Warum vegan?
Die Entstehung dieses Buches ist eng mit meiner Geschichte verbunden. Deshalb schildere ich kurz diese Episode, obwohl ich ansonsten eher das Persönliche vom Öffentlichen trenne.
Ich bin 21 Monate durch 12 der 13 südamerikanischen Länder gereist und hatte schon vor Beginn meiner Reise die Idee im Hinterkopf, einen Reiseführer für vegetarische und vegane Menschen zu schreiben, gerade weil die südamerikanischen Küchen bekannt für ihre Fleischlastigkeit sind. Ich bin als Vegetarier losgezogen und als Veganer nach Hause gekommen. Schon als Vegetarier habe ich wenig Milchprodukte und Eier gegessen. Das Bild des perfekten Veganers, das so viele Leute pflegen, hat mich aber abgeschreckt. Auf der Reise habe ich dieses Klischee hinterfragt. Anstoß gab die Aussage eines Musikers, der in Interviews öfters mitteilte, dass er ab und zu Käse isst.
Bereits nach wenigen Wochen in Argentinien, dem ersten Land auf der Reise, habe ich festgestellt, dass es sehr einfach ist, vegetarisch zu reisen, denn im Notfall findet man immer eine Pizza. In Argentinien bin ich vielen Menschen begegnet, die sehr stolz auf ihre fleisch-behaftete Diät waren und dieser Stolz hatte grundsätzlich eine nationalistische Note: „Das argentinische Fleisch ist das beste!“. Ständig diesem nationalen Carnismus1 ausgesetzt zu sein, hat mich dazu gebracht, alles in Frage zu stellen. In Patagonien sagte jemand, der im Bus hinter mir saß, auf weidende Tiere deutend: „Acá está la ternera“. Was ich als „Hier ist das Kalbfleisch“ verstanden habe. Zusammen mit der Tatsache, dass ich in Südamerika ständig Eier und Milch in allen möglichen Formen und in Massen serviert bekam, hat dieses Erlebnis dazu geführt, dass ich beschlossen habe, bei meiner Rückkehr vegan zu werden. Es ist aber anders gekommen.
In Coyhaique habe ich bei einer ethischen Vegetarierin übernachtet, die eigentlich gerne vegan geworden wäre, es ab