: Gudrun Leyendecker
: Amor ist unbezahlbar Oder doch?
: Books on Demand
: 9783756254149
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Amor ist unbezahlbar" ist der neue Roman, der wie die 24-bändige Serie der Reihe LIEBE UND MEHR in dem historischen Städtchen Sankt Augustine spielt. Im Schloss des verstorbenen Malers Moro Rossini zeigt ein historisches Kostümfest mit mysteriösen Verwicklungen, dass Armor nicht nur eine alte Gottheit ist, sondern auch ganz modern und mit Humor sein Spielchen treibt.

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher circa 60 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehnte langen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Zweites Kapitel


Elena begann bei den Zwillingen Nina und Luisa.

„Hier bringe ich euch etwas Süßes für heute Abend vor dem Einschlafen“, teilte sie den Schwestern mit. „Der Nachteil ist aber, dass ihr euch hinterher noch die Zähne putzen müsst. Darf ich hereinkommen?“

„Natürlich!“ antwortete Nina freundlich. „Bist du etwa schon durch das ganze Schloss gelaufen? Dann kannst du dich ruhig auch einmal etwas ausruhen und zu uns setzen.“

„Aber nein. Ich habe bei euch beiden angefangen, weil ich euch sehr nett finde. Und weil ich es toll finde, dass ihr Sängerinnen werdet. Könnt ihr bei dem Fest auch etwas vorsingen? Oder geht das nicht mit Maske?“

„Adelaide hat uns extra gebeten, am Ende des Programms, kurz nachdem die Masken abgenommen werden, ein paar Songs zu singen. Das werden wir natürlich tun. Aber mit der Schokolade hast du bei mir kein Glück. Ich bin im Moment auf Diät.“

„Und ich nehme auch keine Praline, denn ich kann Schokolade nicht gut vertragen“, erklärte Luisa. „Aber trotzdem ist es sehr lieb von dir, dass du dir die Mühe machst und überall an die Türen klopfst.“

Elena ließ ihre Blicke unauffällig schweifen. „Ihr habt es euch hier sehr schön eingerichtet. Überall eigene Bilder an den Wänden. Sind sie selbst gemalt?“

„Nein, die sind von einem jungen Kunststudenten, der auch hier wohnt. Er heißt Enno, und wir finden ihn beide sehr sympathisch.“

„Seid ihr etwa beide in ihn verliebt?“ fragte das Mädchen geradeheraus.

Nina versuchte, Elenas Blick auszuweichen. „Ach, Unsinn! So etwas würden wir nie tun. Wir beide mögen uns sehr, und keine von uns möchte die andere verletzen. Wir finden ihn nur sehr nett und bewundern ihn wegen seiner Bilder. Das ist etwas ganz anderes. Als wir ihn kennenlernten, haben wir das sofort klargestellt. Keine von uns beiden will mit ihm etwas anfangen.“

„Und er hat auch keinen Zwillingsbruder?“ fragte Elena grinsend.

„Leider nicht“, sagte Luisa mit einem betrübten Blick. „Aber wir konzentrieren uns momentan sowieso sehr stark auf das Musikstudium. Viele Stunden am Tag trainieren wir unsere Stimme. Außerdem machen wir viel Gymnastik und tun etwas für unsere Figur. Viele Sängerinnen neigen nämlich dazu, etwas rundlich zu werden. Und dagegen wollen wir von Anfang an etwas tun.“

Das Mädchen seufzte. „Das ist ja schrecklich! Und deswegen dürft ihr keine Schokolade essen? Das wäre überhaupt nichts für mich. Schokolade gehört für mich zum Beispiel dazu, wenn ich meinen Lieblingsfilm ansehe.“

„Und wie heißt der?“ erkundigte sich Nina.

„Er spielt hauptsächlich in Italien, auf Sizilien und heißt: „Als der Ätna Feuer spie“. Das ist ein Krimi und ganz schön raffiniert. Und natürlich eine Liebesgeschichte. Habt ihr schon die Liste für das Kostümfest gelesen? Da sind auch einige bekannte Berühmtheiten mit spannenden Biografien dabei.“

Nina nickte. „Ja, es wird bestimmt lustig. Da verkleidet sich jemand als Beethoven, Napoleon ist dabei, Kleopatra wird sich zeigen, Jeanne D‘ Arc aus Frankreich, Königin Victoria und selbstverständlich auch die Sissi. Es ist eine lange Liste, und alle haben in den letzten Wochen eifrig an ihren Kostümen gebastelt.“

„Habt ihr eure Kostüme selbst geschneidert oder habt ihr sie nähen lassen“, versuchte Elena, die beiden aus der Reserve zu locken.

Luisa grinste. „So fragt man die Dummen aus. Natürlich haben wir unsere Kostüme selbst gebastelt. Zu viele Mitwisser können wir bei diesem Wettbewerb nicht gebrauchen. Es reicht schon, dass wir es gegenseitig voneinander wissen. Aber das ließ sich nicht vermeiden, weil wir uns hier dieses Zimmer teilen und uns sowieso gegenseitig hinter jedem Kostüm erkennen. Wir sind nämlich echte Zwillinge und uns äußerst ähnlich, sowohl im Aussehen als auch vom Charakter her.“

„Und dann findet ihr noch denselben Mann sympathisch“, fügte das Mädchen hinzu. „Nein, ich wollte euch doch nicht aushorchen. Euch erkenne ich auch sofort an eurer Stimme, oder seid ihr nicht nur gut beim Singen, sondern auch gut beim Stimmen verstellen?“

„Ein bisschen schauspielerisches Talent haben wir auch“, gab Luisa zu. „Das kommt uns bei diesem Wettbewerb natürlich zugute. Hast du eigentlich auch vor, Enno eine Praline zu bringen?“

„Natürlich. Ich habe nur noch nicht genau entdeckt, in welchem Zimmer er wohnt. Wenn er auch noch ablehnt, etwas Süßes zu essen, und die anderen auch alle, die ich noch vorhabe zu besuchen, dann muss ich nachher alle Betthupferl allein essen.“

„Tu das lieber nicht“, riet ihr Nina. „Du könntest dir damit derartig den Magen verderben, dass du am Festtag mit Bauchweh im Bett liegst. Du kannst Enno von uns Grüße bestellen und ihm sagen, dass wir morgen pünktlich um 15:00 Uhr am Pavillon sind. Da will er uns nämlich nacheinander malen.“

Elena sah die beiden Schwestern vergnügt an. Kann er euch denn auseinanderhalten? Eigentlich müsste er doch nur eine von euch beiden malen und dann das Bild kopieren.“

Luisa drohte ihr mit dem Finger. „Du bist ganz schön frech, junge Dame! Sicher hast du ein ganz ungewöhnliches Kostüm und spielst den Puck aus Shakespeares Sommernachtstraum.“

Das Mädchen lachte. „Den spiele ich nicht. Das verrate ich euch schon einmal, aber mehr nicht. Vielleicht spiele ich den Hund von Baskerville. Dann hört ihr mich nur bellen. Möglicherweise bin ich aber auch die Fee aus einem Märchen oder Till Eulenspiegel, der euch einen Streich spielt.“

Nina winkte ab. „Oh, hör nur damit auf! Ich habe auch schon davon gehört, dass es einige kostümierte Personen viel zu genau nehmen wollen mit ihrer Rolle. Sie haben auch vor, die Gäste hier etwas zu ärgern. Da gibt es zum Beispiel den Baron Münchhausen und den Rübezahl. Adelaide hat uns verraten, dass wir uns vor denen in acht nehmen sollen.“

„Und es gibt einen Amor“, wusste Elena. „Vor dem müsst ihr euch erst recht in Acht nehmen.“

„Es gibt einen Amor?“ wunderte sich Luisa. „Das sind doch die kleinen Engelchen. Der kann doch dann wirklich nur von einem Kind gespielt werden.“

Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Oh nein, Adelaide hat mir erzählt, dass dieser Amor von einer erwachsenen Person gespielt wird. Er hat sogar vor, Personen miteinander zu verkuppeln, so wie der echte Amor mit seinen Liebespfeilen.“

Nina hob die Augenbrauen. „Es wird doch wohl keiner im großen Festsaal mit echten, spitzen Pfeilen herumschießen?!“

Elena lächelte geheimnisvoll. „Natürlich nicht. Aber vor einem bestimmten Tanz, der ziemlich eng getanzt werden muss, verteilt er bunte Handschellen aus gummiartiger Plastik. Die gibt es in allen Farben, auch mit Streifen und Tupfen, und es müssen sich die zusammenfinden, die zu einem Paar gehören, mit der gleichen Farbe und dem gleichen Muster.“

„Wer hat sich das denn ausgedacht? Das ist doch eine völlig verrückte Idee!“ fand Luisa.

„Das hat sich dieser Amor selbst ausgedacht“, berichtete das Mädchen. „Sicherlich hat er Beziehungen zu einer Plastikfabrik, und Geld muss er ja auch haben, sonst könnte er dieses Party-Spielzeug gar nicht kaufen.“

Nina verzog das Gesicht. „Das finde ich überhaupt nicht lustig. Und vor allen Dingen passt das überhaupt nicht zu dem schönen Kostümfest. Da sind so viele echte historische Kostüme dabei, bei denen sich alle Teilnehmer so viele Mühe geben. Solch eine Idee sollte verboten werden!“

„Ich finde das ganz lustig“, widersprach Elena. „Das werde ich mit meinem Handy filmen. So aneinandergekettet kann man doch nur komisch herumhüpfen und gar nicht richtig tanzen.“

„Ich werde einmal mit Adelaide sprechen“, überlegte Nina. „Sie sollte doch noch einmal mit diesem Amor reden. Vielleicht sollte er lieber Pfeile aus Papier benutzen oder aus Strohhalmen. Das stelle ich mir geschmackvoller vor.“

„Ich glaube nicht, dass du damit Erfolg hast“, vermutete das junge Mädchen. „Ich habe den großen Karton mit den bunten Handschellen bereits gesehen, und sie glitzern schön, sie sind überhaupt nicht kitschig. Man sieht es überhaupt nicht, dass sie aus Plastik sind. Wirklich! Sie sehen aus wie kostbarer mittelalterlicher Schmuck, so etwa wie mit Brillanten besetzte Armreifen.“

„Dann müssen sie ganz schön teuer gewesen sein“, rätselte Luisa. „Dann muss dieser Amor ziemlich reich sein.“

„Wir werden das alles herausbekommen“, versprach das Mädchen. „Aber jetzt muss ich euch allein lassen, denn ich habe noch viel Arbeit vor mir.“

Sie verabschiedete...