: Marie Bonstein
: Mörderisches Isarflimmern Ein Fall für Clara Liebig | Mitreißender Whodunit in der Isar-Metropole
: between Pages by Piper
: 9783492989602
: Isar-Krimis
: 1
: CHF 5.40
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hauptkommissarin Clara Liebig ermittelt im schönen München in einem spektakulären Kunstraub. Für alle LeserInnen, die es lieben, mitzurätseln und für Fans von Nele Neuhaus und Susanne Mischke »?Auf geht's!? Angenehm kribbelnd stieg das Jagdfieber in ihr auf und vertrieb den letzten Rest Müdigkeit aus ihrem Kopf und ihren Knochen.« Ein mysteriöser Kunstdiebstahl in der Alten Pinakothek. Eine geheimnisvolle Leiche an der Isar. Und eine Verdächtige, die schon lange hinter Gittern sitzt. Clara Liebig, schlaflose und kaffeesüchtige Hauptkommissarin der Münchner Kripo, ist in ihrem Element. Bildhaft entwickelt sie ihre Theorien mit Puzzleteilen, die sie vor ihrem geistigen Auge zu logischen Szenen zusammenfügt. Doch die Spurenlage ist dünn. Und auf der Jagd nach den Tätern kommt die erfahrene Kommissarin mehr als einmal ins Schwitzen. Keine Zeit für bayerische Gemütlichkeit. Denn dieser Sommer ist mörderisch!

Aufgewachsen in München Schwabing, ist Marie Bonstein beruflich lange im HR-Management tätig gewesen. Unter anderem in einer Rechtsanwaltskanzlei, wo sie erste Einblicke in die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft gewinnen konnte. Während dieser Zeit schrieb sie zwei Businessratgeber. 2020 hat sie ihre Leidenschaften, das Schreiben und die Liebe zu Krimis zusammengepackt und mordet jetzt auf dem Papier für ihre Isar-Krimis. Wo? Natürlich in München!

2


Montag

»Noch Zeit für ’nen Kaffee, Chefin, oder sofort los?« Matthias Brauhofer war der Erste, der an diesem frühen Morgen den Kopf zur Tür reinsteckte.

Hauptkommissarin Clara Liebig nickte zur randvollen Tasse in ihrer Hand und schwenkte sie dabei ein wenig zu heftig. Der Kaffee schwappte über den Rand und hinterließ eine handtellergroße Pfütze auf ihrem Schreibtisch.

»Ahhh!« Sie riss den grünen Pappturm aus nachlässig gestapelten Handakten aus der Gefahrenzone. Die braun glitzernde Pfütze breitete sich rasch aus und tröpfelte an der Seite des Tisches herunter.

»Wir warten auf die Spezialisten vom Kunstraub«, rief sie ihrem Kollegen zu, ohne die Aufmerksamkeit von der Pfütze abzuwenden. Matthias’ Handy klingelte und sein dunkelblonder Haarschopf verschwand aus dem Türrahmen.

Mit einer Hand warf Clara das vor Kaffee triefende Papiertaschentuch in den Mülleimer, mit der anderen öffnete sie die neue Datei am Laptop. Der »Höllensturz der Verdammten« von Peter Paul Rubens war in der Nacht von Sonntag auf Montag aus der Alten Pinakothek gestohlen worden. Das Ölgemälde auf Eichenholz war fast drei Meter hoch und mehr als zwei Meter breit.

Clara trank einen Schluck Kaffee. Vom Tassenboden perlte ein dicker brauner Tropfen ab und landete mitten auf ihrem weißen T-Shirt. »Ach, verdammt!« Sie strich mit der Hand über den Fleck auf der Brust und zog ihn damit nur in eine längliche Form.

Ein Wachmann der Alten Pinakothek, Manfred Skoboda, hatte früh um halb sechs Uhr den Notruf abgesetzt. Das war vor einer guten halben Stunde gewesen. Das hochwertige Alarmsystem war vollständig abgeschaltet. Viel mehr gab die digitale Akte zum jetzigen Zeitpunkt nicht her. Aus dem Funkverkehr wusste sie, dass der Nachtwächter verschwunden war.

Clara zog die unterste Schublade ihres Schreibtisches auf und nahm eines der neuen weißen T-Shirts heraus, die dort auf einem kleinen Stapel lagen. Sie riss das Preisschild ab. Es war noch unklar, um welche Uhrzeit das Gemälde gestohlen wurde. Mitten in München in einem belebten Viertel ein Gemälde mit diesen Ausmaßen zu stehlen, war so auffallend wie ein Kaffeefleck auf einem leuchtend weißen T-Shirt. Sie scrollte sich durch das Protokoll der Nachtschicht.

Früh in der Nacht hatte es ein brennendes Auto gegeben in der Adalbertstraße, beim Alten Nordfriedhof. Brandstiftung. In der Schellingstraße hatte eine alte Frau gegen drei Uhr nachts über lautes Geklapper geklagt. Die herbeigerufenen Beamten hatten keinen Lärm bemerkt, wohl aber eine gewisse Verwirrung der Frau. Um halb vier Uhr waren zwei Kollegen einer Lärmbeschwerde aus der Theresienstraße gefolgt. Der Anrufer hatte sich über seine Nachbarn beschwert. Wie sich herausstellte, hatte der Nachbar in seiner Wohnung ein Schalldicht-Partyzelt aufgestellt. Das musste entweder ein Billigkauf oder defekt gewesen sein. Die herbeigerufenen Polizisten hatten es bei einer Verwarnung belassen.

Die Kollegen mussten auf Hin- und Rückweg an der Pinakothek vorbeigefahren sein. Clara notierte sich ihre Namen.

Knapp eine Stunde später hatte sich der schlaflose Mann aus der Theresienstraße erneut gemeldet. Die Party beim Nachbarn war daraufhin von den Kollegen aufgelöst worden. Zwei Festnahmen wegen Besitzes der neuen Designerdroge Brain-Synt waren im Protokoll vermerkt. Bei diesem Einsatz mussten die Kollegen abermals an der Alten Pinakothek vorbeigekommen sein.

Das abgebrannte Auto würde sie sich später genauer ansehen. Doch den weitaus besten Anhaltspunkt boten die beiden Kollegen, die in der Nacht mehrmals an der Alten Pinakothek vorbeigefahren waren.

Das Telefon läutete. Am Klingelton erkannte Clara, dass der Anruf von der Zentrale unten kam. Stefan Brandl meldete das Eintreffen der Kollegin vom Dezernat für Kunstraub. Nachdem die gute Seele der Telefonzentrale in den Ruhestand gegangen war, konnte noch kein Ersatz für die anstrengende Stelle gefunden werden. Kollegen von der Streife übernahmen deshalb im Wechsel den Telefondienst und den Infopoint am Eingang. Stefan Brandl war eine perfekte Besetzung für diese Aufgabe, präzise und verlässlich.

Matthias Brauhofer balancierte seine gefährlich gut gefüllte Kaffeetasse zu Claras Schreibtisch hinüber. Seit seine Tochter Lilly auf der Welt war, verkürzten sich seine Nächte in gleichem Maße, in dem sein Kaffeekonsum stieg.

»Sorry, Matthias, aber es geht los. Franziska Loibl vom Kunstraubdezernat wartet unten auf uns. Ihr Kollege Zander kommt direkt zur Alten Pinakothek.« Clara ließ ihr Handy in die Hosentasche gleiten, steckte die Dienstwaffe seitlich in das Bauchholster über dem Bund ihrer Jeans und zog das nagelneue T-Shirt darüber.

Matthias nahm einen schnellen Schluck seines heißen Kaffees, bevor er die volle Tasse mit einem bedauernden Blick auf Claras Tisch schob, wo sie eine breite, glitzernde Kaffeespur nach sich zog. Dann eilte er seiner Chefin hinterher.

»Auf geht’s!«, hallte ihre Stimme von unten aus dem Treppenhaus.

 

Polizisten und Spurensucher besetzten das gesamte Gelände auf dem Rasen um die Alte Pinakothek herum. Es wimmelte von Uniformen. Die Szene glich eher einem sommerlichen Betriebsausflug der Polizei als einem sorgfältig durchgeführten Einsatz. Doch dieser Eindruck täuschte.

In kurzen Abständen standen Polizisten an der rot-weißen Absperrung und zwei Beamte bewachten den Haupteingang. Einer von ihnen erfasste jeden neu ankommenden Polizisten auf einer Liste von tatortberechtigten Personen.

Im Museum arbeiteten die Mitarbeiter der Spurensicherung sich Stück für Stück voran. Treppen, Fenstersimse, Griffe und Parkettböden. Jedes noch so kleine Teil, das sich nicht dem Museum zuordnen ließ, fand seinen Weg in eine Beweismitteltüte. Mit den weißen Schutzanzügen hoben sich die Spurensucher wie Fremdkörper ab von der Ehrfurcht einflößenden Atmosphäre der riesigen Eingangshalle. Es sah aus, als wären Christos und Jeanne-Claudes Geister durch die Gänge geflogen und hätten sich den Spaß erlaubt, alle die ihnen begegneten, mit weißem Stoff einzuhüllen.

»Guten Morgen, Kollegen. Ganz schön früh.« Der zuständige Beamte drückte den drei Neuankömmlingen blaue Schuhüberzieher in die Hand.

»Jaja, das Böse schläft nie«, sagte Matthias und gähnte. Am Rande der Eingangshalle tigerte ein großer, elegant gekleideter Mann auf und ab. Der Polizist deutete mit dem Kopf in seine Richtung. »Der Museumsdirektor wartet schon die ganze Zeit darauf, dass jemand mit ihm spricht.«

Als hätte der Mann ihn gehört, schaute er erwartungsvoll in Claras Richtung. Sein wohlgeordnetes dunkles Haar und der feine Anzug passten nicht recht zu seinem fahlweißen, besorgt dreinblickenden Gesicht.

»Ich will zuerst unvoreingenommen einen Blick auf den Tatort werfen. Fang du schon mit der Befragung an.«

»Geht klar, Chefin.« Matthias steuerte auf den Direktor zu und sie hörte, wie er fragte, ob man sich hier irgendwo in Ruhe unterhalten könne.

Zügig folgte sie Franziska Loibl die riesenhafte Treppe zum ersten Stockwerk hinauf. Die winkte ihrem Kollegen Mirko Zander, der sich vor dem Platz des gestohlenen Gemäldes zu schaffen machte, einen kurzen Gruß zu und wandte sich an Clara. »Ich schließe mich der Begehung mit den Kunstsachverständigen an.« Sie zeigte auf vier Frauen und einen Mann, die sich hinter ihnen versammelt hatten und in gedämpftem Ton und Trauermienen miteinander redeten. Eine junge, korpulente Frau mit lebhaft geröteten Wangen löste sich aus der Gruppe und kam auf sie zu. »Sie sind von der Polizei? Sehr schön, wir haben auf Sie gewartet.«

»Ich komme mit Ihnen«, sagte Franziska Loibl und zog eine kleine UV-Lampe aus ihrer Schultertasche. Die Rotwangige nickte zufrieden: »Du liebes bisschen, das ist wirklich aufregend, nicht wahr?«

Clara stellte sich vor, sie würde jeden Moment ein buntes Fähnchen aus ihrer Tasche ziehen, um die kleine Gruppe wie eine Touristenführerin zusammenzuhalten. Und unter aufregend verstand Clara etwas komplett anderes.

Der Boden vor dem Platz des gestohlenen Gemäldes war mit Scherben übersät. Zander kämpfte daneben mit einer ausfahrbaren Leiter, die sich standhaft dagegen wehrte, ihre Funktion zu erfüllen.

...