: Marie Robert
: Auf einen Drink mit Descartes Überlebenstipps für den Alltag von den größten französischen Philosophen
: Goldmann Verlag
: 9783641294267
: 1
: CHF 3.60
:
: Lebenshilfe, Alltag
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie gehe ich mit meinem tyrannischen Chef um? Wie überlebe ich eine öffentliche Blamage? Die Kindermeute ist außer Rand und Band – wie bewahre ich einen kühlen Kopf? Kann ich jemals meine Schüchternheit überwinden? Muss ich einen Gang runterschalten, um in meinem eigenen Tempo zu leben? Marie Robert bietet Tipps und Trost von berühmten Philosophinnen und Philosophen für alle möglichen Alltagsprobleme. Anhand von zwölf emotional fordernden Situationen zeigt sie Wege auf, wie wir uns unseren Zweifeln und Fragen stellen und selbst schwierige Lebenslagen spielend meistern.

Marie Robertlehrt Philosophie und Französisch an der Universität sowie am Gymnasium. Zudem gründete sie in Marseille eine eigene Grundschule mit angegliedertem Kindergarten, die nach der Montessori-Pädagogik ausgerichtet sind.

Ihre Kinder haben Sie schon so lange bearbeitet – nun ist es wohl an der Zeit nachzugeben. In den letzten Monaten haben die drei raffinierte Strategien entwickelt, Sie vom lange aufgeschobenen Besuch im Freizeitpark zu überzeugen. Ihre Tochter hat Ihren empfindlichsten Knopf gedrückt: Sie hat solche Sehnsucht nach einer Zauberwelt! Ihr jüngster Sohn hat sich mit seinen Freunden verglichen, die alle die Fahrgeschäfte in- und auswendig kennen – im Gegensatz zu ihm. Vollends überzeugt waren Sie aber erst, als Ihr ältester Sohn Sie an etwas erinnert hat: Sie hatten ihm den Freizeitparkbesuch zu seinem zehnten Geburtstag versprochen, und er ist bald volljährig. Diesmal fühlen Sie sich bereit, die perfekte Mutter zu spielen, die sich so sehr aufopfert, dass sie einen ganzen Samstag zwischen Tausenden Besuchern und Menschen in Disneyfiguren- und sonstigen Kostümen verbringt. Glückliche Kinder bedeuten Ruhe im Karton, und ein paar Loopings in der Achterbahn verleihen der Föhnfrisur schließlich auch mehr Volumen.

Die gekauften Tickets hängen am Kühlschrank, und Ihre Kinder zählen die Tage, bis es so weit ist. Sie beobachten Ihre Sprösslinge mit einem zarten Lächeln. Diesen Ausflug werden die drei ganz sicher ihr Leben lang in guter Erinnerung behalten! Endlich kommt der lang ersehnte Tag. Im Auto studieren Ihre Kids gewissenhaft den Plan des Freizeitparks und beginnen zu debattieren, was als Erstes dran ist. Ihr Ältester schreit: »Bist du irre? Klar gehen wir direkt zur Grubenbahn!« Die Aufregung nimmt ein wenig überhand, daher bitten Sie Ihre Kinder, leiser zu sprechen.

Kaum angekommen stürmen Ihre Kinder schon durch das Tor und rennen zur ersten Attraktion. Sie können ihnen noch so oft zurufen, dass sie sich nicht so beeilen müssen, sie sind schon außer Hörweite. Ein Schild am Eingang zum ersten Fahrgeschäft zeigt die Wartezeit an: vierundsiebzig Minuten. Ein Glück, das wird sie etwas beruhigen. Aber da haben Sie die Rechnung ohne Ihre Tochter gemacht! Nach einer Viertelstunde fragt sie winselnd, warum die Zeit so langsam vergeht, und fleht Sie an, ihr einen Glitzerhaarreif zu kaufen. Zunächst weigern Sie sich, einem Frustkaufimpuls nachzugeben, als aber Ihr jüngster Sohn anfängt, seine Schwester am Pferdeschwanz zu ziehen, weil er es cool findet, sie zu ärgern, geben Sie nach.

Sie lächeln zwar noch, aber allmählich kriegen Sie schlechte Laune. Der Gedanke, dass der Tag gerade erst begonnen hat, ist wenig hilfreich.

Der Älteste, der während der ganzen Wartezeit sein Handy nicht einmal aus der Hand legt, schlägt nach einer Stunde vor, über einen Zaun zu springen, um zehn Plätze Vorsprung zu gewinnen. Sie sind empört und erinnern ihn an die Grundregeln des höflichen Umgangs, an den Respekt gegenüber den Mitwartenden. Es beschleicht Sie das Gefühl, dass nur Ihre Kinder sich danebenbenehmen, und Sie fragen sich leicht verwirrt, wer sie wohl erzogen hat. Die letzten Minuten in der Warteschlange zaubern endlich allen ein Lächeln ins Gesicht. Triumphierend besteigen Sie einen Waggon der Grubenbahn und sind bereit, sich die Lunge aus dem Leib zu schreien. Der Nervenkitzel ist tatsächlich ganz nett, doch nach eineinhalb Minuten heißt es: Das war es schon, alle aussteigen und schnell zum Ausgang. Es fällt I