Teil 1: Onkel Fredi – die 1970er-Jahre
Der „Geldscheißer“
In meinem Geburtsjahr 1963 begannen auch die Planungen für den Bau der ‚Transalpinen Ölleitung‘ (TAL) von Triest durch Tirol nach Bayern. Ein Konsortium der größten Erdölfirmen der Welt – ENI, BP, ESSO und SHELL – griff die Idee des venezianischen Finanzmanagers Marco Barnabò für diese Pipeline auf. Die Bechtel Corporation konnte binnen vier Monaten eine Machbarkeitsstudie durchführen. Bereits 1964 begannen die Bauarbeiten, die im Juni 1967 abgeschlossen wurden.
Die Pipeline führt über insgesamt 465 Kilometer von Triest nach Lenting bei Ingolstadt und in weiterer Folge über 287 Kilometer nach Karlsruhe. Sie überquert und untertunnelt auf diesem Wege die Alpen und kommt an der italienisch-österreichischen Grenze bei Kötschach-Mauthen nach Österreich. An der österreichisch-bayerischen Grenze bei Kufstein gelangt die Pipeline nach Deutschland. 1970 wurde die TAL bei Würmlach um die Abzweigung der Adria-Wien-Pipeline zur Raffinerie in Schwechat erweitert.
Die Baukosten betrugen 192 Millionen US-Dollar. Damit galt das Bauprojekt als eine der größten Investitionen durch private Geldgeber in der damaligen Zeit, für die ein Konsortium aus 83 Banken eingerichtet wurde. Und so kamen Fredi Schwarz und mein Vater, Karl Cibulka, in Kontakt. Karl begann nach der Matura im Jahr 1958 ein Studium an der Hochschule für Welthandel. 1961 brach er dieses jedoch ab und begann bei der Creditanstalt-Bankverein (CA-BV) in der Kassa-Abteilung in der Schottengasse und später in der Filiale am Parkring am Schalter zu arbeiten.
Die Creditanstalt war nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht und wurde 1956 durch die Ausgabe von so genannten Volksaktien – zu 40 Prozent – teilprivatisiert. Sie war vor allem im Geschäft mit Großkunden aktiv. Außerdem widmete sie sich der Finanzierung des eigenen Industriekonzerns, der Beteiligungen an wichtigen österreichischen Unternehm