: Ulrich Frey, Gottfried Orth
: Auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens Texte aus drei Jahrzehnten
: Books on Demand
: 9783756260683
: 1
: CHF 8.90
:
: Politik
: German
: 452
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ulrich Frey, langjähriger Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), ist ein zentraler Akteur der Friedens- und Freiwilligenarbeit im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) wie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). So hat er u.a. die große Demonstration und Kundgebung der Friedensbewegung am 10. Oktober 1981 im Bonner Hofgarten gemeinsam mit Volkmar Deile von der ebenfalls verantwortlich beteiligten Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste federführend vorbereitet und organisiert. Gestützt auf eigene Erfahrungen aus aktiver Mitarbeit im internationalen und deutschen Freiwilligen- und Friedensdienst seit seinem 15. Lebensjahr, breite Kenntnisse der Friedensforschung wie der Theologie reflektieren seine Texte Erfahrungen aus mehreren Etappen der Friedensarbeit in Deutschland und Europa sowie der Friedensbewegung. Sie sind Ausdruck von Hoffnungen auf Frieden und Gerechtigkeit - weit über die Kirchen hinaus in Gesellschaft und Politik. Die Aufsätze dieses Bandes aus den vergangenen drei Jahrzehnten sind auch ein Beitrag zur deutschen und europäischen Zeitgeschichte. Die Re-Lektüre zeigt heute, wie schwerhörig jene Kräfte, die jetzt eine rasante Militarisierung und Aufrüstung fordern, schon seit langem gegenüber den christlichen Friedensvoten gewesen sein müssen. Der letzte Text plädiert - hochaktuell - für eine dringend nötige"neue Entspannungspolitik". Ein Band der editon pace

Ulrich Frey (geb. 1937), Assessor iur., 1972-2000 Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden. Maßgeblich beteiligt an der Etablierung des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung seit 1983 im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland und seit 1991 in der Evangelischen Kirche im Rheinland.

1.
„Friedenskirche werden – ankommen im
postkonstantinischen Zeitalter“5


1. Zum Verständnis der Begriffe: Das postkonstantinische Zeitalter begann, als der römische Kaiser Konstantin (um 285 bis 337) anfing, die bislang gültige heidnische römische Staatsreligion durch das Christentum zu ersetzen. Er erließ im Jahre 313 Toleranzedikte zugunsten der blutig verfolgten Minderheit der Christen, die bis dahin dem römischen Staat nicht als Beamte oder Offiziere im Heer dienen durften, weil sie den Kaiser- und Götterkult ablehnten. Die frühen Christen lebten dem himmlischen Frieden in Erwartung des baldigen Endes der Welt und der Wiederkehr Christi mit aktivem Handeln, nicht durch passives Hinnehmen aus einer Haltung der „patientia“ (deutsch: Geduld) entgegen, was dem heutigen Verständnis der grundsätzlichen Gewaltfreiheit entspricht.6 Je mehr die Christen anerkannt und zum Staatsdienst zugelassen wurden, desto intensiver mussten sie sich zwangsläufig mit ethischen Fragen im Spannungsfeld zwischen ihrem Glauben und dem Wesen des Staates, insbesondere seiner Gewaltanwendung, auseinandersetzen. Die präkonstantinische Kirche war nach heutigen Begriffen also eine grundsätzlich pazifistisch ausgerichtete Kirche.

Die Selbstbezeichnung „Friedenskirchen“ führen die Mennoniten, die Brüderkirche (Church of the Brethren) und die Gesellschaft der Freunde (Quäker) erst seit einer Zusammenkunft 1935 in Newton/Kansas (USA). Historisch hatten diese Glaubensgemeinschaften seit ihren Ursprüngen die Beteiligung der Christen am Soldaten- und Kriegsdienst verweigert. Nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges wollten sie die damit zusammenhängenden Probleme gemeinsam wieder aufgreifen und daran arbeiten.7 Die Mennoniten gehen von einem Gegensatz zwischen Welt und Gemeinde auf der Grundlage eines umfassenden Verständnisses von Gemeinde aus. Die Nachfolge Christi ist nur in der Gemeinde und in ihrem Leben in Verbindlichkeit und Einsatzfreude möglich.8 Zum Leib Christi gehört nur, wer seinen Glauben als Mitglied der Gemeinde lebt.

Die Volkskirche entwickelte sich nach lutherischem Verständnis aus dem