Kapitel 1
»Baby?« Jessica legte erschrocken die Hand an ihren Hals. Sie hatte verständlicherweise nicht damit gerechnet, Ewan plötzlich in ihrem Schlafzimmer stehen zu sehen. Wie es ihre Art war, fasste sie sich schnell wieder. »Oh mein Gott! Ewan Blake! Du bist zurück!« In ein Badetuch gehüllt, einen Handtuchturban auf dem Kopf, fiel sie ihm um den Hals, presste ihren verführerischen Körper an seinen. »Ich war gerade dabei, mich schön zu machen, bevor ich dich am Flughafen abhole«, raunte sie ihm ins Ohr. »Aber wenn du eher zurückgekehrt bist, konntest du es wahrscheinlich genauso wenig erwarten wie ich.« Sie trat zurück, zog den Turban vom Kopf und schüttelte ihr feuchtes Haar. Mit einer eleganten Bewegung löste sie das Handtuch von ihrem Körper. Sie ließ es fallen, vergönnte ihm einen kurzen Blick auf ihre anbetungswürdigen Kurven, und schmiegte sich wieder an ihn. Ihre Hand glitt über seinem Hemd am Bauch in Richtung Süden.
Ewan fing sie ab, bevor sie kritisches Terrain erreichte, und löste sich von ihr. Auch nach zweieinhalb Monaten ohne Sex hatte er im Moment keine Lust auf seine Verlobte. Was er wollte, waren Antworten.
Seine Stimmung hatte sich auch nach drei Whiskeyfläschchen in einem deutschen Flughafenhotel nicht gebessert. Er hatte geduscht und versucht, zu schlafen. Trotz seiner Erschöpfung war er nicht zur Ruhe gekommen. Unerwünschte Gedanken und schmerzhafte Gefühle hatten in seinem Kopf einen Looping nach dem anderen gedreht, ihn wach gehalten. Schließlich hatte er seine Empfindungen in der Hotelbar ertränkt und war in einen unruhigen, von Albträumen geplagten Schlaf gefallen. Ihn hatte nichts mehr in Deutschland gehalten. Die Erholung, die er sich erhofft hatte, hatte er hier nicht finden können. Doch schließlich war es egal gewesen, in welchem Zustand er in Los Angeles landete. Es änderte nichts an seiner Gefühlslage. Er hatte einen früheren Flug erwischt und darauf verzichtet, Jessica anzurufen. Er hatte ihr keine Chance geben wollen, sich eine Entschuldigung zurechtzulegen. »Mein Vater ist gestorben«, sagte er und erkannte seine Stimme fast selbst nicht. Sie klang noch immer nach Staub und Sand.
»Ja.« Einen Moment blickte Jessica ihn irritiert an. Dann bückte sie sich und hob langsam das Handtuch auf, um sich wieder darin einzuhüllen.
»Das ist alles, was du dazu zu sagst?«
Jessica zuckte mit den Schultern, ging an ihm vorbei und zog ihren Morgenmantel aus dem Schrank. Noch einmal ließ sie das Badetuch fallen, präsentierte ihm ihre makellose Rückseite und schlüpfte in die raschelnde Seide. Auch dieser Anblick zündete keinen Funken der Erregung in seinem Inneren. »Was soll ich dazu sagen? Ich dachte, du hasst deinen Vater und hast ihn seit zwölf Jahren nicht gesehen.«
»Was nicht bedeutet, dass du das Recht hast, Nachrichten meiner Cousins von meiner Mailbox zu löschen.« Die Erschöpfung, der Jetlag und die verdammten Emotionen, die er nicht näher erforschen wollte, waren dabei, seinen Kopf zu spalten.
»Ich dachte, es ist unwichtig. Dein Vater bedeutet dir nichts. Ich wollte es dir nach deiner Rückkehr sagen. Das war meiner Meinung nach noch früh genug. Was regst du dich so auf?« Sie griff nach einer Lotion auf ihrem Schminktisch und massierte sie sanft in ihre Augenwinkel.<