: Sabine Ellerbrock
: Leben mit PTBS - Wege aus der Depressions- und Dissoziationsfalle Ein biografisch angelehnter Ratgeber
: Books on Demand
: 9783756267873
: 1
: CHF 12.30
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 216
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sabine Ellerbrock steht mitten im Leben: Sie liebt ihren Beruf als Lehrerin und ist leidenschaftliche Sportlerin. Infolge einer Routineoperation erwirbt sie eine Behinderung, die zur Amputation ihres Unterschenkels führt. Dennoch: Sie lässt sich nicht unterkriegen und betreibt weiterhin Leistungssport - nun allerdings als semiprofessionelle Rollstuhltennis-Spielerin. Ihre lange Leidensgeschichte und Gewalterfahrungen hinterlassen Spuren. Sie entwickelt Depressionen, die zusammen mit einem postoperativen Atemstillstand schließlich zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), Dissoziationen und Suizidalität führen. Viele Jahre kämpft sie dagegen an und macht mit ihrem Buch Betroffenen und Angehörigen Mut, den langen und schwierigen Weg gemeinsam zu gehen. Angebunden an ihre Lebensgeschichte gibt Sabine Ellerbrock persönliche Einblicke in ihre Krankengeschichte sowie in Therapie- und Klinikerfahrungen und nimmt die Leser:innen mit auf eine intensive Reise. Therapieformen und Übungen, die sie bei der Bewältigung der verschiedenen Krankheitssymptome selbst als hilfreich empfunden hat, sowie zusätzliche Informationen und Tipps bieten Betroffenen und deren Angehörigen eine praxiserprobte Unterstützung auf dem Weg hin zu einem zufriedeneren und selbstbestimmten Leben. In ihrem Buch schwingt stets der Wunsch mit, für die Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen zu sensibilisieren. Denn nach wie vor sind psychische Erkrankungen häufig ein Tabuthema. Dies macht es Betroffenen und Angehörigen zusätzlich schwer, eine Erkrankung anzunehmen und sich professionelle Unterstützung zu suchen, ohne dafür gesellschaftlich abgeurteilt zu werden. Konstantinos Koutsonasios, Psychiater und Psychotherapeut, im Vorwort: »Sabine Ellerbrock gibt uns mit diesem Buch eine Karte für eine Reise. Eine Reise, die sie selbst gegangen ist. Sie schafft so einen wertvollen Wegweise für alle von uns, die einen ähnlichen Weg gehen müssen. Und was sie uns noch schenkt ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass das Spiel gewonnen werden kann, auch wenn man lange im Rückstand war.«

Sabine Ellerbrock ist Gymnasiallehrerin für Sport, Biologie und Mathematik und beigeisterte Sportlerin. Als sie infolge einer Routineoperation eine Behinderung erwirbt, die zur Amputation ihres rechten Unterschenkels führt, setzt sie ihre Sportlaufbahn als semiprofessionelle Rollstuhltennis-Spielerin fort und wird Deutschlands erfolgreichste Athletin in dieser Sportart. Nach einem postoperativen Atemstillstand entwickelt Sabine Ellerbrock nach zuvor bereits bestehenden Depressionen und Gewalterfahrungen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Während des Studiums und im Verlauf ihrer Krankheit und Sportlerlaufbahn arbeitete Sabine Ellerbrock als Vitalcoachin, Trainerin sowie in einer Physiotherapiepraxis und bildete sich über eine private Heilpraktiker:innenausbildung und eine OptiLimb-Basisausbildung am Bihlmaier-Institut fort. Zudem arbeitete sie nebenberuflich als Autorin für die AMMMa AG. Als Sportlerin und Patientin sammelte Sabine Ellerbrock seit 2007 zahlreiche Erfahrungen im ambulanten und stationären psychiatrischen Behandlungssetting und bei der Arbeit mit Sportpsycholog:innen. Ihr Anliegen ist, ihre Erfahrungen mit Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonal zu teilen und dazu zu ermutigen, nie aufzugeben.

Es begann alles schon sehr früh


Eine Depression kann aus vielfältigen Gründen entstehen. Bei mir war es eine Kombination daraus, dass ich eigene Bedürfnisse ignorierte und bewusst überhörte und zugleich eigene Grenzen über einen längeren Zeitraum nicht akzeptierte, auch nicht, als zusätzlich belastende Ereignisse dazukamen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass auch die Prägung in meinen ersten Lebensjahren und in der Jugendzeit zumindest mit dazu beigetragen haben, dass ich eine gewisse Anfälligkeit für die Entwicklung einer Depression hatte.

Schon mein Start ins Leben war holprig. Ich kam als Frühchen auf die Welt und war so bereits zu Beginn meines Lebens eine gewisse Zeit von meinen Eltern getrennt. Ich wurde als drittes von vier Kindern geboren. Meine älteste und meine jüngste Schwester verstarben jedoch unmittelbar nach beziehungsweise unmittelbar vor der Geburt – obwohl sie gesund waren. Es ist müßig, an dieser Stelle die Schuldfrage zu stellen, aber einige Entscheidungen der damals behandelnden Ärzt:innen waren nicht nachvollziehbar.

Bis heute geht mir das Bild des roten Sofas im Krankenhaus nicht aus dem Kopf, auf dem mein Bruder, meine Großeltern und ich saßen, als mein Vater uns die Nachricht vom Tod meiner kleinen Schwester überbrachte. Ich war damals knapp fünf Jahre alt und ich merkte, dass mein Vater traurig war, aber er vermied es zu weinen – jedenfalls vor uns –, was mich verwirrte. Ich glaube, dass ich auch deshalb die Situation noch heute so genau im Kopf habe. Es war für mich eine in diesem Moment nicht auflösbare Ambivalenz, schon fast Widersprüchlichkeit.

Erst viel später erfuhr ich, dass bei beiden Schwangerschaften mit meinen Schwestern auch meine Mutter in Lebensgefahr schwebte, und ich bekam ein Gefühl dafür, wie extrem die Situation für meine Eltern gewesen sein muss. Ich weiß noch, wie ich mir als kleiner Knirps vorzustellen versuchte, wie es ist, wenn ein Mensch tot ist. Da dieses Thema schon für einen erwachsenen Menschen nicht greifbar ist, war es dies für mich natürlich auch nicht – der Gedanke daran machte mir unglaubliche Angst, was ich bis zu meinen ersten Therapieerfahrungen im Erwachsenenalter jedoch niemand anvertraute.

Es war für mich schwer vorstellbar, wo meine kleine Schwester denn nun hinkäme. Sie hatte nicht geatmet und bekam daher kein Grab, anders als meine große Schwester, zu deren Grabstelle wir zusammen mit meinen Eltern gingen; dort starrten wir auf einen recht kahlen Boden, auf dem kein Grabstein stand; der Tod wurde dadurch nicht greifbarer. Meine große Schwester war so früh verstorben, dass sie nicht getauft werden konnte. Sie hätte meinen Namen tragen sollen.

Im Nachhinein glaube ich, dass sich durch den fehlenden Elternkontakt zu Beginn und die mit dem Thema Tod verbundenen Ängste zumindest unterschwellig eine Form von Verunsicherung bei mir entwickelte. Auch später erinnerte ich mich immer wieder an Situationen, die ich ambivalent erlebt hatte und die mich – so meine Theorie heute – ebenso verunsicherten.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie schüchtern ich als Kind war. Trotzdem war ich in der Schule gut integriert, hatte einen großen Freundeskreis und auch viel Spaß am Lernen – zurückhaltend war ich eher im Umgang mit Erwachsenen und in Situationen, die ich nicht einschätzen konnte.

Die Schule fiel mir auch inhaltlich nicht schwer. Insgesamt würde ich meine Kindheit als eine glückliche bezeichnen. Mit sechs Jahren begann ich bereits, Tennis zu spielen. Mein vier Jahre älterer Bruder und ich waren als Teenager Schlüsselkinder. Meine Eltern waren beide berufstätig und so kamen wir – als wir alt genug waren – nach der Schule nach Hause und mussten uns selbst beschäftigen. Solange wir zu klein waren, hatte meine Mutter auf ihren Beruf verzichtet, später, als ich zehn Jahre alt war, arbeitete sie halbtags.

Ich eiferte meinem großen Bruder i