: Johanna Hirt
: Bertil - frei Schnauze
: Begegnungen - Verlag für Natur und Leben
: 9783946723677
: 1
: CHF 8.00
:
: Erzählende Literatur
: German
: 96
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Bertil - frei Schnauze' ist eine lustige Geschichte, in der die Erlebnisse eines jungen Hundes erzählt werden, der in eine liebende Familie aufgenommen wird und die Welt der Menschen kennenlernt. Was er darüber denkt, wird ihm von der Autorin in den Mund gelegt und in imaginäre kleine Briefe verpackt, die er an seine 'Mama im Himmel' verfasst ... Aus Sicht des Hundes erscheinen viele Dinge, die die Menschen tun, sehr seltsam. Er stellt sich Fragen wie: Warum gucken die Menschen eher in ein Hundeverstehbuch, anstatt einfach auf ihre Hunde? Ist es wirklich sinnvoll immer bei der Erziehung mitzumachen? Und: Darf man Puh-bah-tät behalten? Auf kindlich-fröhliche Weise berichtet er unbeschwert - und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen - über seine Erlebnisse.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie in einen kleinen Dorf inmitten der Natur.

Alles begann …


… an einem sonnigen Sommertag am Rande einer kleinen Stadt in einem Land, das Griechenland heißt. Ich kann mich natürlich nicht mehr ganz genau daran erinnern. Aber ich habe die Geschichte schon so oft gehört, dass es mir vorkommt, als wären all die Erlebnisse noch ganz genau in meinem Gedächtnis. Und irgendwie ist es ja auch so. An diesem Sommertag war ich noch ein klitzekleiner Welpe und lebte mit meiner Mama auf der Straße. Eigentlich hatte Mama einmal ein Zuhause gehabt. Irgendwo in den tiefen Winkeln der Stadt. Aber als ihre Menschen merkten, dass sie schwanger war, setzte ihr Besitzer sie in sein Auto, fuhr hinaus in die weite Landschaft und warf sie aus dem Fenster des Wagens. Mama hat sich dabei an einer Pfote verletzt und konnte danach nur noch schwer gehen. Trotzdem versuchte sie irgendwo etwas zum Essen zu finden und schleppte sich mühsam zu einem Ort, der Parkplatz heißt und an dem eine Mülltonne stand. Mama ist ziemlich schlau gewesen und sie merkte schnell, dass immer wieder Leute zu diesem Parkplatz kamen und dort Reste ihrer Mahlzeiten liegen ließen oder in die Tonne warfen.

Deshalb verkroch sie sich in der Nähe unter einem kleinen Felsvorsprung hinter einem Gebüsch und lief jeden Tag mühsam zum Parkplatz, um ihren Magen zu füllen. Dort unter dem Felsen wurde ich auch geboren. Meine Mama hat sich immer liebevoll um mich gekümmert, ich war ihr einziges Kind. Doch ihre verletzte Pfote wurde immer dicker und fing an, ganz scheußlich zu riechen, und Mama wurde immer schwächer. Dazu muss ich vielleicht auch erwähnen, dass Mama schon alt war, sehr alt sogar, und eigentlich wäre es besser gewesen, wenn sie keine Kinder mehr bekommen hätte. Aber ich bin trotzdem ganz froh, dass es mich gibt!

Als ich ungefähr sieben Wochen alt war, machten wir uns auf den Weg. Mama war inzwischen ganz dünn, überall konnte man die Rippen sehen. Mir meine Milch zu geben, hat sie viel Kraft gekostet und dazu musste sie auch immer noch jeden Tag zum Parkplatz laufen, um selbst etwas essen zu können. Und das mit all den Schmerzen. Aber sie hat sich nie beklagt. Langsam trotteten wir durch trockene Wiesen und über staubige Wege. Immer wieder mussten wir uns ausruhen – Mama, weil sie so krank, und ich, weil ich noch so klein war. Doch nach ein paar Tagen kamen wir zu einem Zaun, hinter dem ein Haus stand, und wir hörten, dass dort viele Hunde wohnten. Mama und ich legten uns in die Nähe unter einen Busch und Mama beobachtete eine Weile, was dort vor sich ging. Und nachdem sie sicher war, dass dort gute Menschen wohnten, die Hunden helfen, und uns von dort keinerlei Gefahr drohte, stupste sie mich an und sagte mir damit, dass ich ihr folgen sollte. Langsam krochen wir zu dem großen Tor.

Wir saßen noch nicht lange dort, als eine Frau herauskam und uns fand. Ich hatte ein wenig Angst, denn ich hatte zuvor noch nie einen Menschen gesehen, aber Mama schien das in Ordnung zu finden. Sie hob den Kopf und sagte mir, dass ich mit der Frau gehen solle. Ich könne ihr vertrauen, sie