: K. Elly de Wulf
: New Haven Eagles - An deiner Seite Roman | Eine Liebesgeschichte zwischen einem Footballstar und einer blinden Geigerin
: Piper Verlag
: 9783492989220
: Sweet Quarterbacks
: 1
: CHF 4.50
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: German
: 400
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Tiefgründiger, witziger und romantischer Liebesroman über einen Football-Spieler und eine blinde Violistin. Für alle LeserInnen von Leonie Lastella und Sarah Heine »Jonah hält mich aufrecht. Schweigend, wie ein riesiger Felsen, der jedem Sturm trotzen könnte und sanft, als würde er eine wohlig warme Decke um mich herumlegen.« Jonah ist mit Leib und Seele Football Spieler und ordnet dem Sport alles unter, bis er in einem Café auf Layna trifft. Von Beginn an ist er von ihrer Natürlichkeit fasziniert und fühlt sich zu ihr hingezogen, obwohl er weiß, dass er mit der blinden Violinistin nur wenig gemeinsam hat. Zwischen den beiden entwickeln sich Gefühle, die schon bald über Freundschaft hinausgehen, doch ist er mutig genug, der Liebe eine Chance zu geben und mit Layna gemeinsam durchs Leben zu gehen? »Man spürt das Knistern zwischen Layna und Jonah, die zusammen einfach zum Dahinschmelzen sind. Die zuckersüße Lovestory ist voller Hoffnung und hat ganz klar mein Herz berührt.« ((Leserstimme auf Netgalley)) »Die Geschichte ist einfach süß, ohne extremes Drama und man hat sich auf essenzielle Dinge der Beziehung konzentriert. Eine aussergewöhnliche und gefühlvolle Geschichte, die man einfach gelesen haben muss.« ((Leserstimme auf Netgalley))  »Das Buch gehört auf jeden Fall zu meinen Jahreshighlights. Ich muss sagen das Buch war wirklich toll.« ((Leserstimme auf Netgalley)) 

K. Elly de Wulf ist das Pseudonym einer 1977 in Thüringen geboren Autorin. Sie lebt mit ihrem Partner im Rhein-Main-Gebiet, wo sie den Kontrast zwischen turbulenter Großstadt und idyllischem Landleben genießt. Seit 2016 schreibt sie sinnlich-prickelnde und tiefgründige Liebesromane, mit denen sie ihre LeserInnen begeistert. Ein Happy End ist garantiert, doch der Weg dorthin oft steinig, denn keinem ihrer Liebespaare macht sie es leicht glücklich zu werden.

Layna


Die Morgensonne wärmt mein Gesicht, und der leichte Frühlingswind bringt den feinherben Geruch der Zedern mit sich. Bald wird es hier im Park überall nach frischem Gras und Blüten duften. Wie ich diese Jahreszeit liebe. Im Gegensatz zu Herbst und Winter fühlt sich alles leichter an. Je näher ich der Straße meines Lieblingscafés komme, desto kräftiger wird das Zwitschern der Vögel von den Motorengeräuschen der Autos übertönt.

Der Mülleimer stinkt wie jeden Montagmorgen nach Bier und Fast-Food-Resten. Noch zehn Schritte, dann erreiche ich die Fußgängerampel.

Topper, der die ganze Zeit über ruhig neben mir gelaufen ist, verspannt sich. Ich kann genau spüren, wie sich seine Haltung verändert, sobald seine Aufmerksamkeit gefordert ist. Wir erreichen den Bordstein. Wie gewohnt legt er seine Schnauze gegen mein Bein. Ein klares Zeichen zum Stehenbleiben. Jetzt heißt es warten. In anderen Ländern gibt es Ampeln, die nicht nur mit optischen, sondern auch mit akustischen Signalen ausgestattet sind. Leider ist es der Stadt zu teuer, diese anbringen zu lassen. Doch ich gebe nicht auf und werde es bei der nächsten Stadtratssitzung ein weiteres Mal vorbringen.

Die Rollgeräusche der Reifen werden langsamer, bis sie in meiner Nähe ganz stoppen. Der Druck der Hundeschnauze verschwindet, und ich setze mich in Bewegung. Auf der anderen Straßenseite muss ich aufpassen, dort ist der Bordstein höher, deshalb verharrt Topper kurz. Wir sind ein eingespieltes Team.

Leicht korrigiert er mich nach links, damit ich direkt zum Eingang gehe. Ich kann den Kaffee bereits riechen. Die Vorfreude zupft an meinen Mundwinkeln. Ich drücke die Tür nach innen auf und betrete dasCoffeeteer, in dem ich beinahe täglich frühstücke, denn es hat die perfekte Lage zwischen Wohnung und Büro.

»Hey, Layna.«

»Guten Morgen, Helene. Sonniger Tag wird das heute. Der Frühling ist da.« Ich vermag meine Freude darüber kaum zu zügeln. Helene lacht. Außer ihr kann ich einige wenige Gäste hören, dazu Miguel in der Küche. Es duftet nach Pancakes, Eiern mit Speck und ganz vielen anderen Sachen, von denen ich mich nicht traue, sie zu probieren. Routine ist wichtig. Immer.

Deshalb setze ich mich auf meinen angestammten Platz, den Helene freihält, und mache es mir bequem.

»Einmal Hazelnut Latte. Rest wie immer oder hast du Lust auf ein Experiment?«

»Heute eher nicht. Demnächst mal.« Mein Standardausweichmanöver funktioniert.

Minuten später stellt Helene den Kaffee vor mir ab und entfernt sich. Bestecke klappern, jemand schlürft und irgendwer ganz in meiner Nähe hackt reichlich grob auf dem Teller herum. Mir liegt die Frage auf der Zunge, ob der arme Pancake so ein Ende verdient hat, als mir der Geruch von Holz und Kiefernnadeln in der Nase kitzelt.

Er ist wieder hier? Dabei hatte ich angenommen, dass er Angst vor der großen, bösen Blinden hat, die ihn mit ihrem Todesblick verfolgt. Der Wunsch nach einem kleinen Seitenhieb, ob er seinen Mut zusammengerafft und sich wieder hierher gewagt habe, brennt ein Loch in meine Selbstbeherrschung, aber ich schaffe es, den Mund zu halten, und widme mich lieber meinem Getränk. Ich will ihn nicht belästigen.

Bei der Erinnerung an die markante Stimme des Mannes läuft mir ein wohliger Schauer den Rücken hinunter. Tief, voll und mit einem Hauch Reibeisen. Ich unterdrücke ein Seufzen und klammere mich am Glas fest.

»Dein Essen, Süße.« Helene stellt den Teller vor mir ab.

Besteck befindet sich rechts daneben auf der Serviette und ein kleines Gefäß mit Ahornsirup platziert sie auf zehn Uhr. Die Pancakes liegen nebeneinander. Alles genau so, wie ich es mit Helene besprochen habe, als ich zum ersten Mal hierherkam. Ich muss nicht herumstochern, in der Hoffnung etwas auf die Gabel zu bekommen, oder laufe Gefahr, den Kaffee zu verschütten, weil ich dagegenstoße.

Der erste Bissen ist gerade auf dem Weg in meinen Mund, da beginnt das Handy zu klingeln.

»Hallo?«, frage ich, nachdem ich es aus der Jackentasche befreit habe, und hege keine guten Vorahnungen bezüglich des Grundes für den Anruf.

»Hey. Ich bin es, Val. Ähm, es tut mir …«, höre ich den Studenten sagen, der Toppers Gassi-Service seit einigen Wochen recht unzuverlässig übernommen hat.

»Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Das kannst du nicht bringen. Gestern Abend kommst du eine Stunde zu spät und bettelst mich an, heute Morgen mit Topper erst gegen acht gehen zu können.«

»Es tut mir leid, aber was soll ich sagen …?«

»Nichts, Val. Du musst mir gar nichts sagen. Du brauchst auch heute Abend nicht vorbeizukommen. Schönen Tag noch!«

Ich bin so sauer, dass ich die Fäuste balle, doch was bringt es mir, mich über seine Unzuverlässigkeit aufzuregen. Topper ist der Leidtragende, denn er war vorhin lediglich einmal kurz mit mir an der nächsten Straßenecke. Mit mir Gassi zu gehen, ist für ihn keine Pause vom Job, die er sich wie auch ein hart arbeitender Mensch redlich verdient hat.

»Lass mich raten, er hat dich wieder hängen lassen.« Helenes Feststellung lässt mich tief durchatmen.

»Natürlich, wie gewohnt. Das war das letzte Mal. Sobald ich im Büro bin, rufe ich bei den studentischen Helfern an und lasse mich zum gefühlt tausendsten Mal auf die Warteliste setzen.«

Helene schnauft entrüstet. »Ich würde dir gern helfen, leider kenne ich niemanden, der …«

»Ich dummerweise auch nicht. Liegt es an den dreihundert Dollar? Ist das zu wenig, um täglich zweimal mit einem Hund für eine Stunde Gassi zu gehen?«

»Ach was«, erwidert sie brüsk. »Das ist leicht verdientes Geld. An anderen Unis würden sie sich darum prügeln, mit Topper losziehen zu dürfen.«

»Alles, was ich verlange, ist, dass man mit ihm gut umgeht und ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit zeigt. Was ist so schwer daran?«

Missmutig stochere ich in meinem Frühstück herum und möchte mir am liebsten daheim die Decke über den Kopf ziehen. In meinem Leben gibt es beim besten Willen genug Barrieren, doch auf jemanden angewiesen zu sein, ist die für mich am schwersten zu überwinden.

»Was machst du jetzt mit ihm?«

»Ich werde meine Mutter anrufen müssen.« Genau das, was ich vermeiden wollte. Jedes Mal, wenn ich auf sie zurückgreifen muss, bekomme ich es noch Wochen später vorgehalten. Am beliebtesten ist dabei die Frage, wieso ich überhaupt einen Blindenführhund brauchte,sie könnte mich wie früher auch überall hinbringen.

»Tut mir echt leid. Magst du noch einen Kaffee? Ich lade dich ein.«

Helene ist so lieb und einer der Gründe, warum ich dasCoffeeteer so mag. Sie behandelt mich nicht wie eine Behinderte, redet normal mit mir und vermittelt mir nicht das Gefühl, am Rand zu stehen. Gäbe es mehr Menschen wie sie, wäre das Leben so vieler Personen mit Beeinträchtigungen erheblich leichter.

»Schon okay, nicht nötig. Ich beeile mich besser, damit ich im Büro bin, wenn Mom vorfährt«, erwidere ich und lasse den Kopf hängen.

»Ist ein echt schöner Hund.«Der Mann mit der sexy Reibeisenstimme.

Im ersten Moment weiß ich gar nicht, was ich sagen soll, und richte mein Gesicht auf die Quelle der Worte aus. Er sitzt mir erneut gegenüber, räuspert sich, und ich befürchte, dass er den schlimmsten aller Fauxpas begehen könnte, indem er lauter spricht. Ich bin sehbehindert, nicht schwerhörig.

»Topper ist ein voll ausgebildeter Blindenführhund.« Ich bin stolz auf mich, dass meine Stimme nichts von meiner aufwallenden Aufregung preisgegeben hat. Wenn er mir ins Ohr flüstern würde, wäre ich Wachs in seinen Händen.

»Sollte er da nicht so ein gelbes Irgendwas mit drei schwarzen Punkten drauf tragen? Oder du? Ich meine, dann …«, setzt er leiser werdend an.

Ich quittiere seine Worte mit einem freudlosen Lachen. »Du meinst, damit mich jeder halbseidene Tunichtgut ausrauben kann? Kein Opfer ist besser als das, welches nicht in der Lage ist, den Täter zu beschreiben.«

»Sag jetzt nicht, dass man dich schon mal ausgeraubt hat«, bringt Helene keuchend hervor.

»Einmal? Nachdem mir so ein Typ beim dritten Mal fast den Kiefer gebrochen hat, weil ich...