: Sabine Keller
: Forest Desire Wenn aus Zufall Liebe wird. Ein erotischer Roman aus der Pfalz
: Books on Demand
: 9783756279357
: 1
: CHF 5.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wo Licht ist, ist auch Schatten ... Lea stolpert bei einem Ausritt in den Pfälzerwald über den Kanadier James. Einen Waldarbeiter hatte sie sich ganz anders vorgestellt - aber dieser Typ hier ist die pure Sünde. James kümmert sich zuerst um das lockere Hufeisen ihres Pferdes, aber schon bald bringt er Leas lustvolle Saite zum Schwingen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten ... James quälen dunkle Geheimnisse, die er aus Stolz vor Lea verborgen hält. Trotz der hingebungsvollen Stunden, die er mit Lea verbringt, wagt er es nicht, sich ihr anzuvertrauen. Erst eine Reise nach Kanada auf die Ranch seiner Familie, führt mitten in James' Vergangenheit - und eine unheilvolle Begegnung zwingt ihn zu einer Beichte ...

Sabine Keller lebt mit ihrer Familie, Hund und Pferden in Rheinland-Pfalz in der Nähe von Bad Dürkheim an der Weinstraße. Sabine Keller ist ein Pseudonym.

Heute war mein Glückstag. Ich hätte vor lauter Begeisterung im Dreieck hüpfen und die ganze Welt umarmen können – und nahm die Einfahrt zum Weingut so schwungvoll, dass ich beinahe einen entgegenkommenden BMW gerammt hätte.

»Hey, kannst du nicht aufpassen? Oder hast du deinen Führerschein im Lotto gewonnen?«

Ich ignorierte die rüde Geste des Fahrers und winkte ihm fröhlich zu. »Ihnen auch einen schönen Tag.« Selbst so ein Obermacho konnte meine gute Laune heute nicht trüben.

Als ich aus dem Auto stieg, kam mir Camilla, die Hofkatze, entgegen, um sich ein paar Streicheleinheiten zu holen. Ich kraulte sie nur kurz, denn ich war spät dran.

»Tut mir leid, Kleine.« Woraufhin sie unter einem Stapel Paletten verschwand, auf der Suche nach Mäusen.

Silvia räumte gerade Weinflaschen in ein Regal, als ich den Laden betrat. Sie drehte sich zu mir um und schob die Brille in ihre kurzen schwarzen Haare. »Guten Morgen, Lea.«

Ich stürmte auf sie zu, fiel ihr um den Hals und wirbelte sie herum. Meine beste Freundin lachte überrascht auf.

»Hey, was ist denn mit dir los? So überschwänglich kenne ich dich gar nicht.«

»Du wirst es nicht glauben, aber ich hab das Haus von Herrn Neumann gekauft!«

»Was? Echt? Ich werd‘ verrückt!«

»Ja. Ich kann es irgendwie noch gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt Hausbesitzerin bin. Und es war gar nicht mal teuer. Na ja, es muss auch ein bisschen was dran gemacht werden.«

»Ach, das kriegst du schon hin. Komm, darauf müssen wir anstoßen.« Silvia nahm eine Flasche Sekt aus einem Regal. Während ich zwei Weinprobiergläser hinter der Verkaufstheke hervorholte, löste sie den Draht und drehte vorsichtig am Korken. Mit einem lauten Plopp schoss er aus der Flasche und knallte an die Decke. »Mist, ich hab das noch nie gekonnt. Ziemlich peinlich für eine Weingutbesitzerin, oder?« Der überschäumende Sekt bildete eine Pfütze auf dem frisch verlegten Holzboden. »Oh Mann, wenn das Peter sieht!«

»Wenn ich was sehe?« Unbemerkt war Silvias Mann hereingekommen.

»Nichts«, sagten wir beide wie aus einem Mund.

»Ihr trinkt? Am frühen Morgen?«

»So früh ist es jetzt auch wieder nicht. Außerdem gibt es etwas zu feiern.« Silvia schenkte ein weiteres Glas ein und drückte es ihm in die Hand. »Lea ist jetzt stolze Besitzerin eines Eigenheims.«

»Du hast das Haus vom alten Neumann gekauft? Hat er es sich doch noch anders überlegt?«

»Ja.« Lachend stieß ich mit ihm an.

»Na, dann herzlichen Glückwunsch.« Peter freute sich aufrichtig.

Unsere kleine Party wurde jäh unterbrochen, als ein Lkw auf den Hof fuhr.

»Oh, da kommen ja endlich die Flaschen, die ich bestellt habe, ich muss los.« Peter trank seinen Sekt aus. »Ich liefere am Montag ein paar Bestellungen aus, könntest du das Verpacken übernehmen, Lea?«

»Aber klar.«

»Reicht dir denn das Geld, das du von Bernhard bekommen hast?«, fragte Silvia, als wir wieder allein waren.

»Locker.«

Das Telefon klingelte.

»Ich geh schon«, sagte sie. »Weingut Buchenmüller. Oh, hallo. Gut. Ja. Eine Kiste Riesling und eine Kiste Spätburgunder halbtrocken. Holst du den Wein ab? Okay, alles klar. Ja, ich werd’s ihr ausrichten. Bis dann.« Sie legte auf. »Wenn man vom Teufel spricht. Das war Bernhard.«

»Bernhard? Was wollte er außer Wein zu kaufen sonst noch?« Ich runzelte die Stirn.

»Wissen, wie’s dir geht.«

»Ach, jetzt auf einmal? Der kann mich mal, der verdammte …«

»Und ich soll dir sagen, dass ein Mandant von ihm eine große Praxis in Mannheim hat und noch Physiotherapeuten sucht.«

»Nein, danke. Ich arbeite lieber hier auf dem Gut.« Mein Blick schweifte über die Weinberge zum nahen Wald hin, dessen Laub in der Sonne leuchtete. Erst vor zwei Jahren war ich hierhergezogen – und nun sollte ich wieder in die Großstadt zurück? Niemals! »Vergiss es, hier bringen mich keine zehn Pferde mehr weg. Und bei mir heißt das was!«

»Wohnen, wo andere Urlaub machen«, fasste Silvia zusammen. »Das milde Klima und die Kombination aus Feld, Wald und Weinbergen sind schon sehr lebenswert. Und auch die Dörfer mit ihren Fachwerkhäusern und Weingütern.«

»Radio Buchenmüller. Sie hörten einen Beitrag der Touristeninformation Bad Dürkheim«, neckte ich sie.

Zwei Kunden kamen in den Laden und unterbrachen unser Geplänkel. Während Silvia die beiden bediente, nahm ich die Liste mit den Bestellungen von der Pinnwand und machte mich auf ins Lager, wo ich die nächsten Stunden damit verbrachte, Weinflaschen in Kartons zu verpacken.

»Puh, endlich geschafft!« Mit schmerzendem Rücken richtete ich mich eine gefühlte Ewigkeit später auf und legte den Klebebandabroller zur Seite.

Silvia kam herein. »Du bist ja schon fertig, schön. Wie wäre es, wenn wir heute Abend groß ausgehen? Zur Feier des Tages?«

»Super Idee. Aber heute will ich noch raus in den Wald. Billy kam die letzten Wochen etwas zu kurz.«

»Klar, kein Problem. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Komm, wir räumen noch schnell das Gemüse ins Kühlhaus, dann machen wir Feierabend.«

Eine halbe Stunde später schloss Silvia die Ladentür ab.

»War eine gute Idee, auch Obst und Gemüse anzubieten. Wenn ich geahnt hätte, wie gut das läuft, hätte ich das schon früher gemacht.«

»Tja, da muss erst ich aus Heidelberg hierherkommen, um dich auf diese Idee zu bringen.«

Silvia puffte mich in die Seite. »Dann willst du wohl am Gewinn beteiligt werden?«

»Klar!«

Lachend verabschiedeten wir uns.

Es war schon halb sieben, als ich den Jeep unter dem Carport neben dem – nein, ab heute hieß es: neben meinem Haus – parkte. Sicher, es wirkte ein wenig heruntergekommen, doch eine Bruchbude, wie mein Ex-Mann es bezeichnet hatte, war es nicht. Bernhards abfällige Bemerkungen versetzten mir immer noch einen Stich, obwohl es fast ein Jahr her war, dass wir zuletzt miteinander gesprochen hatten. Na ja, gestritten traf es wohl eher. Der Schmerz von damals spülte wieder einmal über mich hinweg gleich einer Welle, die einen überrollt und einsam am Strand zurücklässt. Jetzt reiß dich mal zusammen! Ich wollte mir nicht durch die Gedanken an Bernhard den schönen Tag verderben.

Im Haus zog ich erst einmal das Winzerhemd aus, das ich immer bei der Arbeit trug, und warf es auf den großen Wäscheberg, der sich auf dem Boden des Badezimmers auftürmte. Ordnung ist nicht gerade meine Stärke, zumindest nicht im Haus. Auf der Pferdekoppel und im Garten sah das anders aus, aber man muss ja schließlich Prioritäten setzen.

In der Küche schlang ich hastig ein Marmeladenbrot hinunter und trank dazu ein Glas Wasser. Dabei fiel mein Blick auf das schmutzige Fenster, das mal wieder einen Lappen vertragen könnte. Was soll’s. Fensterputzen steht auch auf der Liste der Dinge, die meiner Meinung nach völlig überbewertet werden. Ich zog mir ein frisches Shirt über, schlüpfte in ein Paar Wanderschuhe und schnappte mir Halfter und Führseil, die draußen auf dem Gartentisch lagen.

Billy döste in seiner Schutzhütte, doch als ich das Koppeltor öffnete, kam er mir entgegengetrabt. »Na, mein Kleiner?« Ich strich ihm über seine weiche Nase und streifte ihm das Halfter über. »Jetzt gehen wir noch ein bisschen in den Wald.« Ich zupfte ihm eine Klette aus der Mähne, band ihn an und schnappte mir eine Bürste, um ihn kurz abzustauben. Danach legte ich Decke und Sattel auf seinen Rücken.

Bevor ich aufsaß, schaute ich noch einmal über Haus, Garten und Pferdekoppel. Das alles gehörte nun mir, und niemand konnte es mir wieder wegnehmen. In meinem Bauch breitete sich ein warmes Gefühl aus. Endlich mal wieder etwas Glück im Leben, wenn schon nicht in der Liebe.

Kurz darauf tauchte ich in den Wald ein – und befand mich augenblicklich in einer anderen Welt. Ein leichter Abendwind wehte uns entgegen, streichelte mir über Gesicht und Arme und brachte zumindest etwas Abkühlung in der seit Wochen andauernden Hitze. Selbst mir als Sommerkind ging das langsam an die Substanz. Tief atmete ich den intensiven Geruch der Kiefernnadeln ein, der die Luft erfüllte. Und ich genoss die Stille, denn außer den Pferdehufen, die dumpf auf dem Waldboden aufschlugen, war nichts zu hören. Für mich gab es nichts Entspannenderes als ein paar Stunden im Wald zu verschwinden – weit weg von Stress und Hektik. Nur ich, mein Pferd und die Natur.

Billy fiel in einen leichten Galopp. Ich trieb ihn weiter an, und immer schneller strebten wir eine Anhöhe hinauf.

Plötzlich brach eine Rotte...