ICHSTARRTEDIEKLINGEL an. Sie bestand aus einem schwarzen Knopf, der sich in der Mitte einer runden Messingplatte befand. Sie starrte einäugig zurück. Neben der Klingel hing ein Schild: »Joschka Breitner, Sprechstunden nach Vereinbarung, dienstags geschlossen«.
Herr Breitner hatte bereits das ein oder andere Mal meine Unpünktlichkeit zum Anlass genommen, diese zum Sitzungsbeginn zu thematisieren.
Aber heute war ich pünktlich.
Und wir hatten Donnerstag.
Ich klingelte erneut und versuchte, die Wartezeit für eine kleine Atemübung zu nutzen.
Ich stellte meine Beine schulterbreit auseinander und ließ die Arme locker am Körper baumeln. Ich atmete ein. Ich atmete aus. Ich wollte im Hier und Jetzt darauf warten, dass Herr Breitner die Tür öffnete. Ich fühlte mich … wie ein Kind auf dem Schulhof, das die Glocke gehört hatte und darauf wartete, dass der Lehrer die Kinder in die Klasse führte. Hoffentlich würde Emily diese absolute Leere des Wartens nicht so spüren wie ich damals.
Ich merkte, wie mir die Übung entglitt.
Ich war in Gedanken nicht mehr im Hier und Jetzt.
Ich oszillierte emotional über vier Jahrzehnte.
Im Moment dieser Erkenntnis wurde meine kleine Stehmeditation ohnehin vom Türsummer beendet.
Das war sonderbar.
Bisher hatte mir Herr Breitner immer persönlich die Tür geöffnet.
Fast zeitgleich mit dem Summer erklang seine Stimme aus der Gegensprechanlage.
»Ich … bin noch am Telefon«, sagte Herr Breitner in einer Tonlage, die nicht nur aufgrund der elektronischen Verzerrung völlig anders klang, als ich es von ihm gewohnt war.
»Gehen Sie … schon mal rein. Ich komme gleich.«
Irgendetwas stimmte hier nicht.
Herr Breitner war bei jedem meiner Besuche immer Herr des Geschehens. Er ließ die Dinge gerne im von ihm kontrollierten Tanzbereich laufen. Aber er überließ die Tanzfläche nie gänzlich mir.
Ich öffnete leicht irritiert die schwere Eingangstür aus massivem Holz und ging durch den langen, mit einem Bambusfaser-Läufer ausgelegten Flur. Linker Hand befand sich sein Büro, in dem ich noch nie war. Auch heute war die Tür dazu geschlossen. Ich hörte allerdings leise seine Stimme.
»Ja … nein … danke … ich …«, klang es tonlos durch die Tür.
Geradeaus befand sich eine kleine Toilette.
Rechter Hand lag das Besprechungszimmer, dessen Türe offen stand.
Ich trat ein.
Es ist leicht, in einem spartanisch eingerichteten Raum Unordnung zu erzeugen. Es reicht schon, wenn ein einziger Gegenstand sich am falschen Platz oder sich ein neuer Gegenstand im Raum befindet.
Die spärliche Möblierung in Herrn Breitners Arbeitszimmer war für mich fester Bestandteil uns