EINS
Ich habe einen Typen umgelegt.
Die Frau hinter der Glasscheibe starrt mich an, als wäre ich in etwas Verfaultes getreten und als hätte es sich genau jetzt von der Sohle einer meiner Stiefel gelöst, um in der Hitze weiter zu verrotten. Das jagt mir Angst ein. Habe ich es vielleicht gerade laut ausgesprochen? Dass ich jemanden getötet habe. Für einen Moment bleibe ich reglos stehen, als hingen diese Worte noch in der Luft. Und frage mich, ob mich sonst noch jemand anstarrt.
Denn es stimmt. Ich habe wirklich einen Typen umgelegt. Und manchmal fangen meine Stimmbänder an zu vibrieren, als ob ich jeden Moment damit herausplatzen wollte.
Wenn ich irgendwo an der Kasse stehe:Mit Karte bitte, und übrigens, ich bin ein Mörder.
Wenn ich auf den nächsten Bus warte:Das dauert ja ewig! So ewig wie meine Verdammnis.
Wenn ich ein paar Worte mit jemandem wechsele:War echt schön in Portland, abgesehen davon, dass ich einen Totschlag begangen habe und abgehauen bin, um die Frau zu beschützen, in die ich mich gerade erst verliebt hatte.
Niemand starrt mich an. Auch die Temperatur in dem Raum hat sich nicht verändert. Vielleicht hat mir mein Gehirn einfach nur einen Streich gespielt. Weil mein Schuldzentrum darauf anspricht, dass ich hier bin.
»Sir?«
Es war nicht mit Absicht. Ein guter Anwalt würde vermutlich sogar auf Notwehr plädieren. Wobei ich mir allerdings ziemlich sicher bin, dass er damit nicht durchkäme, weil ich die Leiche abseits eines Wanderwegs im Wald vergraben habe. Ganz gleich, ob gerechtfertigt oder nicht, ich habe ein Licht gelöscht, das nicht mehr anzumachen ist.
Manchmal frage ich mich, ob man es mir bei genauerer Betrachtung ansehen kann. Wie bei einem Stereogramm – einem dieser psychedelischen 3D-Bilder, in denen man, wenn man lange genug darauf starrt, einen Vogel oder das Peace-Zeichen erkennt. Und wenn man mich länger ansieht, entdeckt man anstelle eines Vogels oder Peace-Zeichens eine finstere Kluft, die meine Seele spaltet. Aus der sowohl Hass als auch Reue aufsteigen.
»Sir!«
Ich schrecke zurück, vor den grauen Wänden, dem abgetretenen Teppichboden. Vor dem bläulich weißen Neonlicht. Die Frau hinter der Scheibe hat noch immer den Blick auf mich gerichtet. Brillengläser dick wie die Böden von Cola-Flaschen vor ihrem quadratischen Gesicht, schiefergraues Haar zu kleinen Löckchen aufgedreht. Laut dem schwarzen Namensschild mit der weißen Schrift, das an ihrer leuchtend grünen Bluse steckt, heißt sie Rhonda.
»Verzeihung«, sage ich.
»Die Formulare«, sagt Rhonda und zeigt auf den Schlitz unter der Glasscheibe. Ich schiebe den Stapel Papiere hindurch. Sie blättert die Formulare durch, wirft einen prüfenden Blick auf die ausgefüllten Kästchen. »Hmm, Ashley.« Den Namen lässt sie sich auf der Zunge zergehen, so wie die meisten Leute, wenn sie ihn zum ersten Mal hören.
»Das bin ich«, sage ich. »Die moderne Version