: Nikki Sixx
: 21 Jahre Wie ich Nikki Sixx wurde
: Hannibal
: 9783854457305
: 1
: CHF 8.90
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 232
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nikki Sixx: vom Landei zum Rockstar Über seine Zeit mit den Skandalrockern von Mötley Cüre und sein drogengeschwängertes Leben danach berichtete Nikki Sixx bereits in den erfolgreichen Rock-Biografien The Dirt und The Heroin Diaries. Jetzt geht er in seinen Erinnerungen ein Stück weiter zurück und blickt auf die ersten 21 Jahre seines Lebens: auf die Zeit, als er noch nicht Nikki Sixx, sondern Franklin Carlton Feranna war. Der kleine Frankie wuchs in ungeordneten Verhältnissen auf: Der Vater verließ die Familie früh, seine Mutter kämpfte mit ihren eigenen Dämonen und gab den Jungen oft bei seinen Großeltern ab, die als Arbeiter von Farm zu Farm und von Staat zu Staat zogen. Es war ein ländliches Leben, bei dem Jungs angelten oder jagten, sich für Sport begeisterten und den Mädchen hinterherguckten - ein Leben, von dem Frank schon früh wusste, dass es ihm nicht reichte. Für ihn wurde der Glamrock der Siebziger zum Fluchtweg aus dem familiären Beziehungschaos und der provinziellen Enge. Noch als Teenager stieg er in einen Greyhound-Bus und fuhr nach Hollywood. Für kurze Zeit kam Frank bei seinem Onkel unter, der, wie es der Zufall wollte, in der Musikindustrie arbeitete. Und nachdem ihm diese Verbindung am Ende nicht viel mehr als einen Stapel Platten von The Sweet einbrachte, biss er sich allein weiter durch: In 21 Jahre erzählt er pointiert und selbstironisch von seiner Odyssee auf dem Weg zum Ruhm, von versifften Kellern, kleinen Betrügereien, geklauten Instrumenten und miesen Jobs. Wie ein moderner Huckleberry Finn tingelt er durch eine Welt des schönen Scheins und erweist sich als scharfsichtiger Beobachter der Szene in Los Angeles. Viele spätere Rockstars kreuzen dabei seinen Weg, von Blackie Lawless bis Randy Rhoads, während er sein Ziel stets im Blick behält: eine Band, die das Beste aus Punk, Glam und Hardrock kombiniert und eine Bombenshow abliefert. Wie dabei aus dem Provinzjungen Frank Feranna der Rockstar Nikki Sixx wird, ist eine faszinierende Neuerzählung des uralten amerikanischen Traums - und der wahrhaftige Beweis, dass man alle Widerstände überwinden kann, wenn man nur fest genug daran glaubt.

Nikki Sixx ist der Gründer, Bassist und Hauptsongschreiber der Hardrock Band Mötley Crüe, außerdem Gründer der Band Sixx:A.M. und vierfacher Bestseller-Autor. Nach der 2001 mit Neil Strauss verfassten Crüe-Biografie The Dirt (deren Verfilmung 2019 zum Netflix Filmhit wurde) landete er 2007 mit The Heroin Diaries, in dem er seine Solokarriere und Drogensucht aufarbeitete, einen weiteren internationalen Bestseller zu dem erstmalig auch ein gleichnamiges Begleitalbum mit Musik von Sixx:A.M. erschien. 2011 veröffentlichte Nikki sein drittes Buch This Is Gonna Hurt eine Sammlung dramatischer Fotografien und tiefer persönlicher Einblicke in sein Leben nach der Drogensucht. Es wurde in den USA ebenfalls zum Bestseller. Sixx unterstützt seit vielen Jahren verschiedene Suchtheilungsorganisationen und ist passionierter Fotograf. 2017 eröffnete er in der Leica Gallery Los Angeles seine erste Fotoausstellung Conversations with Angels. Der Vater von 5 Kindern lebt mit seiner Frau Courtney in Wyoming.

1.
Die Stadiontour

Frühling in Los Angeles bei etwas über 20°C, und mein Agent Dennis Arfa hatte mich zu einem Baseballspiel mitgenommen. Die Dodgers waren im siebten Inning. Dennis futterte seinen zweiten Hotdog und konnte kein Wässerchen trüben, also fragte ich ihn naturgemäß im höhnischsten Tonfall, den ich annehmen konnte: „Warum habenwirnie im Dodger Stadium gespielt?“

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Dennis, und er kennt die Orte, an denen wir gespielt haben genauso gut wie wir selbst: Budokan, Wembley, Red Rocks, Madison Square Garden. Mötley Crüe waren Vorgruppe der Rolling Stones. Wir haben jede Freiluftarena vollgepackt, für die wir gebucht wurden, und standen bei Open-Air-Festivals auf der ganzen Welt als Headliner auf der Bühne. In Los Angeles machten wir den Hollywood Bowl voll und verkauften das Staples Center aus. Aber das Dodger Stadium? Ich hatte nur einmal einen Fuß aufs Feld gesetzt, und zwar für einen feierlichen ersten Wurf.

„Ich schätze, das liegt daran, dass ihr auf die schlaue Idee gekommen seid, die Band aufzulösen.“

Wir prusteten beide vor Lachen.

„Falls ihr es euch irgendwann anders überlegt“, fuhr Dennis fort, „ruft mich einfach an.“

Wenige Stunden später weckte ich meine Ehefrau.

„Sollten wir je wieder zusammenkommen, werden wir im Dodger Stadium spielen.“

Courtney ist daran gewöhnt, dass ich sie nach Mitternacht wecke. Meistens sieht sie es mir nach. Diesmal sagte sie: „Aber Schatz, die Band hat einen Vertrag unterschrieben.“

Das stimmte. Ein paar Jahre zuvor hatten Mötley Crüe eine „Tournee-Unterlassung“ unterzeichnet – und Courtney weiß, dass ich ein Mann bin, der sein Wort hält. Allerdings bin ich auch jemand, der sich von seinen Leidenschaften leiten lässt.

„Ich denk mir was aus“, erwiderte ich.

Zu der Zeit arbeitete ich anTheDirt, der Filmadaption des Buchs über Mötley. Es war ein Bestseller gewesen, und bislang sah es so aus, dass der Streifen besser ausfallen würde, als irgendjemand von uns hätte ahnen können. Tommy wurde von Machine Gun Kelly gespielt, ein englischer Schauspieler namens Douglas Booth übernahm meine Rolle. Er gab also seinen besten Nikki Sixx, während der echte Nikki Sixx Meetings mit Live Nation, Apple, Spotify, Radiosendern und Social-Media-Plattformen abhielt, um den Film zu promoten. Ich zeigte dabei Ausschnitte, teilte einige meiner eigenen Erinnerungen und spielte einen neuen Song, den ich geschrieben hatte.

Genau genommen hatte ich mehrere neue Songs – gut ausformulierte Ideen, die ich alle aufregend fand. Ich war mit dem Gitarristen John 5 zugange gewesen, der mit jedem von k.d. lang über Marilyn Manson bis zu Rob Zombie gearbeitet hatte, sowie mit dem Sänger Sahaj Ticotin, der einen Rekord aufgestellte hatte, da er Töne länger halten kann als jeder andere Mann. Wir hatten ein paar Demos aufgenommen, und ich hatte sie alle Bob Rock vorgespielt, der 1989 mitverantwortlich war für Mötleys Crües größtes AlbumDr. Feelgood. Kaum zu fassen, dass seitdem 30 Jahre vergangen sind, doch beim Hören der Tracks meinte Bob: „Die klingen wie klassische Crüe-Nummern.“ Derjenige, die ich für den Abspann komponiert hatte, erinnerte ihn an „Kickstart My Heart“ – Riesenlob vom Produzenten des Originals.

„Wir haben die Songs“, sagte ich zu Courtney.

Die Songs – die Musik ist der Ausgangspunkt. Ohne sie keine Clubtourneen, keine Hallentouren. Keine Arenen und keine Privatjets, um die Arenen anzufliegen. Ohne Musik kein Geld, keine Platinauszeichnungen zum Tapezieren von Studiowänden. Mötley hätten nichts von der Liebe, dem Hass, dem Tod und der Zerstörung erlebt, die mit dem Lifestyle einhergehen. Wir vier zusammen kommen auf 160 Jahre voller Erfahrungen, von denen wir zehren können. Wäre dies ein VH1-Special, würden wir einstimmig sagen: „Einige der schönsten, die wir je gemacht haben! Einige der schlimmsten! Und nicht viele, die wir bereuen!“

Wir alle würden die Wahrheit sagen. Als kleiner Junge malte ich Bands auf meine Schreibblöcke. Vier einander ergänzende Charaktere mit Superheldenfähigkeiten an Schlagzeug, Bass, Gitarre und Mikro. Diese Typen sahen immer cool aus, hatten immer die besten Songs, die sie auch gut spielten, und aussagekräftige Texte. Im Kopf baute ich ein neues Ungetüm.

Jene Bands waren Mötley im Embryonalstadium. Ich musste lediglich nach Los Angeles ziehen, das Bassspielen lernen und drei andere Musiker finden, die die Welt so sahen wie ich. Letztendlich ist genau das passiert. Natürlich erforderte es tonnenweise Schwerstarbeit und dabei nicht nur die naheliegende. Abgesehen vom Komponieren, Proben, der Arbeit an unser