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Hundertvierundzwanzig, hundertfünfundzwanzig, hundertsechsundzwanzig..." Noah zählt wieder einmal die winzigen blauen Blüten der vergilbten, hier und da zerschlissenen Tapete seines kleinen Zimmers - oder sollte er vielleicht besser Zelle sagen?
Viel Abwechslung wird ihm nicht geboten, weshalb die Tage grauenvoll langsam an ihm vorüberziehen, gleich einem Stalagmit einer Tropfsteinhöhle, welcher Jahrhunderte benötigt, um in einer beachtlichen Größe aus dem Boden emporzuwachsen. Ähnlich mühsam, so kommt es Noah zumindest vor, kriechen die Minuten und Stunden an ihm vorbei. Tröpfchen für Tröpfchen. Millimeter für Millimeter. Minute für Minute.
Anfangs hatte er sich vorgenommen für jeden Tag, den er hier verbringen sollte, einen Strich in die Tapete zu ritzen. Die ist ohnehin in einem miserablen Zustand. Und eine Art Kalender würde ihm sicherlich helfen, sich zu orientieren. Dieses einfache Unterfangen stellt sich jedoch schwieriger als erwartet heraus.Wann ist der Tag zu Ende und wann beg