: Malla Nunn
: Ein schöner Ort zum Sterben
: CULTurBOOKS
: 9783959882224
: 1
: CHF 8.80
:
: Historische Kriminalromane
: German
: 400
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Band 1 des Zyklus um Detective Sergeant Emmanuel Cooper. 1952: Detective Sergeant Emmanuel Cooper wird nach Jacob's Rest gerufen, ein Burenstädtchen im südafrikanischen Veld nahe der Grenze zu Mosambik. Der Kriminalermittler aus Johannesburg weiß nicht, was ihn erwartet, denn auf dem Land sind Telefone rar, und die Polizeizentrale hat nur unklare Angaben über ein »mögliches Gewaltverbrechen« erhalten. Es könnte auch falscher Alarm sein. Doch im Fluss treibt wirklich eine Leiche - in Polizeiuniform. Und was Emmanuel Cooper in Jacob's Rest zutage fördert, wird sein Leben verändern ... »Intelligenter kann man Geschichte und Literatur nicht zusammenbringen!« Marius Müller, Buch-Haltung »Malla Nunn ist eine Meisterin darin, die Unterdrückung noch in der leisesten Körpersprache darzustellen. Eine starke Schreibe, aus der der Duft der Regenzeit des südlichen Afrikas aufsteigt.« Christiane Müller-Lobeck, taz »Behutsam, fein und klug: Nunn.« Tobias Gohlis, Die Zeit

Malla Nunn wurde in Swasiland geboren. In den 1970ern emigrierte ihre Familie nach Australien, um der Apartheid zu entgehen. Malla Nunn studierte Englisch, Geschichte, Theaterwissenschaften und schuf als Drehbuchautorin drei preisgekrönte Dokumentarfilme, darunter Servant of The Ancestors. Malla Nunn lebt und arbeitet in Sydney.

1
Südafrika 1952


Detective Sergeant Emmanuel Cooper stellte den Motor ab und sah durch die schmutzige Windschutzscheibe. Er steckte im tiefsten Nirgendwo. Tiefer ging es nicht, es sei denn, man drehte die Zeit zurück bis zu den Zulu-Kriegen. Doch zwei Ford-Pickups, ein weißer Mercedes und ein Polizeitruck rechts neben ihm stellten klar, dass er sich im 20. Jahrhundert befand. Auf einer Anhöhe weiter vorn stand von ihm abgewandt eine Gruppe schwarzer Landarbeiter. Was dahinter lag, war von ihren angespannten Schultern verdeckt.

Emmanuel schaute hinaus auf die heißen grünen Hügel und entdeckte zwischen fünfzehn abgemagerten Kühen einen scheuen Hirtenjungen, der den für eine solch gottverlassene Gegend ungewöhnlichen Menschenauflauf anstarrte. Es handelte sich wohl nicht um blinden Alarm, wie die Polizeizentrale vermutet hatte – die Farm war tatsächlich ein Tatort. Emmanuel stieg aus dem Wagen und lüpfte den Hut vor den Frauen und Kindern, die im Schatten eines wilden Feigenbaums kauerten. Einige von ihnen nickten höflich zurück, schweigsam und besorgt. Emmanuel vergewisserte sich, dass er sein Notizbuch, seinen Federhalter und seine Waffe dabeihatte.

Ein alter Schwarzer in einem zerlumpten Overall trat aus dem Schatten des Polizeitrucks. Mit seiner Baumwollmütze in der Hand kam er näher.

»Sind Sie der Baas aus Jo’burg?«

»Bin ich«, sagte Emmanuel, warf einen Blick zurück zum ­Wagen und steckte die Schlüssel in seine Jackentasche.

»Der Polizist sagt, Sie sollen zum Fluss kommen.« Mit einem knochigen Finger deutete der Alte in Richtung der Landarbeiter, die auf der Kuppe standen. »Sie müssen bitte mit mir kommen, ma’Baas.«

Der Alte ging voraus, und Emmanuel folgte ihm auf die Landarbeiter zu, die sich nun zu ihm umwandten. Beim Näherkommen studierte er ihre Gesichter und versuchte die Stimmung abzuschätzen. Hinter ihrem Schweigen spürte er Angst.

»Sie müssen da lang, ma’Baas.« Der Alte wies auf einen schmalen Pfad, der sich durchs hohe Gras bis ans Ufer eines breiten, glitzernden Flusses schlängelte.

Emmanuel nickte dankend und folgte dem Trampelpfad. Eine Brise raschelte im Buschwerk, zwei Gimpel flogen auf. Er roch feuchte Erde und zertrampeltes Gras. Was mochte ihn ­erwarten?

Am Ende des Pfades erreichte er den Fluss und schaute hin­über zum anderen Ufer. Unter dem klaren Himmel schimmerte eine Ebene flachen Buschlands, das Veld. In der Ferne ragten am Horizont die zerklüfteten blauen Gipfel einer Bergkette auf. Afrika pur. Wie die Fotos in englischen Zeitschriften, wenn sie die Vorzüge der Auswanderung priesen.

Langsam ging Emmanuel am Ufer entlang. Zehn Schritte weiter sah er die Leiche.

Eine Armlänge vom Flus