: Gottfried Lorenz
: Ein schwules Leben? Erinnerungs- und Gedankensplitter
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828036949
: 1
: CHF 9.70
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 324
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
"Ich wünsche Ihnen kein leichtes Leben, sondern ein Leben, das Sie bestehen können!" Mit diesem Wunsch verabschiedete Gottfried Lorenz seine Abiturienten. In der vorliegenden Autobiographie lässt Lorenz sein Leben Revue passieren und geht der Frage nach, ob er selbst bisher sein Leben hat"bestehen können". Dieses Leben beginnt 1940 in Niederschlesien. Er und seine jüngere Schwester wachsen mit Mutter und Großmutter ohne Vater auf. Das bildungsbürgerliche Umfeld ist religiös geprägt. Auf der Flucht am Ende des Zweiten Weltkrieges landet die Familie 1945 in Thüringen. Mit der Pubertät erkennt der Verfasser, dass er sich sexuell von Jungen angezogen fühlt. Seine Homosexualität lässt sich weder durch Gebete noch durch zölibatäres Leben beseitigen, also söhnt er sich mit ihr aus. 1955 flieht die Familie erneut, diesmal nach West-Berlin und von dort in den Kreis Wesermünde. Dort macht er an der Niedersächsischen Heimschule Bederkesa Abitur. Seine Studien- und Lehrjahre (auch in sexueller Hinsicht) beginnen. Wie lebte es sich in seiner Jugend und in seinem Erwachsenenalter als Schwuler in Deutschland? Die Erfahrungen sind zwiespältig, denn homosexuelle Handlungen stehen unter Strafe; Schwulen drohen strafrechtliche Ahndung, universitäre und berufsständische Strafmaßnahmen, gesellschaftliche Diskriminierung. Der Verfasser findet jedoch ein erfülltes Berufsleben als Lehrer und Autor und entwickelt sich zu einem selbstbewussten schwulen Mann, der sich seit vielen Jahren für die Rechte queerer Menschen engagiert.

Gottfried Lorenz wurde 1940 in Niederschlesien geboren. Nach dem Abitur in Bederkesa studierte er in Göttingen und vor allem Saarbrücken Geschichte, Germanistik, Soziologie und Skandinavistik; 1968 wurde er im Fach Neuere Geschichte promoviert. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in Bonn und danach bis 2005 Gymnasiallehrer in Glinde (Schleswig-Holstein). Seither arbeitet er in Hamburg schwulenhistorisch. Als Autor veröffentlichte Lorenz Bücher und Aufsätze zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und zur Homosexuellenverfolgung in Hamburg sowie zu skandinavischen Themen.

Die ständige Berufung der dänischen Medien (inklusive Flensborg Avis) sowie der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein auf die besondere skandinavische Art zu leben, auf den „nordischen Geist“ und das „Nordische Menschenbild“, das sich fundamental von der deutschen Lebensart unterscheide und das geprägt sei von freundlichem Miteinander und demokratischer Gesinnung, steht im Widerspruch zu dem, was deutsche Flüchtlinge 1945 bis 1949 in Dänemark erlebt haben und was seit 1999 von der Kopenhagener Ärztin Kirsten Lylloff aufgearbeitet worden ist: Am Ende des Zweiten Weltkriegs kamen rund 250.000 deutsche Flüchtlinge nach Dänemark. 7000 Kinder unter fünf Jahren, darunter 80% der 3000 Säuglinge, starben – oder besser gesagt – verreckten allein 1945, weil ihnen Nahrung und ärztliche Behandlung laut Beschluss der dänischen Ärztekammer und des dänischen Roten Kreuzes verweigert wurden. (Dass es vereinzelt auch Ärzte wie Bent Andersen in Aarhus gab, die sich dem hippokratischen Eid verpflichtet fühlten, sei ausdrücklich erwähnt.) Von insgesamt 10.000 unbegleiteten Flüchtlingskindern starben zwischen 1945 und 1949 zweitausenddreihundert.

Während Kirsten Lylloff in diesem Zusammenhang von der „größten humanitären Katastrophe der Neuzeit in Dänemark“ spricht, wundern sich Historiker und Historikerinnen wie Svend Bach, Sofie Lene Bak und Arne Gammelgaard, dass man über derartige Zahlen, die sie nicht bezweifeln, ein Aufheben mache, obwohl siebetyder, at der i 1945 døde flere tyske flygtningebørn end det samlede andel danskere, der døde som følge af fem års besættelse (vgl. Bak; die Zahlen bedeuten, dass 1945 mehr deutsche Flüchtlingskinder starben als Dänen infolge der fünfjährigen Besetzung Dänemarks). Die Schlus