Einführung
Die Emotionsfokussierte Familientherapie (EFFT) fördert aktiv die Entwicklung und Erneuerung von Bindungsbeziehungen in Familien, die durch emotionale Distanz und durch Distress infolge anhaltender Beziehungskonflikte und -verletzungen geprägt sind. EFT-Therapeuten streben danach, solche problematischen Muster, die häufig die Sicherheit und das Wohlbefinden einer Familie untergraben, zu verändern. Orientiert an empirisch bewährten Vorgehensweisen werden Eltern-Kind-Beziehungen durch neue Vertrauens- und Verletzlichkeitserfahrungen neu definiert. Die flexible Verbundenheit und Responsivität, die Familien brauchen, um gesunde emotionale Bindungen aufrechterhalten zu können, werden wiederhergestellt.
Der EFFT-Praxis liegen Jahrzehnte psychotherapeutischer Forschung zugrunde, die gezeigt hat, dass das gemeinsame emotionale Erleben ein starker Katalysator der Weiterentwicklung und therapeutischen Veränderung ist. Pioniere der Emotionsfokussierten Paartherapie (Johnson 2020 [2004]) und der Emotionsfokussierten Therapie (Greenberg 2002) konnten den Erfolg emotionsfokussierter Therapien bei Depression und Angst im Erwachsenenalter und bei Schwierigkeiten in Paarbeziehungen wiederholt empirisch belegen. Susan Johnson hat die Anwendung der EFT für Paare erstmals in ihrem BuchThe Practice of Emotionally Focused Couple Therapy (Johnson 1996; deutsch:Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie: Verbindungen herstellen. Überarbeitete Neuauflage, 2021) erforscht. Sie stellte fest, dass die Theorie und die Interventionen der EFT für Paare mit ähnlichem Erfolg auch in der Arbeit mit schwierigen Familienbeziehungen angewendet werden können. Belegt wurde dies durch eine Pilotstudie, die die Effektivität der EFFT mit bulimischen Heranwachsenden und ihren Eltern testete (Johnson, Maddeaux& Blouin 1998). Weiterentwicklungen der Methode werden in der 2. Auflage vonThe Practice of Emotionally Focused Couple Therapy: Creating Connection und inBecoming an Emotionally Focused Therapist: The Workbook (Johnson et al. 2005) beschrieben.
Der in diesem Buch beschriebene klinische Prozess beruht auf den Grundsätzen der Emotionsfokussierten Therapie, die im Wesentlichen inPraxis der Emotionsfokussierten Paartherapie (Johnson 2021 [2004]),Becoming an Emotionally Focused Therapist: The Workbook (Johnson et al. 2005) sowie inBindungstheorie in der Praxis (Johnson 2020 [2019]) dargelegt wurden. Johnson und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beleuchten drei Grundprinzipien, die den Beitrag der Bindungstheorie zu diesem relationalen Veränderungsmodell illustrieren, das sich in der Arbeit mit Paaren wie auch mit Familien bewährt hat (Johnson, Lafontaine& Dalgleish 2015). Diese Prinzipien spiegeln sich in Zusammenfassungen der Strategien bindungsbasierter Therapieverfahren wider, die in verschiedenen Therapien und psychoedukativen Verfahren zum Einsatz kommen, an denen sich Kliniker bei der Arbeit mit Heranwachsenden und ihren Familien orientieren (z. B. Kobak, Zajac, Herres et al. 2015; Steele& Steele 2018).
- Die Therapeutin1als Bindungsperson und Unterstützerin der Exploration. Die Therapeutin ist emotional responsiv und verfügbar und geht auf jeden Klienten ein, indem sie d