: Barbara Herrmann
: Das Obstgut Schwere Zeiten
: Books on Demand
: 9783756289066
: 1
: CHF 3.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 296
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mitte der 60er Jahre heiratet Gerhard Glotz, der größte Obstbauer im Bühlertal, die achtzehnjährige Jutta. Anstatt aber eine stolze Bäuerin sein zu dürfen, wartet auf sie ein mühsames und hartes Leben. Ihr Ehemann tyrannisiert seine Familie und seine Landarbeiter mit seiner unbeugsamen Härte. Sein ältester Sohn Tobias verlässt als junger Mann nach einem heftigen Streit und der Uneinsichtigkeit des Vaters das Gut. Den jüngsten Sohn Klaus, den Gerhard ohnehin nicht leiden kann, weil er das Klavier der Landwirtschaft vorzieht, verjagt er erbarmungslos. Auch die Bäuerin lässt Gerhard einfach im Stich, als diese schwer erkrankt. Eine Familie zwischen dem Schwarzwald und dem Bodensee, die trotz vieler Turbulenzen einen Weg zwischen Tradition und Moderne suchen und finden muss.

Barbara Herrmann ist in Karlsruhe geboren und in Kraichtal-Oberöwisheim aufgewachsen. Ihre Liebe zu Büchern und zum Schreiben begleitete sie während ihres ganzen Berufslebens als Kauffrau. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand sind mehrere Bücher (Romane, Reiseberichte, humorvolles Mundart-Wörterbuch) von ihr erschienen. Heute lebt die Mutter zweier Söhne mit ihrer Familie in Berlin.

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„Klaus! Zum Kuckuck noch mal, wo steckst du?“, tönte es energisch, laut und wütend durch das Haus.

Der junge Mann hielt sich sofort die Ohren zu, weil die Stimme des Vaters wie immer unerbittlich klang. Er konnte sie nicht mehr hören, diese schreckliche Stimme, die nur so vor Kraft strotzte, die tief und markig war. Sie duldete keinen Widerspruch. Immer der gleiche dunkle Ton. Er würde nie verstehen, warum diese Stimme so intensiv durch das ganze Haus dröhnen konnte, obwohl sich sein Vater draußen auf dem Hof aufhielt.

Er hatte sich erst vor wenigen Minuten an sein Klavier gesetzt, weil er ein paar Noten in sein Notenblatt eintragen wollte, damit er sie bis zum Feierabend nicht vergaß und weil er unglaublich müde war. Für ihn waren die Wochentage, die reinste Tortur. Sie waren angefüllt mit einer Arbeit, die er zutiefst hasste.

„Was ist denn nun schon wieder“, flüsterte er mit einem Seufzer der Verzweiflung, der ihm laut über die Lippen kam. Er ahnte natürlich, dass ihn sein Vater suchte, weil er sich erlaubt hatte, auf sein Zimmer zu gehen. Müde erhob er sich und ging mit schleppenden Schritten die Treppe hinunter. Er musste antworten und hören, was der Vater ihm zu sagen hatte. Nur so konnte er einem größeren Streit aus dem Weg gehen. Eigentlich sehnte er sich nur nach einer kurzen Pause, weil er den ganzen Vormittag hart gearbeitet hatte und sowieso gleich das Mittagessen anstand. Ihn jetzt noch zu rufen, empfand er als Schikane. Seine Mutter würde ohnehin gleich zum Essen bitten.

„Ich bin doch da, was willst du von mir, Vater?“, fragt