: Harry Shapiro
: Gary Moore Die offizielle Biografie
: Hannibal
: 9783854457275
: 1
: CHF 8.90
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 504
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Gary Moore: der letzte große »Guitar Hero« Gary Moore hat mit seinem leidenschaftlichen Gitarrenspiel ganze Generationen begeistert. Melodiöser Hardrock mit Thin Lizzy und Fusion mit Colosseum II in den Siebzigern, Heavy Metal in den Achtzigern und Bluesrock in den Neunzigern - Moore stand auf den Bühnen der Welt immer an vorderster Front. Musikkenner schätzten ihn, doch kaum jemand kannte ihn wirklich. Gerüchte über seinen eskalierenden Drogenkonsum, erbarmungslose Schlägereien und zahlreiche Affären verwoben sich zu einem beinahe undurchdringlichen Schleier. Harry Shapiro nimmt den Leser in seiner umfangreichen Biografie mit auf eine spannende Spurensuche, die in einem vom Nordirlandkonflikt zerrütteten Land beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Trotz seines viel zu frühen Todes 2011 ist Gary Moore nämlich immer noch ein Phänomen mit einer unvergleichlichen Lebensgeschichte. Auf seiner Reise trennt Shapiro Fakten von Mythen und nähert sich einem schillernden Menschen, der die vielen Tiefschläge, die er einstecken musste, durch zeitlose Musik kompensierte und seine Fans damit bis heute bezaubert.

Der englische Harry Shapiro hat mit seiner Jimi-Hendrix-Biografie Electric Gypsy Maßstäbe für die Rockliteratur gesetzt. Neben seinen Veröffentlichungen zum Thema Drogen, wie dem bereits bei Hannibal erschienenen Sky High: Drogenkultur und Rock'n'Roll, schrieb Shapiro Biografien über Eric Clapton, Alexis Korner, Jack Bruce und Bob Dylan. Harry Shapiro lebt in London. Seine in mehrere Sprachen übersetzte Gary-Moore-Biografie wurde 2023 von der amerikanischen Association for Recorded Collection (ARSC) in Pittsburgh ausgezeichnet. Shapiro erhielt die prestigeträchtige Anerkennung in der Kategorie 'Herausragende historische Recherche im Segment Pop und Rock'.

Vorwort

Nachdem ich meine letzte Musikbiografie 2010 beendet hatte, ein Buch über Jack Bruce, den wir alle schmerzlichst vermissen, kam unvermeidbar eine Frage auf: „Was als Nächstes?“ Die Monate zogen vorüber, doch nichts kam mir in den Sinn. Und dann – im Februar 2011 – verstarb tragischerweise Gary Moore. Natürlich kannte ich Gary und besaß auch einige seiner Alben, doch was mich überraschte, waren die zutiefst emotionalen Mitleidsbekundungen von unter anderem Joe Bonamassa, Joe Elliot, Brian May, Bob Geldof, Slash, Paul Rodgers, Kirk Hammett sowie den Mitgliedern von Saxon und Europe. Sie wiesen alle darauf hin, welch einen Einfluss er auf die Welt der Gitarristen ausgeübt hatte und was für eine Inspirationsquelle er gewesen war.

Im Laufe der folgenden Wochen informierte ich mich online und fand vergleichbare Kommentare von „normalen“ Fans aus der ganzen Welt. Sein Spiel wurde wohlwollend mit dem der besten Gitarristen aller Zeiten verglichen. Garys Musik und seine Songs hatten offensichtlich die Herzen von Millionen erreicht, aber ich stand dennoch vor einem Rätsel. Leserbefragungen zu den „Bedeutendsten Musikern“ haben nur einen geringen Wert, denn Musik ist kein Boxkampf, bei dem man exakt durch die Anzahl der gewonnenen Kämpfe den Besten bestimmen kann. Die aktuelle Popularität und der kommerzielle Erfolg wirken sich natürlich auch auf die Rankings aus. Trotz dieser Faktoren organisieren Musikmagazine die Befragungen, da sie von den Lesern geschätzt werden. Ich schaute mir also die aktuellsten Listen der „Größten Gitarristen“ an und fand dabei heraus, dass Gary – falls er überhaupt Erwähnung fand – nur selten auftauchte, egal ob es die Top 50 oder sogar die Top 100 waren. Hier wartete scheinbar eine Geschichte darauf, erzählt zu werden.

Dies fand Bestätigung, nachdem ich die Biografie auf den Weg gebracht hatte und mich einige Leute nach dem nächsten Buch fragten. Als ich „Gary Moore“ antwortete, reagierten sie mit hochgezogenen Augenbrauen, bis ich die unangenehme Stille mit dem Kommentar „Er war bei Thin Lizzy“ beendete. Schon bald erkannte ich, mich mit einem Musiker zu beschäftigen, der sich ähnlich wie Jack Bruce „im Rampenlicht versteckte“, bekannt für seine Bedeutung, aber der breiten Masse nur durch wenige erfolgreiche Momente geläufig. Das Thema wurde immer interessanter, da mir die Lektüre von Artikeln in Musikmagazinen wenig oder gar nichts über den Menschen verriet. Obwohl sich Gary immer gebildet und intelligent gab, beschränkten sich seine Kommentare auf die Rolle eines Musikers und Bandleaders. Er erwähnte die aktuellsten Alben und Besetzungen, Lieblingsgitarren und Verstärker, doch reagierte auf persönliche Fragen mit einem charmanten Lächeln oder wiegelte sie schnell ab. Wer war Gary Moore, dieser überragende Gitarrist, den sowohl Musiker als auch Fans verehrten, der aber nicht die allgemeine Öffentlichkeit nachhaltig erreicht hatte?

Garys Frau erzählte mir kurz nach Beginn unseres Gesprächs: „Sie werden Leuten begegnen, die sagen, Gary sei das größte Arschloch der Welt gewesen, doch wenn er dich einmal herzlich drückte, blieb es dabei.“ Wie Recht sie haben sollte! Mit nur einem Satz hatte sie das Paradox von Gary beschrieben. Er war ein Gitarrist mit außergewöhnlichem Talent, von seinen natürlichen Fähigkeiten und Unsicherheiten zu künstlerischen Höhepunkten getrieben. Doch tiefgreifende und nagende Zweifel setzten ihm schwer zu. Dadurch verhielt er sich oft extrem schwierig und arrogant, und ließ häufig ohne Nachzudenken unreflektierte Kommentare vom Stapel, die ihm nur wenige Freunde in der Musikindustrie einbrachten. Dennoch war Gary ein absoluter Perfektionist und fähig zur ernsthaften Selbstkritik. Er legte die Messlatte für sich sehr hoch und erwartete dieselben Ambitionen auch von anderen. Fernab der Bühne und dem Studio, und in den Momenten, in denen er die Gitarre ablegte, die für ihn gleichzeitig ein Instrument und Schutzschild war, tauchte eine andere Persönlichkeit auf. Gary war ein sehr schüchterner Me