Vorwort zur Neuausgabe 2018
Und plötzlich weißt du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.
(Meister Eckhart, 1260–1327)
Liebe Leserin, lieber Leser,
danke, dass du dich für mein Buch entschieden hast! Hier geht es nicht um einen ganz bestimmten Neubeginn in meinem Leben. Es geht um das Lebensprinzip des Neubeginns, um die Fähigkeit, immer wieder neu beginnen zu können, auch in der schlimmsten Situation. Wie alt dieses Lebensprinzip ist, kannst du an dem Zitat von Meister Eckhart aus dem 13. Jahrhundert erkennen. Sicher kennst du auch das GedichtStufen von Hermann Hesse, das ich sehr liebe und in diesem Buch immer wieder zitiere. Dort heißt es:
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt, und der uns hilft, zu leben.
Das Leben bietet uns immer neue Chancen. Wichtig ist es auch, sich zu verabschieden von Wünschen, Zielen und Lebensmustern, die uns nicht mehr entsprechen.
„Wenn dein Pferd tot ist, steige ab“, so lautet eine Redewendung.
Loslassen ist daher immer wieder wichtig, den Weg ändern, das Leben neu ausrichten – und doch man selbst zu bleiben oder dem, was man selber ist, immer näher zu kommen.
Irrwege gehören unbedingt dazu, wobei ich keine Irrwege kenne, sondern nur Wege.
Überlege dir immer wieder, was du dir wünschst und was du tun musst, damit deine Wünsche wahr werden. Ohne etwas zu tun, erfüllen sich die meisten Wünsche nicht, und auch Probleme lösen sich nicht einfach mit einem Schlag.
In meinem Buch zeige ich dir, welche Wendepunkte es in meinem Leben gab, wie ich denke und gedacht habe, und wie sich mir der Sinn meines Lebens nach und nach immer deutlicher erschließt.
Grundsätzlich sind alle Erfahrungen gut, jeder Fehler und jede falsche Entscheidung führen uns weiter. Wichtig scheint es mir, nicht mehr darüber nachzudenken, was man falsch gemacht hat, sondern hier und heute in die Zukunft zu gehen, neu zu beginnen. Dabei ist es hilfreich, zu überlegen, was man richtig gemacht hat und was man noch besser machen kann.
Jeder Tag bietet uns die Chance für einen Neubeginn, Also: Lass los und starte heute neu durch!
Vor einiger Zeit las ich ein Buch über die Beziehung des Menschen zu seinem Hund. Der Autor, José Arce, schreibt eine sehr tröstliche und hoffnungsvoll stimmende Prophezeiung: Falls wir heute anfangen, etwas anders zu machen im Umgang mit dem Hund, sind vergangene Fehler des Menschen und angeblich traumatische Erlebnisse des Hundes vergessen. Ab sofort ändert der Hund sein Verhalten, wenn wir etwas anders machen.
Ich habe es ausprobiert und überlegt, woran das liegt. Und warum man das bei Menschen nicht so einfach machen kann. Es fehlen die Zweifler und Kritiker, jedenfalls wenn man mit dem Hund alleine bleibt. Diejenigen, die meinen: Das geht aber nicht, das war doch alles ganz anders. Und wenn es geht, dann sicher nur heute, man müsse das erst viele Wochen und Monate üben, ehe es gelingt. Der Hund denkt so etwas nicht, das habe ich gelernt in diesen Tagen. Der Hund freut sich, dass sein Mensch etwas anderes macht und er reagiert. Ab sofort. Eine ganz neue Mensch-Hund-Beziehung beginnt. Und das geht jeden Tag. Einfach so.
Ich denke, bei uns Menschen geht das auch. Wir können morgen aufwachen und unsere Gewohnheiten einfach ändern. Das geht am besten, wenn wir mit uns alleine sind. Sobald andere dabei sind, wird es schwierig.
Aber einen Neubeginn in unserem Leben können wir jeden Tag starten! Wir müssen allerdings einiges loslassen: Menschen, Orte, Gewohnheiten. Daher ist das ThemaNeubeginn immer auch mit Abschied und Loslassen verbunden.
Ich gehe zweimal täglich mit meinem Hund zum Meer, egal wie das Wetter ist, am Morgen meist nach Fehmarnsund und am Nachmittag zum Südstrand. Und jeden Tag ist es anders dort: das Licht, das Wasser, die Sonne, die Wolken, die Stimmung, die Wasservögel, die Surfer – alles ist immer ganz anders. Wir können mit jedem Tag neu beginnen, denn gestern ist vorbei. Für immer. Das kann das Meer uns lehren.
Und deshalb hieß mein Buch ursprünglichNeubeginn& Mee(h)r. Es war zum fünfjährigen Jubiläum meines Verlages, der Edition Forsbach am 11. Februar 2016 erschienen. Damals freute ich mich über mein neues Auto, das ich genau an diesem Tag bekommen hatte. Das alte Auto war drei Wochen vorher ganz überraschend kaputt gegangen. Ich beriet mich mit Freunden und Bekannten und traf dann am selben Tag meine eigene Entscheidung. Einige hatten mich darauf hingewiesen, dass ich eigentlich gar keinen Verlag brauche und auch kein neues Auto, ich sei doch nun bald „in Rente“. Das entscheidende Argument aber hatte mir eine Freundin gesagt: „Du hast jetzt einen neuen Lebensabschnitt, Du wirst jeden Tag jünger und schlanker – da würde ein neues flottes Auto gut zu Dir passen.“ Und sie äußerte die Hoffnung, dass mein Hund dann auch endlich mit dem Auto mitfahren würde. Das gab den Ausschlag für den Autokauf – da wusste ich noch nicht, dass sich diese Hoffnung kurze Zeit später erfüllen würde.
Ich treffe Entscheidungen oft sehr spontan und ohne lange über die Folgen nachzudenken. Auch wenn manche Entscheidung sich später als falsch herausgestellt hat, ist es doch besser, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, als nie eine zu treffen oder gar andere entscheiden zu lassen. Ich habe mich z. B. binnen weniger Stunden für mein neues Auto entschieden, obwohl ich 24 Stunden vorher noch nicht einmal über die Möglichkeit nachgedacht hatte. Auf diese Weise habe ich viele Erfolge und Veränderungen erlebt, und damit auch viele Neuanfänge in meinem Leben.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne.
So heißt es in dem Gedicht