Die ständige Berufung der dänischen Medien (inklusive Flensborg Avis) sowie der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein auf die besondere skandinavische Art zu leben, auf den „nordischen Geist“ und das „Nordische Menschenbild“, das sich fundamental von der deutschen Lebensart unterscheide und das geprägt sei von freundlichem Miteinander und demokratischer Gesinnung, steht im Widerspruch zu dem, was deutsche Flüchtlinge 1945 bis 1949 in Dänemark erlebt haben und was seit 1999 von der Kopenhagener Ärztin Kirsten Lylloff aufgearbeitet worden ist: Am Ende des Zweiten Weltkriegs kamen rund 250.000 deutsche Flüchtlinge nach Dänemark. 7000 Kinder unter fünf Jahren, darunter 80% der 3000 Säuglinge, starben – oder besser gesagt – verreckten allein 1945, weil ihnen Nahrung und ärztliche Behandlung laut Beschluss der dänischen Ärztekammer und des dänischen Roten Kreuzes verweigert wurden. (Dass es vereinzelt auch Ärzte wie Bent Andersen in Aarhus gab, die sich dem hippokratischen Eid verpflichtet fühlten, sei ausdrücklich erwähnt.) Von insgesamt 10.000 unbegleiteten Flüchtlingskindern starben zwischen 1945 und 1949 zweitausenddreihundert.
Während Kirsten Lylloff in diesem Zusammenhang von der „größten humanitären Katastrophe der Neuzeit in Dänemark“ spricht, wundern sich Historiker und Historikerinnen wie Svend Bach, Sofie Lene Bak und Arne Gammelgaard, dass man über derartige Zahlen, die sie nicht bezweifeln, ein Aufheben mache, obwohl siebetyder, at der i 1945 døde flere tyske flygtningebørn end det samlede andel danskere, der døde som følge af fem års besættelse (vgl. Bak; die Zahlen bedeuten, dass 1945 mehr deutsche Flüchtlingskinder starben als Dänen infolge der fünfjährigen Besetzung Dänemarks). Die Schlus