Es ist kühler geworden, und während ich die Bäume, die den Fluss säumen, betrachte, erscheinen sie mir mehr und mehr wie Gestalten, die klagend ihre Gliedmaßen in den Himmel recken. Nebel hat sich wie ein Schleier über die Aue gelegt, der Herbstgesang des Rotkehlchens klingt gedämpft, als befinde sich seine Naturbühne hinter einem herabgelassenen Vorhang. Jetzt im Oktober bereiten sich alle Lebewesen langsam auf den Winter vor, täglich kann ich beobachten wie Eichhörnchen, Igel oder Eichelhäher ihre Vorbereitungen treffen, und auch ich fülle meinen Holzvorrat auf. Was für ein wunderbarer Ort, ein Privileg, hier leben zu dürfen. Aber die Vollkommenheit eines Wohnortes kann erst durch eine angemessene Behausung entstehen. »Gimme Shelter …«, sangen schon die Rolling Stones und ich hatte dabei immer eine Hütte vor Augen. Das mag kurios erscheinen, dennoch ist dieses Bild nicht völlig abwegig, denn diese Sehnsucht nach einer Zuflucht, die Geborgenheit vermittelt, ist ein Grundbedürfnis, für das es keine Standards gibt.
Wo Eichhörnchen sich geschützt fühlen
In diesem Buch soll es natürlich um eine Zuflucht gehen, die baulich errichtet werden muss, eine Behausung, die uns als Unterkunft dient. Dabei sind wir Menschen bekanntlich nicht die einzigen Lebewesen, die solche Bauten errichten, im Tierreich finden wir zahlreiche Beispiele dafür. Die meisten Tiere errichten sie, um ihre Nachkommen aufzuziehen, wobei Nester und angelegte Höhlen zu den bekanntesten Bauwerken gehören. Die meisten Nester aber werden nach der Brut und Aufzucht der Jungen verlassen, eine weitere Nutzung findet nicht statt. Sogar für eine unmittelbar danach einsetzende Zweitbrut wird ein neues Nest errichtet. Das mag in unseren Augen verschwenderisch erscheinen, dient aber zum einen der Hygiene und hat außerdem mit dem Sicherheitsbedürfnis zu tun, denn ständiges Ab- und Anfliegen bei der Fütterung der Jungtiere kann schon verräterisch sein. In einer der Erlen am Fluss hat ein Eichhörnchen hoch oben