Als wir zum Patchin Place zurückkehrten, hatten die Wolken beinahe die Sonne verschlungen. Die holprige Fahrt über das Kopfsteinpflaster weckte Liam und seine lauten Schreie ließen mich wissen, dass er erwartete, bald wieder gefüttert zu werden. Ich spürte, wie meine Brüste darauf reagierten. Bei mir gab es kein neumodisches Füttern mit der Flasche, auch wenn meine Schwiegermutter mir gesagt hatte, dass es hygienischer sei und dass Damen mit Format ihre Säuglinge nie stillten. Ich hatte meine Entscheidung keinen Augenblick bereut, aber die ersten kleinen, scharfen Zähne ließen mich darüber nachdenken, ob es vielleicht eine gute Idee war, abzustillen.
„Ich bin zu Hause, Aggie“, rief ich und hielt im Flur inne, um Hut und Mantel auszuziehen.
Ihr erschöpftes, kleines Gesicht erschien aus der Küche. „Die Wäsche hängt draußen, Mrs. Sullivan, aber wer kann sagen, wie lange?“
„Wie gewöhnlich hattest du recht mit dem Wetter“, sagte ich. „Die Regenwolken ziehen bereits auf.“
„Vielleicht war mir deswegen den ganzen Morgen über so kalt“, sagte sie. „Könnte sein, dass ein heftiger Sturm kommt.“ Liam unterbrach diese Unterhaltung mit weiterem Schreien. Aggie wollte ihn aus dem Kinderwagen heben, aber ich hielt sie davon ab.
„Es ist in Ordnung. Er hat Hunger. Ich bringe ihn rauf ins Kinderzimmer.“
Liam streckte seine Hände nach mir aus, weil er hochgehoben werden wollte. Mir fiel auf, wie schwer er war, als ich ihn mir auf die Hüfte setzte. „Ich werde deine Rationen reduzieren, mein Junge“, sagte ich. „Du wirst zu groß.“
„Sagen Sie sowas nicht, Mrs. Sullivan“, sagte Aggie. „Wir haben in meinem Zuhause nie genug zu essen bekommen. Sie wissen nicht, wie das ist.“
„Nein, das weiß ich nicht“, sagte ich und sah sie voller Mitleid an. „Es ist beinahe Mittagszeit. Wärm etwas von dem Eintopf auf. Ich habe ein gutes Kotelett für Captain Sullivans Abendessen gekauft, falls er heute Abend rechtzeitig zum Essen nach Hause kommt.“
„Oh, das erinnert mich an etwas“, sagte Aggie. Ich hielt auf halbem Weg nach oben auf der Treppe inne und drehte mich zu ihr um. „Ein Mann war heute Morgen hier und fragte nach Captain Sullivan.“
„Was für ein Mann? Ein Polizist?“
„Oh, ich glaube nicht.“ Sie kaute auf ihrer Lippe. „Ein südländischer Typ. Ausländer.“
„Was wollte er?“
„Er fragte lediglich, wann Captain Sullivan voraussichtlich zu Hause sein würde. Ich sagte ihm, dass ich das nicht sagen könne, und dass Captain Sullivan keine regelmäßigen Arbeitszeiten habe. Dass wir ihn in letzter Zeit kaum zu sehen bekommen hätten. Dann fragte er nach Ihnen und ich sagte, Sie seien bald zurück.“
„Hast du gefragt, ob du eine Nachricht aufnehmen kannst?“, fragte ich.
„Habe ich. Und er sagte, er müsse die Nachricht Ihnen und dem Captain persönlich überbringen, also würde er zurückkommen, wenn Sie beide zu Hause wären.“
„Wie seltsam“, sagte ich. „Ausländer? Ich wüsste nicht, wer das sein soll.“
„Mir gefiel sein Anblick nicht“, sagte Aggie. „Er hatte verschlagene Augen.“
Ich lächelte. „Du glaubst, alle Ausländer haben verschlagene Augen. Vielleicht kennt Daniel ihn.“
Ich lief weiter die Treppe rauf. Ich fütterte Liam und legte ihn für sein nachmittägliches Nickerchen hin. Der Regen setzte gegen drei Uhr ein und wir beeilten uns, die Wäsche von der Leine hereinzuholen. Der Rest des Tages verlief ohne Zwischenfall. Ich las bei einer Tasse Tee am Nachmittag noch einmal Sids Brief und teilte die interessanten Passagen mit Aggie. Sie war gebührend beeindruckt. „Man stelle sich vor, um die halbe Welt zu reisen und dann zufällig einem lange verschollenen Cousin zu begegnen“, sagte sie. „Und ein gutaussehender noch dazu. Vielleicht verlieben sie sich und heiraten.“
„Ich glaube kaum, dass das passieren wird“, sagte ich und lächel