: Hermann Szodl
: "KONRAD 3" von Funkstelle...!
: Verlag Margarete Tischler
: 9783950448740
: 1
: CHF 13.20
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 207
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieses Buch soll anderen, die mit meinem Beruf nicht vertraut sind, einen kleinen Einblick gewähren, mit welch ergreifenden und grauenhaften Schicksalen wir tagtäglich konfrontiert werden können. Sie sollen dadurch auch die -dunkle Seite- unseres Berufes kennenlernen. Nicht DERRIK und TATORT und schon gar nicht CSI und KOTTAN sind die Realität. Eine Realität, welche den meisten Menschen zum Glück erspart bleibt. Das Buch soll nicht schockieren. Aber es wird auf jeden Fall ergreifen und die Gefühle jedes einzelnen berühren.

Hermann Szodl, 1960 geboren, verheiratet, zwei Kinder. Gelernter Gas-Wasserleitungsinstallateu und Heizungsbauer, 1982 Ausbildung zum Polizeibeamten. Der berufstätige Polizist lebt mit seiner Familie in Gattendorf, Burgenland, Österreich. Um das, was er im Dienst erlebt hat, zu verarbeiten, hat er das Buch KONRAD 3 von Funkstelle ... ! geschrieben. Er ist ein fantastischer Erzähler; dies zeigt sich in seinen facettenreichen Formulierungen, die er zu Papier gebracht hat.

Erinnerungen eines Bezirkspolizisten


Der Tod ist der ständige Begleiter des Lebens 

oder

Wie man seine Nerven verlieren kann

Es war gegen 03:20 Uhr. Der Regen ging allmählich in ein Tröpfeln über. Das Kopfsteinpflaster der Haidestraße glänzte im Licht der Straßenbeleuchtung, welche hier nur spärlich für Helligkeit sorgte. Ein gespenstisches Zwielicht, nass triefend und über alledem ein leichter Dunst. Ich bin der Lenker des Streifenwagens „Konrad 3“. 

Mein Name ist Hermann S. und mein Dienstgrad ist Revierinspektor. Genauso wie mein Partner Johann Z. machte ich Dienst im 11. Wiener Gemeindebezirk. Im 11. Hieb, wie der gelernte Wiener zu sagen pflegt.

Die Haidestraße gehörte nicht zu unserem Überwachungsrayon. 

Kurz nach der Ablöse um 03:00 Uhr in Kaiser Ebersdorf verspürte mein Funker ein dringendes Bedürfnis. Das Wachzimmer konnte ich um diese Zeit wegen einer solchen Lappalie nicht mehr anfahren. Daher beschloss ich, die Haidestraße anzusteuern, da diese Gegend hier um diese Zeit menschenleer war. Außerdem gab es genügend Gebüsch, in welches man sich ungestört zurückziehen konnte. 

Während ich mit mäßigem Interesse den Funkwagen Richtung 11. Haidequerstraße steuerte und dem dürftigen Funkverkehr nachhing, wurde ich auf Höhe des ehemaligen Beschussamtes gegenüber den STEYR-Werken aus den Gedanken gerissen. 

„Bleib steh’n, ich kann nimmer warten. Wenn ich nicht gleich pinkeln kann, steh’n mir im Wasser“.

Sofort hielt ich den Wagen an und Z. sprang aus dem Wagen, um sofort in einem dichten Hollerbusch zu verschwinden. Ja, ja, wenn er nur immer so schnell wäre. Da kein Verkehr herrschte, konnte ich an Ort und Stelle auf der Fahrbahn verweilen. Ich schloss kurz die Augen, während der Motor im Leerlauf tuckerte…

„CÄSAR 2 von Funkstelle“, plärrt das Funkgerät. Während ich leiser stelle, erfahre ich, dass diese Streife in die Ungargasse wegen eines Familienstreites beordert wird. 

Ich wollte gerade wieder kurz wegdösen, als ich die Straße voraus zwei dunkle Schatten bemerkte, welche gerade aus dem Licht einer Laterne in das herrschende Halbdunkel eintauchten. Aufmerksam geworden, konnte ich zwei Fußgänger beobachten, welche auf dem gegenüberliegenden Gehsteig in Richtung Kopalgasse gehend sich dem Funkwagen näherten. Irgendetwas erregte meine Aufmerksamkeit. War es ihr Gehabe? Die Zeit? Die Unwirklichkeit der Situation? Was taten die beiden jungen Männer um diese Zeit hier überhaupt? Es ging weder ein Bus noch fuhr hier eine Straßenbahn. Weit und breit keine Wohnhäuser, nur Industrieanlagen. Auch gab es hier keine Lokale, welche eine Anwesenheit erklären würden.

Wer geht hier um diese Zeit und bei diesem Wetter zu Fuß durch die Gegend?

Zwei Männer, einer in einer schwarzen Lederjacke und Jeanshose, der andere in einem langen Steamer-Mantel. Beide ca. 18 Jahre alt und mit südländischem Aussehen. Als sie fast auf gleicher Höhe des Funkwagens sind, lasse ich langsam die Seitenscheibe bis zum Anschlag herunter. Sofort trifft mich die Kühle und die Feuchtigkeit der Nacht. Vergessen sind meine übliche Vorsicht. Vergessen die Eigensicherung. Lässig winke ich den beiden Gestalten zu, dass