IProlog
Sie hat es sofort gewusst, als er zur Tür hereingekommen ist. Sie konnte es seinem Gesicht ansehen. An der senkrechten Falte, die sich über seiner Nasenwurzel tief in die Stirn eingegraben hat …
Er ist wütend. Sehr wütend. Eine eiserne Klammer legt sich um ihr Herz.
»Hallo«, sagt sie und versucht ein unverfängliches Lächeln.
Er darf nicht merken, wie dir zumute ist. Dass du weglaufen möchtest, so weit weg von ihm, dass er dich nie wieder finden kann. Auf keinen Fall darf er etwas merken. Nur nichts sagen, was ihn noch wütender macht.
Sie legt die Hände ineinander, während sie langsam auf ihn zugeht.
Bloß nichts tun, das ihn noch wütender macht.
»Schön, dass du da bist. Ich … gehe gleich in die Küche und mache das Essen fertig.«
Weg von ihm. In einen anderen Raum, wo er dich nicht sieht. Wo du nichts falsch machen kannst.
»Und warum ist es noch nicht fertig?«, knurrt er und senkt den Kopf wie ein Stier, der sich zum Angriff bereit macht.
Es ist unausweichlich. Egal, was ich sage oder tue. Er will es jetzt so.
»Du … du bist früher wieder da als sonst«, stammelt sie entschuldigend. »Aber das ist gar kein Problem, wirklich. Ich habe schon alles fertig vorbereitet und muss es nur noch auf den Herd stellen. Das dauert nicht lange.«
O Gott, bitte, lass ihn nicht noch wütender werden. Bitte, erspare es mir heute.
»Weißt du, was?« Er macht einen Schritt auf sie zu. »Weißt du, was ich denke?«
Sie starrt ihn mit großen Augen an, schüttelt wie in Zeitlupe den Kopf.Bitte nicht!
»Was ist? Bist du stumm geworden? Oder hältst du es nicht mehr für nötig, mir zu antworten?«
Bevor sie reagieren oder etwas sagen kann, redet er weiter. »Das ist es, nicht wahr? Du bist dir zu fein, um mit mir zu reden, stimmt’s? Denkst, du bist was Besseres.«
»Nein, wirklich, ich …« Es ist nicht viel mehr als ein Krächzen.
»Halt den Mund, du Dreckstück«, faucht er sie an. Er steht nun unmittelbar vor ihr. »Ich weiß genau, was in deinem Spatzenhirn vor sich geht.«
»Bitte, ich …« Plötzlich liegen seine Hände um ihren Hals. »Mit mir treibst du diese Spielchen nicht!«
Sie möchte reflexartig einen Schrei ausstoßen, als er zudrückt, doch aus ihrem aufgerissenen Mund kommt nicht mehr als ein Röcheln. Sie fuchtelt wild mit den Armen, legt ihre Hände auf seine und versucht, ohne den Hauch einer Chance, seinen eisernen Griff zu lösen. Seine kalten Augen fixieren sie. Sie erkennt, dass die Wut in ihm in Hass umgeschlagen ist, die Lippen sind zu einem schmalen Strich zusammengepresst, das Gesicht eine versteinerte Fratze. »Ich schwöre, entweder mache ich aus dir Schlampe eine anständige Frau, oder ich bringe dich um.«
Ihre Gedanken versinken in einem Strudel aus panischer Todesangst. Sie macht einen Schritt rückwärts, versucht verzweifelt, sich aus seinem Griff zu winden, stößt dabei gegen etwas und gerät ins Stolpern. Noch während sie fällt, ist ihr Hals plötzlich wieder frei, und sie saugt gierig die rettende Luft in die Lungen. Ein dumpfer Schmerz rast ihr durch den Kopf, als sie auf dem Boden aufschlägt. Sie ignoriert ihn, wirft sich hastig herum und versucht, auf allen vieren von ihm wegzukommen, doch er ist schon wieder über ihr. Seine Finger krallen sich in ihre Haare, zerren ihren Kopf nach oben. Sie sieht einen dunklen Schatten auf sich zukommen, dann explodiert ein Feuerwerk in ihrem Gesicht.
Für einen Moment wird es schwarz um sie, doch sie kämpft gegen die drohende Ohnmacht an. Wenn sie das Bewusstsein verliert, wird er sie töten. Diesmal bringt er sie um, da ist sie sicher. Ihre Nase scheint in Flammen zu stehen. Der Gedanke, dass sie gebrochen ist, verpufft, als seine Finger sich wieder in ihre Haare wühlen.
Ihr Kopf wird von dem Schlag brutal zur Seite gerissen. Dunkle Nebel wabern durch ihr Bewusstsein, so dass sie die folgenden Schläge und Tritte gegen ihren Körper nur noch mit einer bleiernen Tau