1. Allergien, Überempfindlichkeiten und Unverträglichkeiten
Fall 301 – Kälteagglutinine
Am 15.10.2015 erschien das erste Mal die 25 Jahre alte Studentin Gerlinde aus der Nähe von Erfurt in meiner Sprechstunde. Gerlinde studierte Betriebswirtschaft mit Aussicht auf den Abschluss Bachelor oder Master.
Sie wurde mir von einer Physiotherapeutin zugewiesen, die ich schon viele Jahre kenne. Sie kam also auf Empfehlung.
Die hübsche junge Frau, schmal, zierlich und kalt, wurde von ihrer Mutter begleitet. Sie kamen aus Franken und hatten ca. eine Stunde Autofahrt hinter sich gebracht.
Anamnese
Auf die Frage, wer die Geschichte vortragen solle, antwortete Gerlinde, dass sie das durchaus selbst machen wolle. Sie hatte also die »Bewährungsprobe« bestanden.
Sie trug einen dicken Aktenordner mit sich herum, in dem alle Befunde zusammengefasst waren, die sich in den letzten Jahren angesammelt hatten. Ausgerechnet der Wert für Kälteagglutinine fehlte. Dieser gehörte anscheinend zu den ENAs, den extrahierbaren Antikörpern, die aber nicht bestimmt werden, wenn die ANAs, die Antinukleären Antikörper, negativ ausfallen.
Hier konnte vermutet werden, dass sich Kälteagglutinine nicht nachweisen ließen!
Die Mutter begleitete ihre Tochter in den schwierigen Situationen, was zunächst als hilfreich erschien. Da sie sich auch gut zurückhielt, störte sie auch in keiner Weise. Andererseits kam bald der Verdacht auf, dass die Mutter das Mädchen einfach nicht loslassen mochte.
Während der gesamten Sitzung weinte Gerlinde fast ununterbrochen. Zunächst dachte ich an eine Art der Entlastung, die der Tränenfluss auslöste, um endlich Licht am Ende des zehn Jahre alten Kältetunnels zu sehen, aber es schien sehr viel