Magie des Frühlings
Langsam glitten meine Fingerspitzen über den seidenen Stoff. Trotz der Sonnenstrahlen, die durch die große Fensterfront des Westflügels auf meinen Arbeitsplatz fielen und alles in flüssiges Gold zu tauchen schienen, fühlte er sich kalt an. Ein leichtes Knistern fuhr durch meine Hand, als ich weiter über den Rock strich. Alles war vollkommen still, doch es war keinesfalls eine unheimliche Stille. Ganz und gar nicht. Ich genoss die Ruhe, die meine Arbeit in mir und um mich herum auslöste. Einzig und allein das leise Durchtrennen des Stoffes war zu hören.
Vor mir bewegte sich eine kleine Schere behutsam durch die Luft, hinterließ die perfekten Maße für mein neues Werk, während ich um den Tisch herum ging und alles genau betrachtete. Nachdenklich griff ich nach meinem Glas Hugo, nippte daran und stellte es anschließend wieder vor mir ab. Die Eiswürfel klimperten leise, als mein Blick zu den großen Fenstern wanderte. Ein kleiner Vogelschwarm beobachtete fasziniert, wie die Schere an ihnen vorbeisauste, um ihr Werk auf der anderen Seite des Raumes zu vollenden.
Eigentlich war meine Arbeit für den Ball längst getan. Das, was hier gerade entstand, würde die Welt niemals zu Gesicht bekommen. Zwar wusste jeder hier, dass meine Leidenschaft für Stoffe, Tüll und Gewänder ins Unermessliche ging, doch niemand schien sie richtig ernst zu nehmen. Anfangs war das gar nicht so einfach gewesen, doch mit der Zeit hatte ich gelernt, dass es im Leben nicht darum gehen sollte, was den anderen gefiel, sondern darum, was ich selbst eigentlich gerne tat. Außerdem konnte niemand hier wissen, was meine Arbeit wirklich war. Sie in der Öffentlichkeit als Hobby zu belächeln, nur damit alle anderen zufrieden waren, kam für m