: Joy Fielding
: Die Haushälterin Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641262808
: 1
: CHF 9.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 448
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Denn jedes Haus braucht eine gute Seele ...

Jodi Bishop ist erfolgreiche Maklerin und lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Toronto. Da ihre Mutter an Parkinson erkrankt ist, beschließt sie, eine Haushälterin für ihre alternden Eltern einzustellen. Als sie die erfahrene Elyse trifft, ist sie begeistert von deren warmherziger, anpackender Art. Sogar Jodis skeptischer Vater scheint sie zu mögen. Aber schon nach kurzer Zeit nimmt Jodi beunruhigende Veränderungen wahr. Ihre Eltern verlassen kaum noch das Haus, ihre Mutter scheint sich regelrecht vor Elyse zu fürchten. Und als ihre Mutter unerwartet verstirbt, muss Jodi sich fragen: Wem hat sie da die Tür zum Leben ihrer Eltern geöffnet ...?

Joy Fielding gehört zu den großen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding hat zwei Töchter und lebt mit ihrem Mann in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

KAPITEL ZWEI


»Was wissen Sie über Parkinson?«

Das war immer die erste Frage, die ich stellte. Ich wollte sichergehen, dass eine potenzielle Angestellte wusste, worauf sie sich einließ.

Elyse Woodley saß in einem der beiden elfenbeinfarbenen Sessel gegenüber dem lindgrünen Samtsofa in unserem selten benutzten Wohnzimmer. Sie trug eine kurzärmelige gelbe Bluse, eine dunkelblaue Baumwollhose und offene Sandalen. Unter den perfekt frisierten Wellen ihres kinnlangen blonden Haars lugten kleine goldene Perlohrringe hervor, neben ihrer schlichten goldenen Armbanduhr der einzige Schmuck, den sie trug. Auch keinen Ehering, und dafür war ich dankbar. Eine Komplikation weniger, erinnere ich mich gedacht zu haben.

Ich hatte mich entschieden, die Bewerbungsgespräche in unserem Wohnzimmer zu führen, nicht weil es der förmlichste Raum im Erdgeschoss war, sondern der am wenigsten unordentliche. In allen anderen Räumen – dem kleinen Esszimmer mit der permanent verschmierten gläsernen Tischplatte, der modernen offenen Küche inklusive großem Inseltresen mit Marmorplatte, dem angrenzende Familienzimmer mit Blick auf einen winzigen Streifen Garten – waren überall Spielsachen verteilt. Es war schwer, einen Schritt zu machen, ohne über eine Super-Mario-Figur oder einen Legostein zu stolpern. (Von den hartnäckigen und anscheinend unzerstörbaren Kneteklümpchen, die an praktisch jeder Oberfläche klebten, will ich gar nicht erst anfangen.)

»Ich weiß, dass es eine Störung des Nervensystems ist, die in erster Linie den Bewegungsapparat betrifft«, antwortete sie. »Sie wird fortschreitend schlimmer. Und es gibt keine Heilung«, fügte sie leise hinzu.

Ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht gleich an Ort und Stelle zu rufen: »Sie sind engagiert!« Die meisten Frauen, die ich bis dahin interviewt hatte – insgesamt sechs – hatten schlicht den Kopf geschüttelt und in verschiedenen Varianten gestammelt: »Nicht viel.«

»Denken Sie, dass Sie sich um eine Person in einem späten Stadium kümmern könnten?«

»Ich glaube schon. Meine Mutter hat jahrelang unterMS gelitten, und mein letzter Arbeitgeber hatte Krebs und war in den letzten Jahren seines Lebens mehr oder weniger ans Bett gefesselt, sodass ich eine Menge Erfahrung mit degenerativen Erkrankungen habe.« Sie schenkte mir ein mitfühlendes Lächeln. Grübchen wie große Kommas tauchten auf beiden Seiten ihres Mundes auf. »Außerdem bin ich tougher, als es den Anschein hat.«

Ich erläuterte die Situation meiner Mutter in breiterem und quälendem De