: Cornelis George
: Kaum eine Chance teil 2 autobiografischer Roman
: Books on Demand
: 9783756262113
: 1
: CHF 2.60
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 374
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mein Platz ist jetzt das Waisenhaus Martha Stichting, in Alphen aan der Rijn. Ich bin sieben Jahre alt, und die Eisengitterpforten haben sich hinter mir geschlossen. Das Leben hier läuft in geordneten Bahnen. Es gibt genug zu essen und ich muss nicht mehr frieren. Ich gehe jetzt auch jeden Tag in der Schule. Meine große Schwester Coby fehlt mir über die Maßen. Den altersbedingten Wechseln in den unterschiedlichen Unterkünften bereiten mir kleinere Probleme. Der stetige Wechsel des Erziehungspersonals dagegen sorgt für immer mehr Unruhe. Erzieher mit pädophilen Neigungen verkürzen meinen Aufenthalt im Waisenhaus. Wieder in Amsterdam angekommen, lebe ich bei mehreren Pflegeeltern, bis ich endlich bei meiner Schwester Coby wohnen darf. Mein Leben geht jetzt voll in die richtige Richtung. Als Soldat in Deutschland finde ich die Frau meines Lebens und alles ist gut.

Die Martha Stichting


1953

Auf dem Giebelstein am Juliana Kinderheim stand „God heeft met ieder een plan“, übersetzt heißt das, “Gott hat mit jedem einen Plan“, und ich glaube das. Heute bin ich mir fast sicher, dass das zutreffend ist. In der Martha Stichting mussten wir jeden Sonntag zur Kirche.

Der Pastor hatte uns immer etwas mitzuteilen über das, was Gott denkt und was Gott uns sagen möchte. Gewundert hatte ich mich eigentlich darüber, woher der Pastor das alles wusste. Redete Gott mit ihm, bevor wir in die Kirche kamen? Und warum sprach Gott dann nicht direkt zu uns?

Ich beobachtete manch einen Erwachsenen, der während der Predigt ein Schläfchen machte. Darüber wunderte ich mich nicht, denn die wussten bestimmt auch, was Gott uns so alles am Sonntag wissen lassen wollte.

Im Laufe der Zeit lernte ich, dass ich nur richtig zuhören musste, um die Zusammenhänge zu verstehen. Der Begriff “Gottesfurcht“ wurde gezielt eingesetzt, um den Pastoren und Priestern Respekt zu verschaffen und die Furcht vor ihnen zu schüren. So war meine Eins