Prolog
Shigenaga wagte kaum zu atmen, selbst wenn er wusste, dass das Scharren und Schnauben der Pferde lauter war als jedes Geräusch, das sein Schleichen hier drin verursachte. Um ihn herum war es stockdunkel, doch er wollte nicht riskieren, eine Lampe zu entzünden. Bei so viel trockenem Stroh konnte offenes Feuer eine Katastrophe auslösen. Der Stall selbst war zwar aus Stein errichtet worden, so wie nur wenige Gebäude des Anwesens, doch die Innenverkleidung und die Trennwände zwischen den einzelnen Verschlägen der Pferde waren aus Holz gefertigt und jetzt im Sommer so ausgedörrt, dass sie leise ächzten, wenn man sie berührte. Er versuchte, es zu vermeiden und nur seine Schritte zu zählen, um im Dunkeln nicht die Orientierung zu verlieren.
Feuerwolke wieherte leise, als er an ihrem Platz vorbei schlich. Das Seil, mit welchem sie angebunden war, erlaubte ihr nicht, sich komplett umzudrehen, doch sie musste den Kopf nach ihm gereckt haben, denn er nahm ihre Bewegung als Schatten wahr.
Schnell fischte er einige Stücke Kiefernrinde aus der Tasche seines Kimonos, während er seitlich an ihr vorbei schlüpfte, den Rücken gegen die Holzwand gepresst. Kiefernrinde liebte sie über alles. Normalerweise belohnte er sie damit, wenn sie sich beim Reiten gut anstellte und nicht zu kapriziös war. Feuerwolke konnte sehr temperamentvoll sein und als Vater sie ihm vor vier Jahren geschenkt hatte, hatte Shigenaga so seine Schwierigkeiten mit ihr gehabt.
Ihre weichen Lippen nahmen ihm die Kiefernrinde zielsicher aus der Hand. Er lächelte vor sich hin. Damals war er aber auch erst zwölf gewesen und hatte sich noch vor großen Pferden gefürchtet.
Ein plötzliches Geräusch ließ ihn zusammenfahren. Sein Herz begann heftig zu klopfen und wohl zum hundertsten Mal in dieser Nacht fragte er sich, warum er sich bloß auf diesen Unsinn eingelassen hatte. „Bist du hier?“, flüsterte er in die Dunkelheit.
Schweigen. Vielleicht sollte er einfach so schnell wie möglich verschwinden und die ganze Sache vergessen.
Er entfernte sich ein paar vorsichtige Schritte von Feuerwolke und den anderen Pferden und tastete sich weiter voran. Hier, im hinteren Teil des Stalls wurde das Stroh gelagert. Daneben an der Wand hingen die Satteldecken, die aus Hanfseilen geknüpften Halfter und die ledernen, kunstvoll gefertigten Reitsättel.
Er strich mit den Fingern über das Le