Das Meer ist das Ziel
Professor Hagedorn rückte sein Mikrofon am Hemdkragen zurecht, damit er über die Lautsprecher im Hörsaal gut zu verstehen war.
»Die männlichen Wale besitzen einen Penis aus elastischem Gewebe, der bei großen Arten eine Länge von zweieinhalb bis drei Metern erreicht.«
Ein belustigtes Raunen ging durch den Saal. Die Hälfte der anwesenden Studenten kicherte. Marina, die sich für den Studiengang Meeresbiologie angemeldet hatte, lehnte sich schmunzelnd auf dem gepolsterten Holzstuhl zurück und grinste, als sie sich das Ausmaß eines solchen Penis vorstellte. Ihre Nachbarin Vera stupste sie an, und als sich die Blicke der Mädels trafen, lachte Marina laut auf. Wenn sie neben Vera saß, waren Lacher vorprogrammiert, denn ihre ulkige Art sowie ihr lustiger Gesichtsausdruck steckten sie jedes Mal an. Sie brauchte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatte und das Lachen aus ihrem Gesicht verschwand. Gleich darauf war es ihr peinlich, sich gehen gelassen zu haben. Sie beschloss, von jetzt an ernst zu sein und dem Unterricht zu folgen. Sie räusperte sich entschuldigend.
»Ich kann nicht verstehen, was daran witzig ist«, versuchte Professor Hagedorn die kichernde Meute zu beruhigen.
Marina grunzte verhalten und konnte ein erneutes Lachen nicht verhindern.
»Vor einigen Jahren hatte sich ein Blauwal in die Nordsee verirrt. Als man den toten Wal am Strand fand, stellte es sich als Riesenaufwand heraus, das Tier zu bergen. Man musste es zerlegen und die Wissenschaftler des Naturkundemuseums hatten sich sofort wertvolle Teile des Tieres gesichert. Das Prachtstück der Sammlung war nun mal der Penis des Riesensäugers. Er war einen Meter sechsundfünfzig lang und dermaßen schwer, dass man ihn kaum zu zweit tragen konnte. Der Präparator des Landschaftsverbandes schätzte ihn auf einen Zentner. Die Leute von der Bergung