3. Lokalisation und Diagnosen
Im Folgenden sollen die am häufigsten auftretenden Lokalisationen und Diagnosen chronischer Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen genauer dargestellt werden (Schramm et al., 2021). Jeder dieser Erkrankungen könnte ein eigenes Buch gewidmet werden, an dieser Stelle wird ein kleiner Einblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit gegeben. Zudem sollte regelmäßig geprüft werden, ob es neue Erkenntnisse gibt, Leitlinien angepasst und aktuelle Studien herausgegeben wurden. Mit der Einführung des neuen Klassifikationssystems ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems; Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) dürften sich auch dort noch einige Veränderungen ergeben (sieheAbschnitt 3.3 „Ein kurzes Wort zur ICD-11“).
Beachten Sie zudem, dass im Folgenden mal von „Symptomen“ und mal von „Kriterien“ die Rede ist. Symptome beschreiben hier alle „Auffälligkeiten“, die auftreten können und häufig zu beobachten sind. Bei den Kriterien handelt es sich um die offiziellen ICD-10-Vorgaben. Da das Krankheitsbild in manchen Fällen adäquater erfasst werden kann, wenn man noch weitere mögliche Symptome kennt als die (teils sehr eng gefassten) offiziellen, finden diese Erwähnung auf den Handouts.
3.1 Lokalisation
3.1.1 Muskuloskelettaler Schmerz
Akute Schmerzen des Muskel- und Gelenksystems sind bei Kindern und Jugendlichen häufig und durch Verletzungen, entzündlich Vorgänge oder durch Fehl- oder Überlastung verursacht. Chronische muskuloskelettale Schmerzen am Bewegungsapparat (Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder) können körperliche Ursachen haben, wie z. B. Fehlstellungen oder Gelenksabnutzung, oder ohne hinreichende somatische Ursache bestehen (sieheAbbildung 2.3).
Kinder und Jugendlichen mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen sind durch die Beschwerden im Alltag stark beeinträchtigt und vermeiden aus Angst die Bewegung und den Einsatz der schmerzhaften Regionen. Hinzu kommt, dass die Schmerzen in ihrer Lokalisation, Intensität, Qualität und Häufigkeit wechseln können, was zunehmend verunsichert. Häufig wird das Vermeiden physiologischer Bewegung noch durch den Gebrauch von Hilfsmitteln (Rollstuhl, Gehstützen, Bandagen, Orthesen) unterstützt. Dieses Angst-Vermeidungs-Verhalten (siehe Handout Angst-Vermeidungs-Modell,Abbildung 6.5) unterstützt jedoch die Schmerzamplifikation.
Differentialdiagnostisch kommen zudem zahlreiche Erkrankungen mit dem Erscheinungsbild muskuloskelettaler Schmerzen infrage, die vorab abgeklärt werden müssen, z. B. rheumatologische, infektiöse, onkologische oder Bindegewebserkrankungen und Stoffwechselstörungen. Auch körperliche Misshandlung oder sexu