräume optimal nut