: Gunter Becker
: Tueringi Das gotische Reich der Thüringer
: Books on Demand
: 9783756298181
: 1
: CHF 14.20
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 600
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das 4. Jahrhundert: Zeit des Umbruchs. Klimaveränderung, beginnender Hunnensturm, Auflösung des Römischen Reiches, germanische Völker verlassen ihre bisherigen Stammplätze. So auch die Goten. Evrald, Amaler und Heerführer der Greutungen, einem Teilstamm der Ostgoten, zieht mit Teilen seines Volkes nicht in den römischen Siedlungsbereich sondern sucht sich neues Land. Adelgundis, seine Jugendliebe und spätere Gemahlin, Freunde aus alter und neuer Zeit und die Amazonen unterstützen ihn dabei. Tücke und Hinterlist, Kämpfe und Blutvergießen sind ihre Begleiter, aber auch Freundschaft und Liebe. Zwischen Elbe und Main werden sie heimisch und gründen ihr Reich Tueringi. Familiäre Eifersucht und äußere Feinde bringen es oft in Gefahr, aber es überlebt. Tueringi übersteht sogar die Hunnenherrschaft wegen ihrer engen Bindung zu Attila. Blutige Aufgaben sind aber der Preis für dieses Entgegenkommen: die Vernichtung der Burgunden und die Teilnahme an der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Nach dem Tode Attilas lassen Bündnisse mit den Ostgoten in Ravenna das Land aufblühen - bis die Franken kommen. Diese haben ein Leichtes: Gier nach Macht und Reichtum zerstören Tueringi von Innen; ihr König wird ermordet und Tueringi wird Teil des Frankenreiches.

Dr. phil. Gunter Becker Geboren in Thüringen, in Nordhessen zur Schule gegangen Mit 15 Jahren Beginn einer Lehre im Bergbau mit Abschluss der Knappenprüfung, danach Zeitsoldat bei der Bundeswehr, anschließend Verwaltungsfachschule und Aufnahme des Pädagogikstudiums an einer niedersächsischen Hochschule Lehrer in Niedersachsen Nach dem Ruhestand Tourismusbeauftragter einer Samtgemeinde in Niedersachsen Promotion an einer niedersächsischen Hochschule Heute wohnhaft in einem Kurort in Brandenburg.

1. Buch
Die Amaler


EVRALD


ANNO CCCLXXV


Es war heiß – sehr heiß. Ich lag im Schatten des Vordaches. Alle anderen – Eltern, Geschwister, Großeltern und weitere Anverwandte, Knechte, Sklaven hatten sich irgendwo verkrochen: Im Haus, in der Scheune, im Stall, im Garten, unter den Bäumen.

Die Luft sirrte. Sie verwischte die Umrisse unseres Hauses und der Hütten. Die Palisaden – die das Gehöft schützten – waren kaum zu erkennen. Das Tor stand offen – als sollte frische Luft herein kommen, von draußen, von der Ebene am Schwarzen Meer.

Dort lebten wir schon lange – so erzählten es die Alten. Von Norden wären wir gekommen, dort wo das andere Meer ist, das grausame Meer, das alles überflutet hatte. Die Felder wurden unfruchtbar und alle haben Hunger leiden müssen, viele starben, Männer, Weiber, Kinder – die Alten und die Jüngsten zuerst. Dann waren sie aufgebrochen und hatten hier in der fruchtbaren Ebene des Südens eine neue Heimat gefunden. Niemand musste dafür wegziehen, aber es waren schon vor uns Menschen hier gewesen: Gebeine, Scherben und anderes wurden beim Hausbau gefunden. Aber sie waren nun weg und wir hier.

Wir waren schon viele Winter und Sommer hier, so erzählten es die Alten. Wir – das ist unser Stamm, und wir sind ein Zweig der Amaler. Damit gehörten wir zu Familie des Königs Ermanarich. Aber dessen Sitz war weit von uns entfernt, und Großvater hatte auch nie das Bedürfnis gehabt, dort zu erscheinen. Es sei denn, es war Krieg oder es sollten Raubzüge zu den Sarmaten, Heruler oder Alanen hin sein; dann zog er mit seinem Gefolge zum König und brachte immer reiche Beute mit. Nun hatte Großvater meinem Vater alle Rechte übertragen, denn er fühlte sich nicht mehr stark genug, das Schwert zu führen.

Mein Kopf sank nach vorn, ich wurde müde. Ich drehte mich um und blickte nach oben zum Gebälk des D